
Von NORBERT RAMME, 04.05.06, 07:17h
Longerich - Funktioniert Breakdance auch zu bayrischer Blasmusik? Wie kommt die Sahnetorte ins Gesicht der Bäckermeisterin? Wie lernt eine Leiter laufen, und was hat eine Artistin von ihrem Praktikum im südafrikanischen Partnerzirkus „Zipzap“ mitgebracht? Fragen, die im neuen Programm des Kinder- und Jugendzirkus Linoluckynelli von den gut aufeinander eingespielt wirkenden Nachwuchsartisten schnell und überzeugend beantwortet werden. Knapp 40 Kinder aus ganz Köln machen mit.
Mehr als 3000 Zuschauer waren bei der Premiere und den drei Folgeveranstaltungen des neuen Programms im Zirkuszelt am Heckweg dabei. „Curieux“ heißt die Show, und das französische Wort für „neugierig“ soll sowohl auf neue Erfahrungen und Erlebnisse der Zirkuspänz hinweisen, als auch auf die bevorstehende Tournee durch Frankreich. In den Sommerferien reist das Zirkusprojekt des Sozialzentrums Lino-Club in Lindweiler für zwei Wochen an die Mittelmeerküste.
Die Hintergrundkulisse im Zirkuszelt - statt Manege gibt es wieder eine Bühne - erinnert an überdimensionale weiße Segel. „Wir haben auf den Schickschnack der Vorjahre verzichtet.
So kommen die jungen Artisten und ihre Leistungen besser zur Geltung“, sagt Zirkusleiter Achim Eschert, der die Aufführungen ganz entspannt aus dem Hintergrund beobachtete. Auf das Team aus Pädagogen, Zivildienstleistenden, Praktikanten sowie aus zahlreichen ehrenamtlichen Helfern hinter den Kulissen ist Verlass. Und auch die Technik hat sich eingespielt. Multimedia hat Einzug ins Zirkuszelt gehalten, denn die meisten Nummern werden mit kleinen Videoeinspielungen angekündigt, fingerfertige Zauber- und Kartentricks über eine Kamera auf die Leinwand projiziert.
Und das gesamte Programm läuft rund. Auch wenn manche Übung von Jongleuren und Akrobaten nicht auf Anhieb klappte - die Kinder und Jugendlichen haben ihre Leistungen sichtbar verbessert. Neben Mut, Körperbeherrschung und Ausstrahlung sind auch eine hohe Konzentration und ein gutes Balancegefühl erforderlich - am Schlappseil genau wie am schwingenden Trapez oder am Vertikaltuch. Daran schwingen sich Franzika Marx, Svenja Gabriel und Anna Böhning in atemberaubenden Übungen und Verrenkungen auf und ab.
Anna war kürzlich zu einem Praktikum beim südafrikanischen Partnerzirkus „Zipzap“ in Kapstadt und hatte dort erstmals mit dem Vertikaltuch trainiert. Aus den Erfahrungen hat sie nun - zurück in Köln - mit ihren Freundinnen eine überzeugende Nummer einstudiert.
Gelungen auch die Späße eines weiblichen Clownquartetts in einer Konditorei. Tortenschlachten kommen halt bei kleinen wie großen Zuschauern gut an. Und vier Jungs hopsen in Lederhosen umher und zeigen zu einer Mischung aus bayerischer Blasmusik und Discorhythmen eine turbulente Showeinlage - aus Schuhplattler und Breakdance-Akrobatik.
Das war gekonnt und amüsant. Der lang anhaltende Beifall war für alle Artisten mehr als verdient.