Kölner Stadt-Anzeiger

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Familie macht ihre Träume wahr

Von ANJA KATZMARZIK, 10.10.03, 11:56h

Mehr Zeit füreinander wünschen sich viele Familien. Doch Anja Lenze und Frank Schillig machen ihren Traum wahr - und fahren mit ihren Kindern fünf Monate durch Neuseeland. Mit dem Tandem!

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Frank Schillig, Anja und Jona Lenze (v. l.) kurz vor der Abreise.
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Frank Schillig, Anja und Jona Lenze (v. l.) kurz vor der Abreise.
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Die Tandems der Familie sind teure Spezialanfertigungen.
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Mehr Zeit füreinander wünschen sich viele Familien. Doch Anja Lenze und Frank Schillig machen ihren Traum wahr - und fahren mit ihren Kindern fünf Monate durch Neuseeland. Mit dem Tandem!

Neuehrenfeld - In der Ruhe liegt die Kraft. Noch zwei Stunden und das Taxi steht vor der Tür, das die Familie zum Hauptbahnhof bringt. Von hier geht es nach Frankfurt und im Flugzeug über Tokio nach Auckland, Neuseeland. Und das für fünf Monate. Zweimal zwölf Stunden Flug mit fünf Stunden Aufenthalt dazwischen stehen den Eltern und ihren fünf und vier Jahre alten Kindern bevor. Doch Anja Lenze und Frank Schillig sitzen seelenruhig da, als ginge es mal eben um die Ecke zum Bäcker.

Frei von Zeit und Ort

„Die ganzen letzten Monate waren wir so aufgeregt“, erzählt die 32-jährige Mitarbeiterin der GEW Rhein-Energie AG. „Jetzt bin ich relativ entspannt.“ Zwei Wochen standen die Taschen im Wohnzimmer, wurden ein-, aus- und wieder eingepackt. Seit vorgestern ist die Liste der unerledigten Dinge abgearbeitet. „Wir wissen, dass wir alles haben, was wir brauchen.“

Jeder hat eine Fahrradtasche voll Kleidung. Eingepackt sind Kochgeschirr, Tagebücher, CD-Player, Bücher und Spiele für die Kinder, eine kleine Hängematte, ein Ball zum Aufblasen. Platz bleibt nicht viel: Vier „Tamburellos“ (Tamburin-große Spielgeräte) sind der „größte Luxus“ in den kleinen Taschen. Ein Bekannter wird ihre Wohnung bewohnen, die Familie tauscht 68 Quadratmeter Wohnung gegen ganz viel Weite. Anja, Lara und Jona Lenze und Frank Schillig reisen für fünf Monate durch Neuseeland. Mit dem Tandem! Gestern ging es los.

Nach elf gemeinsamen Jahren und einigen Urlauben hat das Ehepaar jene Momente am intensivsten genossen, „in denen wir uns nah an Mensch und Natur mit nur wenigen Rahmenbedingungen hinsichtlich Zeit oder Ort bewegten“. Ob beim Wandern auf Korsika, mit dem Rucksack durch Südamerika, per Fahrrad durch Spanien, Sizilien und Deutschland oder mit dem Bulli durch Schweden.

Spezial-Tandems

Zum gemeinsamen und einsamen Favoriten der beiden Ingenieure der Energietechnik, die im Beruf sehr eingespannt sind, wurde schließlich das Fahrrad. Mit zwei Spezial-Tandems („Pinos“), versehen mit Kinder-Liegesitz vor der Lenkstange, geht es - nach einem dreiwöchigen Testlauf auf Sizilien im vergangenen Jahr - los. Die Kinder können sich während der Fahrt die Gegend ansehen, schlafen oder mittrampeln. „Am Berg ist das sozusagen unser Turbo.“ Warum sie so lange weg bleiben? Für Frank Schillig stand schon lange fest: „Neuseeland ist so weit weg. Das lohnt sich nicht für drei, vier Wochen.“ Das Land der Kiwi ist „ein Langzeittraum von uns beiden“, lächelt das Ehepaar um die Wette. Andere würden sich ein Häuschen kaufen, „wir wollen eine Familienauszeit, einmal ganz raus aus dem Alltag, bevor unsere Tochter nächstes Jahr eingeschult wird“. Anja Lenze nahm „Langzeiturlaub“, ihr Mann nutzt ein „Modell Jahresarbeitszeit“, in dem er ein halbes Jahr für den halben Lohn arbeitete und nun zur Hälfte weiterbezahlt wird.

Jetzt heißt es Kerikeri statt Kölle und New Plymouth statt Neuehrenfeld. Erste Station wird „Waiheke“ sein - eine kleine Insel südlich von Auckland, wo sich die junge Familie zunächst für ein paar Tage an die zwölfstündige Zeitverschiebung gewöhnen will. Wo es danach hingeht? Eine feste Route gibt es nicht. „Wir haben zwar einige Orte, die wir sehen wollen. Aber wir entscheiden von Tag zu Tag.“ Fest steht nur, dass sie sowohl die Nord- als auch die Südinsel bereisen wollen. Lara freut sich am meisten auf „die Höhle mit dem Glühwürmchen“. Jona, der Tierexperte, will „Wale, Pinguine und Robben“ sehen.

Der Abschied fällt ihnen bei dem Schmuddelwetter nicht schwer. In Neuseeland ist das Wetter zwar derzeit nicht viel besser. Jedoch mit dem feinen Unterschied: Südlich des Äquators steht die wärmste Jahreszeit erst noch bevor. „Wenn Lara im Dezember sechs Jahre alt wird, hat sie ausnahmsweise im Sommer Geburtstag“, wundert sich Anja Lenze. Lara nickt. „Und Weihnachten feiern wir am Strand.“ Nur, was wünscht man Fahrradurlaubern zum Abschied? Frank Schillig überlegt nicht lange: „Rückenwind!“