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Ortsjubiläum: Ein Städtchen gönnt sich ein Festjahr

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Städtische Müllabfuhr anno 1952: Von Hand wurden die kleinen Blechtonnen der Häuser an der Dreiborner Straße auf den Anhänger entleert.  Foto: Sammlung Herbrand
Die erste urkundliche Erwähnung ihres Städtchens feiern die Gemünder mit einem ganzjährigen Festreigen. Zum Auftakt stellt Markus Herbrand stellt 48 Fotos aus dem Familienbesitz zu rund 50 Jahren Geschichte seines Heimatortes vor.  Von
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Schleiden-Gemünd

Eine Stadt feiert sich selbst: Vor 800 Jahren wurde das Städtchen am Zusammenfluss von Urft und Olef erstmals urkundlich erwähnt. Das feiern die Gemünder und alle interessierten Gäste mit einem ganzjährigen Festreigen mit diversen Höhepunkten.

Anderthalb Stunden lang präsentierten am Donnerstag Marika Lotz-Colditz, Manfred Müller und Christoph Kammers, die den Festkanon im Auftrag der Gemeinschaft Gemünder Vereine organisierten, das endgültige Programm. Die Stadt ist dabei eng eingebunden, wie die Anwesenheit von Bürgermeister Udo Meister unterstrich.

Zwei Schirmherren

Besonders erfreut zeigten sich die Verantwortlichen darüber, dass es zum Jubiläum gleich zwei Schirmherren geben wird: Neben dem Bürgermeister hat auch Hanna Miley, geborene Zack, zugestimmt, als Schirmherrin zu fungieren. Sie entkam dem Holocaust, weil es ihren Eltern gelang, sie mit einem der Kindertransporte nach England in Sicherheit zu bringen. Ihre gesamte Familie starb im Vernichtungslager Kulmhof.

Urftbrücke
1924 durchbrach dieser Lastwagen an der Urftbrücke am heutigen Hotel Friedrichs das Brückengeländer, bevor er hängen blieb.
Foto: Sammlung Herbrand

Damit haben die Veranstalter ganz bewusst eine historische Herangehensweise verfolgt. Das geht einher mit erstmaligen intensiven Bemühungen von Gemündern, die Geschichte der ehemals im Ort lebenden Juden aufzuzeigen. In dem Zusammenhang sollen an zwei Tagen auch Stolpersteine vor den ehemaligen Wohnhäusern von Gemünder Juden verlegt werden. Als Manfred Müller von Hanna Miley das Grußwort bekam seien ihm die Tränen gekommen.

Im Zusammenhang mit dem Jubiläum wird es auch einen ersten Gemünder City-Lauf geben, zu dem mehrere Hundert Teilnehmer erwartet werden. „Pänz für Pänz“ soll danach ein Fest werden, bei dem die Gemünder Kids am Kunst-Forum Eifel ein Kinderprogramm organisieren wollen.

Markus Herbrand
Markus Herbrand (stehend) mit Opas Fotoapparat neben einem Porträt des Fotografen Edmund Herbrand.
Foto: Franz-Albert Heinen

Im Juni soll es einen ökumenischen Gottesdienst mit nachfolgeder Gedenkstunde geben, bevor am 1. Juli die ersten Stolpersteine verlegt werden. Ab Mitte Juni lebt die Aktion „Kunst im Fluss“ wieder auf, die ebenfalls in Zukunft regelmäßig wiederholt werden soll, gegebenenfalls in Kooperation mit Schleiden.

Auch ein großes Schau-Sägen von Fachleuten ist vorgesehen, und zwar als „Timbersports-Show-Event“ mit einem „Holzweg“, an dem sich die mit dem Werkstoff arbeitenden Unternehmen vorstellen. Im Sommer ist eine Art „Spiel ohne Grenzen“ im Rosenbad geplant, ein großer Wandertag und ein Open-Air-Konzert der Höhner am Marienplatz. Den krönenden Abschluss bildet der „Gemünder Abend“ am Kirmessamstag, zu dem es auch ein großes Feuerwerk geben soll.

Die erste Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums wird am heutigen Freitagabend mit geladenen Gästen eröffnet. Markus Herbrand stellt im Kunst-Forum auf 48 Fotos im Format 50 mal 70 Zentimeter aus dem Familienbesitz rund 50 Jahre Geschichte seines Heimatortes vor.

Die meisten Fotos fertigte Herbrands Großvater Edmund an, aber einige der ganz alten sind unbekannten Fotografen zuzuordnen. Es handelt sich um einmalige Zeitdokumente, die über die Jahrzehnte gut verwahrt in Blechkisten schlummerten, bis Markus Herbrand den Schatz hob und jetzt die Öffentlichkeit daran teilhaben lässt. Das wohl historisch bedeutsamste Foto zeigt die Gemünder Synagoge am Morgen nach der Brandstiftung. Dieses Dokument steht absolut einzigartig da.

Das Schwierigste war die Auswahl

Die meisten Fotos zeigen Ansichten aus dem Stadtbild zwischen 1902 und den 1950er-Jahren. Andere haben besondere Augenblicke festgehalten, wie etwa einen Lastwagenunfall am Hotel Bungart im Jahr 1924. Die Ausstellung ist für die Öffentlichkeit ab Samstag bis zum 28. April jeweils freitags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Ulf Mehlhorn bietet auch Führungen durch die Ausstellung an. Das Schwierigste war die Auswahl der Bilder, denn eigentlich wären sie allesamt ausstellungswürdig.

Begleitend hat Herbrand einen um etliche Fotos auch aus der Region erweiterten Ausstellungskatalog mit 96 Bildern zusammengestellt. Der Bildband ist zum Preis von 9,49 Euro erhältlich.

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