Kölner Stadt-Anzeiger

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Wiehltalbrücke mindestens noch einen Monat gesperrt

Von GISELA SCHWARZ UND THORSTEN MOECK, 31.08.04, 07:18h, aktualisiert 31.08.04, 11:59h

An der Sperrung der A 4 bei Gummersbach wird sich vorerst nichts ändern. Zwar muss die Wiehltalbrücke nicht abgebrochen werden, aber nach dem LKW-Brand wurde der Längsträger derart verformt, dass die Tragfähigkeit der Brücke in Frage gestellt ist.

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Ein Tanklastzug mit 32 000 Litern Benzin und Diesel war bei einem Unfall auf der Wiehltalbrücke auf der A 4 in Brand geraten, durchbrach die Leitplanke und stürzte rund 50 Meter in die Tiefe.
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Ein Tanklastzug mit 32 000 Litern Benzin und Diesel war bei einem Unfall auf der Wiehltalbrücke auf der A 4 in Brand geraten, durchbrach die Leitplanke und stürzte rund 50 Meter in die Tiefe.
Gummersbach/Köln - Die durch eine Tanklaster-Explosion beschädigte Wiehltalbrücke bei Gummersbach bleibt voraussichtlich noch mindestens einen Monat lang gesperrt. "Es ist anzunehmen, dass die exakte Schadensaufnahme und die Messungen und Berechnungen der Statiker mindestens so lange dauern werden", sagte ein Sprecher des Landesbetriebs Straßenbau am Dienstag in Köln. Die 700 Meter lange Autobahnbrücke sei aber "definitiv nicht einsturzgefährdet". Umfang und Kosten einer Sanierung des Bauwerks sind noch völlig unklar.

"Angenommen, man müsste ein Stück der Brücke rausschneiden, dann müsste sie auf der gesamten Länge von 700 Metern abgestützt werden - das wäre ein unglaublicher Aufwand", sagte Behördensprecher Bernhard Meier. Andererseits könnte es auch sein, dass die Brücke ohne große Bauarbeiten für leichte Fahrzeuge wieder geöffnet wird, sobald die Schäden feststehen. "Es muss berechnet werden, welche dynamischen Belastungen die Brücke tragen kann", sagte Meier. Die Umleitung auf der A 4 zwischen Köln und Olpe soll schneller gemacht werden.

Ein Aachener Ingenieurbüro wurde mit der Prüfung der Brücke beauftragt. Bauarbeiten könnten aber wahrscheinlich erst nach einer öffentlichen Ausschreibung in Auftrag gegeben werden, sagte Meier. Hätte die Brücke abgerissen und neu aufgebaut werden müssen, wären laut Landesbetrieb Kosten von rund 80 Millionen Euro entstanden.

Bei dem Unfall war am vergangenen Donnerstag ein Tanklaster mit 32 000 Litern Treibstoff von der Wiehltalbrücke gestürzt, nachdem ein Auto mit ihm kollidiert war. Beim Aufprall des Tanklaster nahe einer Ortschaft explodierte die Ladung. Der Lastwagenfahrer kam ums Leben. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen hatte ein 29 Jahre alter Mann das Unfallauto gesteuert. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Selbst wenn ein solcher Schaden einen zweistelligen Millionenbetrag erreicht, wird er nach Experten-Einschätzung vom Kfz- Versicherer des jeweiligen Unfallverursachers übernommen. Die Versicherungen deckten Schäden bis 50 Millionen Euro oder sogar unbegrenzt, wenn es sich um Altverträge aus der Zeit bis Ende 2001 handelt. Bei einem Großunfall wie auf der Wiehltalbrücke umfasst der finanzielle Schaden neben den Kosten für Fahrzeuge, Autobahn und Brücke auch Schmerzensgeld und Verdienstausfälle.

Die Minuten nach dem Zusammenstoß können recht genau rekonstruiert werden.

Unterdessen sind die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen in der Lage, die Minuten nach dem Unfallgeschehen auf der Brücke recht genau zu rekonstruieren, nachdem der BMW der 25 und 29 Jahre alten Brüder aus Köln auf der nassen Fahrbahn ins Schleudern geraten und mit dem Tanklastzug kollidiert war, der daraufhin von der Brücke stürzte.

„Einer der Zeugen hatte der Polizei erzählt, er habe einen Mann neben dem BMW stehen gesehen. Von einem zweiten Insassen war nicht die Rede. Dieser war vermutlich schon weggelaufen“, sagte Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt. Nach dem Unfall habe der 29-jährige BMW-Fahrer sich von einem Zeugen zur nächsten Ausfahrt bringen lassen. „An der Anschlussstelle Gummersbach wurde der Mann 16 Minuten nach dem Unfall festgenommen“, sagte Appenrodt. Nahezu zeitgleich sei der Bruder des Mannes an der Anschlussstelle Bielstein von einer Streifenwagenbesatzung aufgegriffen worden. Wegen Unfallflucht werde nicht ermittelt, weil sich beide lediglich in Sicherheit gebracht hätten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auch die Unfallsachverständigen haben die genaue Rekonstruktion des Unglücks noch nicht abgeschlossen. Dazu gehört auch die Beurteilung der Reifen des BMW, die abgefahren gewesen sein sollen.

Inzwischen hat der Rechtsanwalt des in Untersuchungshaft sitzenden BMW-Fahrers Haftprüfung beantragt. „Es stellt sich die Frage des Verschuldens“, sagte Verteidiger Markus Loskamp. Sein Mandant sei im Verkehrsfluss unterwegs gewesen und nicht viel zu schnell gefahren. „Fraglich ist auch, ob die Reifen des Lastwagens in Ordnung waren und wie stabil das Brückengeländer ist.“ (mit dpa)