
Von Inge Meyer, 26.10.09, 08:34h
Keine gute Schule ohne Eltern
Zunächst einmal muss klargestellt werden: Eltern, die im Rahmen der Klassenpflegschaft mit den Lehrern ihrer Kinder zusammenarbeiten, haben zwar ein Beteiligungs-, nicht aber ein Mitbestimmungsrecht. So steht es im Schulgesetz. „Dieses Beteiligungsrecht ist im Prinzip von der Kooperationsbereitschaft der Lehrer abhängig“, sagt Eberhardt Kwiatkowski von der NRW-Landeselternkonferenz. Und da gebe es Unterschiede, sagt Kwiatkowski, der durch seine Arbeit nicht nur die theoretische Seite kennt, sondern als sechsfacher Vater auch schon „so ziemlich alles“ erlebt hat. Viele Lehrer, so seine Erfahrung, nehmen die Zusammenarbeit mit den Eltern sehr ernst. Kommunikation sei ja auch ein wichtiger Bestandteil der Lehrerausbildung. Andere wiederum haben wenig Interesse daran, das trifft aber auch auf einige Eltern zu. „Ohne Elternunterstützung kann man keine gute Schule machen“, sagt Peter Silbernagel vom NRW-Philologenverband. Bei den meisten Sachen, die die Schule betreffen, müssen die Eltern mitziehen, sonst funktioniert es nicht.
Gemeinsam Lösungen finden
Doch natürlich gibt es Grenzen. „Es gibt Dinge, die können Eltern eigentlich nur zur Kenntnis nehmen“, sagt Silbernagel - dazu gehört zum Beispiel das Thema Unterrichtsstoff. Was der Lehrplan vorgibt, das wird gemacht, da gibt es kaum Raum für Diskussionen.
Diskutiert werden soll anderswo aber auf jeden Fall - die Beteiligung der Eltern kann nämlich auch wirklich hilfreich sein, sagt Silbernagel. Etwa könne ein Klassenlehrer von dem Überblick profitieren, den Eltern über die gesamte schulische Situation der Kinder haben.
Jeder Lehrer sieht ja oft nur seinen eigenen Anteil am Schulgeschehen. Gibt es etwa in der Summe zu viele Hausaufgaben, weil jeder Fachlehrer besonders viel fordert? Gibt es einen Lehrer, mit dem die Kinder Probleme haben? Die Beobachtungen machen oft als erstes die Eltern - im Rahmen der Klassenpflegschaft kann dann nach Lösungen gesucht werden.
„Grundsätzlich haben Eltern das Recht, Informationen in allen schulischen Belangen zu erhalten - sie können auch alles ansprechen und ihre Bedenken zu bestimmten Themen formulieren“, sagt Silbernagel - allerdings gelte dabei, wie im restlichen Leben auch: „Der Ton macht die Musik.“ Aus seiner eigenen Erfahrung mit Eltern und Lehrern weiß er: Oft ist ein Problem gar nicht inhaltlicher Natur, sondern dadurch entstanden, wie ein Anliegen vorgetragen wird. „Es gibt immer wieder Eltern, die sich im Ton vergreifen oder unrealistische Erwartungen haben.“ Dabei geht es dann zum Beispiel um die Frage: Warum macht das Kind keine Hausaufgaben? Einige Eltern neigen dazu „den Profis die ganze Verantwortung in die Schuhe zu schieben“, sagt Silbernagel. Dabei hört der Einfluss der Lehrer da auf, wo der Einfluss der Eltern anfängt und umgekehrt. Es ist also ratsam, bei einer Diskussion nicht sofort mit Vorwürfen an die andere Seite zu beginnen. Eltern könnten etwa in einem Gespräch anbieten, das Kind besser zu kontrollieren, der Lehrer im Gegenzug nochmal Art und Menge der hausaufgaben überdenken.