Kölner Stadt-Anzeiger

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Nur nicht resignieren

Von GÜNTHER BEYER, 29.03.03, 07:01h

Film, Lyrik, Musik sollten bestärken im gemeinsamen Einsatz für den Frieden.

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Bernd Klagge (M.), der kurz vor dem Krieg in Bagdad war, im Gespräch mit Angela Keil und Andreas Buderus (Friedensinitiative). BILD: BE
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Bernd Klagge (M.), der kurz vor dem Krieg in Bagdad war, im Gespräch mit Angela Keil und Andreas Buderus (Friedensinitiative). BILD: BE
Film, Lyrik, Musik sollten bestärken im gemeinsamen Einsatz für den Frieden.

Sankt Augustin - Das Licht geht wieder an im Haus Menden, aber die Gemüter der Menschen im Saal sind noch tiefer verdüstert, als sie es waren seit Beginn des ersten Bombensturms auf Bagdad, der markierte, dass die weltweiten Rufe nach einer friedlichen Lösung des Konfliktes mit dem Irak nicht gehört worden waren. Der Film „Die Kinder von Bagdad“, den der Autor Uwe Sauermann vor dem Krieg in der irakischen Hauptstadt drehte, nahm die Zuschauer mit. Er zeigt die verhängnisvollen Auswirkungen des zwölfjährigen Handelsembargos auf die Unschuldigsten: Kinder ohne Zukunft, ohne Ausbildung, Kinder, die hungern, die an schrecklichen Erkrankungen leiden. Verzweifelte Eltern und Ärzte müssen hilflos mit ansehen, wie Säuglinge hingerafft werden, weil die lebensrettenden Medikamente nicht eingeführt werden dürfen. Es ist eine furchtbare Dokumentation. Und in den Menschen in Haus Menden - es mögen an die 100 sein, die der Einladung der örtlichen Friedensinitiative gefolgt sind - bohrt die Vorstellung, wie es den soeben im Film Begegneten gerade jetzt ergehen mag.

Angela Keil und Andreas Buderus, die Motoren der rührigen Mendener Friedensinitiative, hatten den „Kulturabend gegen den Krieg“ vorbereitet. Sie selbst tragen Gedichte vor, die den Krieg als die Kapitulation vor dem Streben nach Vernunft erkennen. Von diesen gibt es unzählige. Wie auch solche zuhauf verfasst wurden, die nicht nachlassen in dem Aufruf, nicht zu resignieren, sondern weiter zu machen in den Anstrengungen um das Schaffen einer sich respektierenden Völkergemeinschaft.

Aus Bonn gekommen ist Bernd Plagge. Er war als Mitglied der „Internationalen Friedensdelegation Irak '03“ noch Mitte Februar in Bagdad. Dort besuchte er Krankenhäuser, kontaktierte Vertreter der verbliebenen Hilfsorganisationen, sprach mit den Menschen, von denen er sagt, dass sie ihn mit ihrer Gastfreundschaft „beschämt“ hätten im Angesicht der Bedrohung von außen. Diese habe, will Plagge erkannt haben, das Gegenteil von dem bewirkt, was sie erreichen sollte: Sie habe die Iraker, obschon keine Unterstützer des Diktators Hussein, „zusammengeschweißt“. Zum Film sagte er: „Es ist noch viel schlimmer in Bagdad als das Gezeigte.“

Auf den Tischen liegen Liedtexte, deutsche Versionen von Bob Dylans „Blowin' in the wind“, Pete Seegers „Where have all the flowers gone“. Begleitet von Gitarre und Querflöte stimmen die Besucher die Songs an. Und es scheint, als sie „We shall overcome“ singen, dass sich unter ihnen wieder Kraft ausbreitet. Kraft, die vonnöten ist, um eben nicht nachzulassen. Eine Gruppe Mendener und Bonner Sängerinnen und Sängern schafft es, mit schwungvollem Gospel sogar so etwas wie Aufbruchstimmung zu verbreiten.