Vorlesen
0 Kommentare

Pflanzen und Gerüche: Worauf bei Badeseen zu achten ist

Erstellt
Ein kritischer Blick vor dem Baden schadet nicht - Nicolas Adunka vom ADAC warnt vor trübem Wasser, das auf Verschmutzung hinweisen kann. Foto: ADAC
Ein kritischer Blick vor dem Baden schadet nicht - Nicolas Adunka vom ADAC warnt vor trübem Wasser, das auf Verschmutzung hinweisen kann. Foto: ADAC

Wer im Sommer gerne in freier Natur badet, hat ein Problem. Mit bloßem Auge lässt sich nicht erkennen, ob Bakterien und Keime den Badesee verschmutzen. Die Wasserqualität bestimmen Wissenschaftler fernab unter dem Mikroskop im Labor. Manchmal hilft aber auch der eigene Instinkt, um herauszufinden, ob man der Wasserqualität trauen kann. Nützlich sind aber auch einige grundlegende Tipps:

Aussehen: „Wenn das Wasser trübe ist, ist das ein Hinweis auf eine gewisse Verschmutzung“, sagt Nicolas Adunka, Wasserexperte vom ADAC in München. Vor allem im Flachwasserbereich sollten Badende noch ihre Füße erkennen können. Schaum ist ein Anzeichen dafür, dass Eiweiß zersetzt wird, erklärt Adunka. Das heiße aber nicht, dass das Gewässer gefährlich sei. Schlieren auf der Wasseroberfläche stammen ebenfalls nicht zwangläufig aus einer gefährlichen Quelle: Manchmal seien es nur Reste von Sonnencreme.

Pflanzen: „Algen sind ein Hinweis dafür, dass das ökologische Gleichgewicht des Sees gestört ist“, so Adunka. Wer einen Algenteppich vorfindet, sollte das Baden erst einmal auf ein Minimum reduzieren, rät er. Aber: „Algen kommen und gehen wieder“ - in der Regel ist der Algenteppich bald wieder verschwunden.

Geruch: „Wenn ich Moder- oder Fäulnisgeruch wahrnehme, ist das ein Hinweis dafür, dass bakterielle Prozesse stattfinden“, erklärt der ADAC-Experte. Oft stammt der Geruch aus Bereichen im See, in denen das Wasser steht und wo sich viel Moder ansammelt. Diese Stellen sollten Badende meiden und stattdessen dort schwimmen, wo sich das Wasser durchmischt.

Tiere: Gänse und Enten hinterlassen vor allem eines im Wasser - Kot. Deshalb empfiehlt es sich, nur dort ins Wasser zu gehen, wo wenige Wasservögel sind. Lieblingsplätze der Vögel sind Bootsstege und Bojen - Schwimmer sollten deshalb einen Bogen darum machen. Und: „Keine Wasservögel füttern“, warnt Adunka. Sonst sammeln sich auch am Strand und im Flachwasserbereich Fäkalbakterien.

Mündungen: Wo Rohre, Bäche, Kanäle und Gräben in den See münden, ist das Baden tabu. Denn hier können sich die Schwimmer nicht sicher sein, woher das Wasser stammt. Der ADAC warnt, dass solche Zuflüsse häufig eine erhöhte Anzahl an Keimen enthalten.

Umgebung: Ist der Badesee von Feldern umgeben, sollten Urlauber direkt nach einem starken Regen aufs Schwimmen verzichten. Denn durch den Regen können Substanzen aus der Landwirtschaft ins Wasser geschwemmt werden.

Generell müssen sich Ausflügler eher wenig Sorgen machen, dass sich in ihrem Badesee Bakterien tummeln: Laut einem am Dienstag vorgestellten Bericht der EU-Kommission, lädt die große Mehrheit (94 Prozent) der Badestellen in Europa zu ungetrübtem Badespaß ein. In den Bericht gingen die Werte von 2300 deutschen Gewässern ein. Neun von zehn Seen, Freibädern und Flussbädern erhielten die Bestnote.

Getestet werden die Gewässer in Deutschland bereits zum zweiten Mal nach der neuen Badegewässerrichtlinie der EU-Kommission. Darin liegt der Schwerpunkt auf Kolibakterien (E. coli) und Intestinalen Enterokokken.
Der ADAC testet ebenfalls regelmäßig die Wasserqualität verschiedener Badeseen - allerdings nicht ab einem Meter Wassertiefe wie im EU-Test, sondern im Flachwasserbereich, wo viele Kinder spielen. Der diesjährige Test wird erst in einigen Wochen veröffentlicht. (dpa/tmn)