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Garten im Hochformat: Kartoffeln wachsen im Turm

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Die Kartoffeln werden wie das Zifferblatt einer Uhr Schicht für Schicht in den seitlich mit Stroh ausgestopfte Drahtturm gelegt.  Foto: Gudrun Klinkhammer
Wer wenig Platz im Garten hat, muss erfinderisch sein. Familie Bartoniczek will sich aus ihrem 45 Quadratmeter kleinen Garten komplett selbst versorgen und nutzt dafür spannende Techniken.  Von 
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Der Garten von Verena Bartoniczek ist für Eifeler Verhältnisse mit 45 Quadratmetern sehr klein. Zudem enthält er diverse „Störfaktoren“, die die Schleidenerin veranlassten, ihn in diesem Frühjahr erstmalig vertikal anzulegen.

Ihr Ziel: Die 48-Jährige wünscht sich einen Selbstversorgergarten, aus dem sie ihre sechsköpfige Familie das ganze Jahr über vollwertig versorgen kann. Getreide bleibt dabei außen vor. Verena Bartoniczek, Mutter einer Tochter und Großmutter von zwei Enkelsöhnen, sagt: „Mein Ziel ist gesundes Essen und ein autarkes Leben auch im städtischen Miteinander.“

Bei einem der Störfaktoren in ihrem grünen Refugium handelt es sich um einen Mammutbaum an der Grundstücksgrenze, dem die Gartenbesitzerin beim Wachsen zuschauen kann, wie sie sagt. Die Wurzeln des zwar noch jungen, aber vom Umfang her schon sehr beachtlichen Gehölzes durchdringen inzwischen den ganzen Gartenboden bis fast zum Haus.

Das steht übrigens mitten in Schleiden, gleich hinter dem Städtischen Gymnasium. Zweiter Störfaktor sind Haustiere, die über die Beete streifen und sie eventuell verunreinigen könnten. Verena Bartoniczek ist der Überzeugung, dass ihr Wunsch trotz der Probleme wahr wird, dank vertikalem Gärtnern.

„Ich verwende nur samenfeste und gentechnisch unmanipulierte Obst- und Gemüsesorten“
Verena Bartoniczek

Sie sagt: „Ich verwende nur samenfeste und gentechnisch unmanipulierte Obst- und Gemüsesorten. Die Pflanzen ziehe ich selber vor und bewirtschafte die Flächen ohne künstliche Düngemittel.“ Mit Hochbeeten, einem Tomaten- und einem Salathaus, Heilkräuterbeeten, zudem mit einem Erdbeer- und einem Kartoffelturm werden die Vorgaben inzwischen erfüllt.

Den Kartoffelturm baute Verena Bartoniczek am vergangenen Samstag und ließ sich dabei über die Schulter schauen.

Wir bauen einen Kartoffelturm

Zunächst drehte die leidenschaftliche Gärtnerin, die die Vorlage für den Kartoffelturm zufällig auf der Internetplattform „Facebook“ entdeckte, eine Estrichmatte aus Metall zu einem Turm zusammen und heftete diesen mit Kabelbindern fest.

Die Befüllung des Turms muss genau an der Stelle erfolgen, an der die Kartoffeln auch wachsen sollen. Denn nach der Befüllung kann das Gebilde nicht mehr verschoben werden.

Erhoffter Ertrag: 40 Kilogram Kartoffeln

Der Boden besteht komplett aus Stroh und grobem Material wie etwa Rindenmulch, damit das Wasser stets gut abläuft. Die erste Schicht wird im Randbereich aus Stroh modelliert, die Mitte wird mit Erde befüllt. Wie bei dem Zifferblatt einer Uhr werden die Kartoffeln dann unmittelbar vor der Strohwand auf die glatt gestrichene Erde verteilt.

Es erfolgt eine erneute Schicht Erde und ein weiterer Rand aus Stroh, woran die Kartoffeln gerückt werden. Nach diesem Schema wird der Turm weiter befüllt und aufgebaut. Die letzte Schicht wird nicht nur im Randbereich, sondern auch mittig mit Kartoffeln belegt und abschließend noch einmal mit Erde bedeckt.

Durch das Stroh wächst der grüne Teil der Kartoffel seitlich aus dem Turm hinaus und zieht sich auf diese Weise Licht, hofft Verena Bartoniczek. Die Mutterkartoffeln im Innern des Gebildes schrumpeln zusammen, an ihnen bilden sich die neuen Kartoffeln. Bartoniczek schätzt, sollte ihr Plan aufgehen: „ Aus diesem Turm werde ich rund 40 Kilogramm Kartoffeln ernten können.“

Verena Bartoniczek ist auf das Wachstum der Kartoffeln im Turm gespannt. Foto: Gudrun Klinkhammer

Würde dieser „Kartoffelacker“ horizontal angebaut, bräuchte der Gärtner allein dafür eine Fläche von rund 20 Quadratmetern.
Inzwischen wachsen und gedeihen im Mini-Selbstversorgergarten der ausübenden Kinesiologin und ganzheitlichen Massagetherapeutin 40 Gemüsesorten, 13 Obstbäumchen, diverse Beerensträucher und viele Kräuter und Heilpflanzen.

Ein kleiner Gartenteich findet auch noch Platz im quirligen Lebensmittelpunkt. Denn sobald es nicht mehr regnet, verlegt Familie Bartoniczek ihr Dasein in ihr grünes Zimmer.

Gärtnerwissen von Großmutter erlernt

Für Garten-Accessoires und Kleinmöbel schaffte die Familie selbst in der kleinsten Ecke Platz. Ein kleiner Tisch und zwei Klappstühle stehen auf einem überschaubaren Treppenpodest. Geschützt wird der lauschige Platz von einem sonnengelben Gartenschirm.

Der Kartoffelturm

Die „Zutaten“ für den Kartoffelturm gibt es in jedem Baumarkt. Das Grundgerüst für den Turm besteht aus einer 1,30 mal zwei Meter großen Estrichmatte im Wert von sechs Euro, Kabelbinder im Wert von 1,50 Euro, Stroh im Wert von drei Euro, Mutterboden und Biokompost sowie rund zehn Kilogramm Kartoffeln der Sorte „Nicola“, die etwa zehn Euro kosten.

Lieber noch als die Sorte Nicola hätte Verena Bartoniczek „Cilena“ angebaut, doch die war in diesem Frühjahr bereits schnell vergriffen. (gkli)

Weitere Informationen gibt es bei Verena Bartoniczek unter 0 17 8/3 33 90 38 oder auf der Facebook-Seite „Entwicklungszentrum im Jahreskreis mit Mutter Natur“.

Über den Sommer werden wir die Gärtnerin immer wieder besuchen und schauen, wie sich der vertikale Garten entwickelt.

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