20.000 Besucher

Erfolgreiche Nacht der Museen

Von Claudia Hauser, 08.11.09, 12:47h, aktualisiert 09.11.09, 09:46h

Offene Türen bei Kulturinstitutionen und Künstlerhäusern: Die 10. Lange Nacht der Kölner Museen hat rund 20.000 Besucher angelockt. Zahlreiche Ausstellungsorte konnten besichtigt werden. Für die richtige Stimmung sorgte ein umfangreiches Musikprogramm.

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Skulpturenpark an der Zoobrücke. (Bild: Worring)
Köln Zwei enge Tunnel führen direkt ins frühe Mittelalter, zu den Fundamenten des Doms. Auf 3200 Quadratmetern können die Besucher der zehnten „Langen Nacht der Kölner Museen“ die Ausgrabungen im Gewölbe unterhalb der Kathedrale betrachten, Gräber und Überreste einer karolingischen Kirche. Wer sich im Halbdunkeln verläuft, wird von einem der Führer eingesammelt und aus der Unterwelt zurück in die Nacht gebracht. 20 000 Menschen nutzen die Gelegenheit, nach Einbruch der Dunkelheit per Shuttle-Bus die Kunst-Orte der Stadt zu besuchen – 44 Häuser sind bis 3 Uhr nachts geöffnet. Das Geburtstagsständchen zum Jubiläum erklingt auf russisch: Im Museum Ludwig singt Nastja Sittig mit ihrer Band „The Orloves“ im Foyer melancholische Lieder in einer Mischung aus Akustik und Elektro. Eine Etage höher zeigt das Museum Russische Avantgarde mit der erst kürzlich erworbenen Sammlung Daniela Mrazkowa. Mehr als 200 Bilder sowjetischer Fotografen – politische und gesellschaftliche Fotos aus den 1920er und 1930er Jahren, Ästhetische Szenen in Schwarz-Weiß, Bauern beim Teetrinken, ein völlig verdrecktes Kind in der Blech-Badewanne, Lenins Kampfgefährtin Nadescha Krupskaja vertieft im Gespräch mit einigen Arbeiterinnen.

Erstmals nimmt ein Wirtschaftsunternehmen an der Museumsnacht teil: Die Central Krankenversicherung am Hansaring hat im Laufe ihrer Firmengeschichte die Kunstsammlung „Der Mensch im Mittelpunkt“ aufgebaut. Kuratorin Barbara Huygen führt die Besucher durch das Haus, in dem die Mitarbeiter „mit der Kunst leben“, wie sie sagt. So hängt Andreas Gurskys Fotografie „Flughafen Düsseldorf“ gleich neben dem Büro der „Abteilung Kundenservice Team KSo2“. Ob die Gruppe auf dem Bild ihre geschlossene Aufmerksamkeit und die staunenden Blicke auf ein Unglück oder eine Flugschau richtet, bleibt offen. Manches Kunstwerk wird für die Mitarbeiter zum Kollegen: Thomas Ruffs überdimensionales, ungeschöntes Porträt eines jungen Mannes, auf dem jede Pore erkennbar ist, wurde schon mit Pflastern beklebt – auf jede Hautunreinheit eins. Ganz besonders beeindruckend sind die Treppenaufgänge des von außen so grau und unscheinbar wirkenden Gebäudes: Eine wunderschöne, alte Holztreppe aus der Gründerzeit führt parallel zu einer modernen steinernen Treppe mit gläsernem Geländer nach oben. Und oben unter der Decke leuchten die „Falling Tears“, eine Neoninstallation von Keith Sonnier. Kunst im Alltag – Alltag inmitten der Kunst. So kann das Knarzen der Holztreppe zu einer ganz eigenen Klanginstallation werden.


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