Kölner Stadt-Anzeiger

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Camp ist von wertvollster Natur „umzingelt“

Von KLAUS SCHMITZ, 21.02.03, 07:01h

Zur Zukunft der Wahner Heide ziehen die Umweltverbände an einem Strang und haben ein umfangreiches Konzept entwickelt.

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Gemeinsames Konzept für ein Landschaftszentrum: Holger Sticht, Paul Kröfges, Wolfgang Kemmer, Mark vom Hofe (v.l.).BILD: K. SCHMITZ
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Gemeinsames Konzept für ein Landschaftszentrum: Holger Sticht, Paul Kröfges, Wolfgang Kemmer, Mark vom Hofe (v.l.).BILD: K. SCHMITZ
Zur Zukunft der Wahner Heide ziehen die Umweltverbände an einem Strang und haben ein umfangreiches Konzept entwickelt.

Troisdorf - Wie die Ideen, die gestern von den Umwelt- und Naturschutzverbänden im Troisdorfer Umweltzentrum vorgestellt wurden, finanziell und zeitlich umgesetzt werden können, ist noch unklar. Zweifelsohne aber könnte das Konzept im Rahmen der „Regionale 2010“ (die seit 2000 alle zwei Jahre stattfindende Landesschau) grenzübergreifend Furore machen, was durchaus im Sinne der Verbände ist. Schließlich handele es sich bei der Heide um eine „international bedeutsame Fläche“, wie Mark vom Hofe sagt, der Vorsitzende des Bergischen Naturschutzvereins und der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU).

Im Mittelpunkt der Planungen steht die Nutzung des belgischen „Camp Altenrath“, das im Sommer von den letzten belgischen Militärs verlassen wird. Hier soll nach Vorstellungen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), von Naturschutzbund (NABU), LNU und dem Bündnis für die Wahner Heide ein „Landschaftszentrum südliche Heideterrasse“ eingerichtet werden, bestehend unter anderem aus Biologischer Station, Informationszentrum, Heidemuseum und Heidehof mit Café. Dieses Zentrum, sagt Paul Kröfges, BUND-Vorsitzender im Kreis, solle sowohl für die Wahner Heide als auch für die angrenzenden Gebiete Königsforst und Stallberger Teiche die wissenschaftliche Betreuung samt Besucherinformation und -lenkung übernehmen.

Da die angepeilte Biologische Station in der Heide nicht mit Landschaftspflegemaßnahmen betraut werden soll, sondern eine ausschließlich am Projekt Wahner Heide orientierte Station ist (es gibt 700 Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen), sehen die Umweltverbände gute Chancen, dass vom Land Zuschüsse fließen. Weitere Finanzen erhofft man sich unter anderem aus Stiftungsgeldern, von regional tätigen Unternehmen, ebenfalls vom Flughafen.

Zur Umsetzung der Pläne wird ein Fünftel der 50 Hektar großen Kasernenanlage benötigt. Die nicht für die Naturschutznutzung benötigten Gebäude sollen zurückgebaut werden. Als Träger des Infozentrums ist das Bündnis für die Wahner Heide vorgesehen, Dachverband für Schutz und Entwicklung der Heide. Wolfgang Kemmer, Vorsitzender im Naturschutzbund Rhein-Sieg: „Das Konzept liegt dem Bund vor. Jetzt ist der Eigentümer gefordert.“

Die Planungen des Bundes im Hinblick auf die Altenrather Kasernenanlagen seien noch nicht klar. Die immer wieder ins Gespräch gebrachte, wie auch immer geartete Nutzung durch den Flughafen Köln / Bonn sei „absolut unverträglich“, sagt Kemmer, schließlich seien die derzeitigen Kasernen von wertvollstem Naturschutzgebiet „umzingelt“. Aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an die Troisdorfer Stadtverwaltung gehe hervor, dass sich der Bund durchaus eine Eingliederung des Kasernengeländes ins Flughafenareal vorstellen könne. Dies käme einer Katastrophe gleich, die es im Keim zu ersticken gelte, sagt Paul Kröfges. Der Flughafen selbst hat bisher immer ein Interesse an dem Camp vehement dementiert.

Das Landschaftszentrum ist nur der Anfang. Die Vision sieht aus, die drei Naturschutzgebiete (Wahner Heide, Königsforst, Stallberger Teiche), eben die südliche Heideterrasse, zu einer „bedeutenden Landschaftseinheit“ zusammenwachsen zu lassen, um als „ausreichend großer und ökologisch international hochrangiger Refugialraum mit großem Erlebnis- und Erholungswert“ zu dienen, wie Holger Sticht vom Bündnis für die Wahner Heide erläutert. Auf keinen Fall, und darin sind sich die Vertreter der Umweltverbände einig, dürfe die Bundesrepublik die Heide „verscherbeln“.