Von KLAUS SCHMITZ, 26.02.03, 07:04h
Troisdorf - Was hat er nicht schon alles probiert, der etwas einfach gestrickte Willi Fröhlich. Artist war er (wirklich einzigartig, wie er Besen tanzen lässt), Musiker auch, selbst als Missionar war er unterwegs, um (auch im Rheinland) gemeinsam mit Ehefrau und Schwager für das Lachen zu werben: Erlachtet. Nie hatten die Jobs lange Bestand. Auch beim Lübecker Baubetriebsamt flog er, nachdem er dem Chef nur die Wahrheit geflüstert hatte. Das oft geschmähte Arbeitsamt brachte die Lösung. Wegen seiner beruflichen Vorgeschichten wurde der immer noch bei Mutti lebende junge Mann als besonderer Fall eingestuft: Er erhielt eine Verkaufsschulung und arbeitet nun als Verkäufer für Produkte der BFM, der Berliner Fliegenklatschen Manufaktur. Jetzt war Fröhlich hier auf Verkaufstour.
Als feierten sozialistische Zeiten fröhliche Urständ, war vor der Aula des Heinrich-Böll-Gymnasiums etwas zu sehen, was es in Troisdorf vor Beginn einer kulturellen Veranstaltung seit ewigen Zeiten nicht mehr gegeben hat: Menschen, die im Freien in langer Schlange geduldig nach Karten anstanden und sich auf die Premiere des neuen Programms von Arno Margraf, alias Willi Fröhlich freuten. Für den war der Abend ein Heimspiel. Denn Margraf lebt in Troisdorf, und weil Sohn Maximilian (11) die fünfte Klasse des Gymnasiums besucht, lag es auf der Hand, die Premiere hierher zu verlegen.
Margraf, oder besser der Herr Fröhlich, ist ein Menschenfänger. Mehr als 600 Zuschauer erlebten ein Zwerchfell erschütterndes Programm. Margraf selbst war baff: Da lädt man Leute ein, und die kommen auch noch.
Die skurrilen, irrwitzigen Bilder waren das Anstehen wert. Keine Alltäglichkeit, die Willi Fröhlich nicht noch komplizierter gestalten kann. Notenständern entlockt er die Eurovisionsfanfare, einer transsexuellen Abfalltonne, zum quietschenden Cello umfunktioniert, die Ode an die Freude. Wenn es darum geht, tragisch-anrührend den Beweis dafür anzutreten, dass er ein ganz normalerotischer Typ sei, tut es auch ein als Puppe - Beate - verkleideter Besenstil. Und wenn Fröhlich mal nicht weiter weiß, hat er ja immer noch Lebensweisheiten von Mutti. Die sagt: Such dir eine, die kochen kann. Dass, wenn die Liebe geht, das gute Essen bleibt.
Nachdem er Bewegungstheater und Schauspiel studiert hatte, machte sich Margraf vor 17 Jahren auf den Weg, in der Tradition des guten alten Charakter-Komikers zu überzeugen. Mit großen Erfolg. Für Ansichten eines Clowns erhielt er den deutschen Theaterliteraturpreis. Auf das aktuelle Programm bereitete sich Margraf anderthalb Jahre vor.
Natürlich hatte die sauerländische Verkaufskanone auch reichlich Fliegenklatschen-Muster mitgebracht. Neben der vulgären aus Plastik gibt es gehäkelte, solche aus Nußbaum, Kuschel-Klatschen, Wahre-Liebe-Klatschen (für den Spaß zu Zweit), Klatschen von Herzen (dadurch mit 39 Euro allerdings etwas teurer), Recycling-Klatschen (fangen Sie Fliegen drei Mal, damit die Fliege auch etwas davon hat), virtuelle Klatschen oder auch Karma-Klatschen für Esoterik-Freunde.
Es dauerte nicht lange und Willi Fröhlich hatte es demonstriert: Der Sauerländer als solcher ist gar nicht so öde und dröge. Und eine Mördergrube macht er aus seinem Herzen nie. Wer im Handstand Küsschen verteilt und das Publikum zum Pfeifkonzert des berühmten sauerländischen Lieds An der schönen blauen Sorpe (relativ frei nach einer Strauß'schen Komposition) animiert, ist kein schlechter Mensch. Nein, Willi Fröhlich ist Komiker im besten Sinn, einfach eine wunderbare Mischung aus Heinz Erhard und Mister Bean, dem auch ein paar Gene von Monsieur Hulot und Otto zugeflogen sind.