Kölner Stadt-Anzeiger

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Polizeiskandal: Gutachten belastet Beamte

Erstellt 12.05.03, 15:24h

Ein Jahr nach dem Kölner Polizeiskandal um mutmaßliche Misshandlungen eines Festgenommenen hat ein neues medizinisches Gutachten die sechs beschuldigten Beamten belastet.

Köln - Ein Jahr nach dem Kölner Polizeiskandal um mutmaßliche Misshandlungen eines Festgenommenen hat ein neues medizinisches Gutachten die sechs beschuldigten Beamten belastet. Ein Experte des rechtsmedizinischen Instituts der Universität Heidelberg kommt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass "polizeiliche Zwangsmaßnahmen mitursächlich für den Tod" des Festgenommenen gewesen sein könnten. Das sagte ein Sprecher des Landgerichts Köln am Montag auf Anfrage.

Am 11. Mai 2002 sollen die sechs Polizisten einen 31-Jährigen krankenhausreif geschlagen haben. Der Mann starb nach zweiwöchigem Koma im Krankenhaus. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte gegen die Polizisten im Alter von 25 bis 35 Jahren Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Das Hauptverfahren beginnt am 26. Juni in Köln.

Die "vorbereitende gutachterliche Stellungnahme" aus Heidelberg betont, dass im Hauptverfahren aber noch geklärt werden müsse, ob es auch ohne die Zwangsmaßnahmen der Beamten zum Tod des 31-Jährigen gekommen wäre. Dazu sollten die Umstände von der Festnahme bis zur Blutentnahme im Krankenhaus geklärt werden. Nach der Blutentnahme war der Mann zusammengebrochen. Nach einem früheren Gutachten der Kölner Rechtsmedizin verursachte die Gewaltanwendung der Polizisten keine tödlichen Verletzungen. Als Todesursache wurde ein Hirnödem genannt, das durch einen Herzstillstand in der Klinik hervorgerufen worden sei.

Das Gericht hatte Prof. Ingo Pedal von der Universität Heidelberg hinzugezogen, da er als Experte für Todesfälle bei Festnahmen von Menschen in "höchstgradig erregtem Zustand" gilt. Der 31-Jährige Kölner hatte sich seiner Festnahme heftig widersetzt. Laut Kölner Gutachten war er "auffallend erregt" und hatte unter Cannabis- Einwirkung gestanden.