Von CHRISTIAN PARTH, 19.02.03, 07:47h
Innenstadt - Für die passende Drohkulisse hatten die Schüler selbst gesorgt: George W. Bush und Saddam Hussein als überdimensionierte Projektion an einer weißen Wand in der Aula des Gymnasiums an der Kreuzgasse. Ihre Gesichter als Symbol für Angst, Panik und Zerwürfnis in aller Welt. Und für die Frage, die mittlerweile auch die Schulhöfe des Landes beschäftigt: Wird es Krieg geben im Irak?
Wie auch auf politisch höchster Ebene prallten in der Aula des Gymnasiums an der Kreuzgasse, um es überspitzt zu formulieren, „Tauben“ und „Falken“ aufeinander. „Auch bei uns sind nicht alle Schüler generell gegen einen Krieg“, erklärte Johanne Kübler, Schülerin der Jahrgangsstufe 12 und neben Larissa Hallermeier Organisatorin einer wahrlich vorbildlich geführten Podiumsdiskussion.
Während eines Streitgesprächs monierte der 17-jährige Ario Pourmirzaie vor allem die Medienpolitik der Vereinigten Staaten, die den irakischen Diktator gezielt als „Bösewicht“ stigmatisierten, Beweise für den Besitz von Massenvernichtungs-Waffen indes schuldig blieben. Ein Krieg müsse unter allen Umständen vermieden werden. Mit einem Seitenhieb gegen den US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld meinte der leidenschaftlich argumentierende Pourmirzaie: „Vielleicht ist es gerade das alte Europa, das weiß, was Krieg bedeutet.“ Mitschüler Michael Brockmann bemängelte in seiner Gegenrede vor allem die zum Teil kritiklose Haltung „einiger radikaler Pazifisten“. Die „No-Bush-No-War-Parolen“ seien ihm zu einfach. „Die Juden haben sich schließlich auch nicht selbst aus den KZs befreien können.“ Man dürfe nicht vergessen, dass Hussein seinem Volk das Selbstbestimmungsrecht genommen habe.
Im Anschluss nutzten die Schüler noch die Anwesenheit von Politikern und Nahostexperten, um sich näher über die politischen Zusammenhänge und Allianzen zu informieren. Trotz einiger Differenzen gab es auch hier einen gemeinsamen Tenor: Frieden.