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Prozess: Kein Urteil im Prozess um toten Wolf

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Ein Wolf in freier Natur, ist in Deutschland sehr selten. Foto: BUND
Gegen einen Jäger aus Bad Honnef der einen wildlebenden Wolf erlegt hatte, hat das Amtsgericht in Montabaur noch kein Urteil gefällt. Um abschließend entscheiden zu können, sei eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig.
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Rhein-Sieg-Kreis/Montabaur

Auf dem Flur vor dem Verhandlungssaal 115 herrscht schon früh Gedränge, lange vor dem Prozessauftakt tummeln sich Naturschützer, Journalisten und Interessierte im schmucken Amtsgericht von Montabaur. Und gleich vier Justizbeamte sehen nach dem Rechten. Denn für diesen Freitag ist die Hauptverhandlung gegen den heute 72 Jahre alten Peter R. aus Bad Honnef im Rhein-Sieg-Kreis angesetzt: Im vergangenen April soll der Jäger im Westerwald einen Wolf erlegt haben. Stunden später indes wird Richter Jens Kaboth verkünden, dass er sich noch in der Lage sieht, ein Urteil zu fällen. Zur weiteren Aufnahme von Beweisen setzt er für Januar einen zweiten Prozesstag an.

Die Naturschützer sind entsetzt, ein Raunen eilt durch den Saal. „Es war doch schon lange bekannt, dass nach mehr als 100 Jahren endlich ein Wolf in den Westerwald zurückgekehrt war“, sagt etwa Markus Bathen vom Naturschutzbund Deutschland später und sichtlich erregt. „Wie kann das nicht mitbekommen?“ Der Kölner leitet das Projektbüro „Wolf“ und ist aus der Lausitz angereist, um dem Prozess beizuwohnen. Für ihn ist die Aufschiebung des Urteils, die Verteidiger Christian Comes letztlich durch einen neuen Antrag erzielt, nichts als „kalkulierte Zeitschinderei“. So soll zudem ein Gutachter aus Lausanne in der Schweiz angehört werden zu der Frage, ob der Jäger wirklich einen Wolf zur Strecke gebracht hat. Zur Klärung der Fahrlässigkeit soll unter anderem festgestellt werden, wie gut informiert Peter R., Abonnent einer regionalen Tageszeitung und von zwei Jagdzeitschriften aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, über die Rückkehr des Wolfes zur Tatzeit war. Ihm werden ein fahrlässiger Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz zur Last gelegt.

Vor Gericht wiederholt der weißhaarige Beamte in Pension immer wieder, dass er in dem festen Glauben geschossen habe – trotz einbrechender Dunkelheit und ohne Nachtsichtgerät, so steht es in der Anklageschrift –, einen wildernen Schäferhund mit dem Zielfernrohr erfasst zu haben. Bei der ersten Sichtung in einer Entfernung von 60 bis 80 Metern habe der vermeintliche Hund zwei Rehe gehetzt. „Als das Tier zum zweiten Mal auftauchte, hatte es etwas in den Fangzähnen, das für mich wie ein anderes Tier, wie ein Frischling, aussah“, erinnert sich der Jäger an den Moment vor dem Schuss. Das große Interesse ist dem Mann sichtlich unangenehm. Er bewegt sich kaum, doch seine Blicke eilen hektisch durch den Gerichtssaal, zwischendurch sagt R., er wünsche nicht, dass ein Foto von ihm veröffentlicht werde. Zudem unterbindet sein Anwalt die öffentliche Feststellung der Personalien. Bis zur Verhandlung war die Identität des Jägers aufgrund der Brisanz des Prozesses geheim. Das Verfahren gilt als bislang einzigartig in Deutschland.

Auf die Frage, warum er das getötete Tier nicht in Augenschein genommen habe, wie es Pflicht ist, entgegnet R., dass er dies aus Angst vor einem womöglich nur verletzten und daher gefährlichen Schäferhund unterlassen habe. Und am zweiten Tag habe er nicht nach dem Kadaver gesucht, so R. weiter, weil er  sicher gewesen sei, dass seine Kugel nicht mal getroffen habe. Überhaupt sei er kein sicherer Schütze und treffe selten, wenn sich das Wild bewege. Am dritten Tag nach dem Vorfall hat Peter R. dann die Polizei in Montabaur aufgesucht. „Ich habe im Radio gehört, dass ausgerechnet in diesem Revier ein Wolf erschossen wurde.“ Der damals ermittelnde Kriminalhauptkommissar ist als Zeuge geladen und bestätigt in weiten Teilen die Aussagen des Jägers. Für ein zweites, eventuell gerissenes Wildtier habe es jedoch keine Anzeichen gegeben.

Da für Staatsanwalt Ralf Tries die Frage nach der Sorgfaltspflicht eines Jägers im Mittelpunkt steht und er den Vorwurf der Fahrlässigkeit nicht fallen lassen will, wie von der Verteidigung vorgeschlagen, sieht Richter Jens Kaboth schließlich die Notwendigkeit einer weiteren Beweisaufnahme an einem neuen Verhandlungstag im Januar. Zuvor soll es noch einen sogenannten Sprungtermin geben, an dem beide Seiten das weitere Vorgehen festlegen. Mit einem neuen Antrag zweifelt Verteidiger Christian Comes zuletzt das Ergebnis der DNA-Analyse an. Diese war im Senckenberg-Institut vorgenommen worden und hatte bisher einwandfrei ergeben, dass das getötete Tier ein wildlebender Wolf italienischer Abstammung ist. Das bundesweit tätige Institut ist spezialisiert auf den Nachweis von Wölfen. Aber in diesem Fall das alles sei nur Vermutung, sagt Comes. Der Experte aus der Schweiz soll nun ein eigenes Gutachten vorlegen. Zwischenzeitlich hatte die Verteidigung vorgeschlagen, dass Verfahren gegen Peter R. unter Auflagen einzustellen – doch dem wollten weder Staatsanwalt noch Richter folgen.

Bei einer Verurteilung könnte es zu einer Haftstrafe von maximal drei Jahren kommen. Bis dahin bleibt Peter R., der Mitglied im Hegering Siebengebirge ist, auch im Besitz seiner Jagdlizenz. Dies teilte die Verwaltung des Rhein-Sieg-Kreises auf Anfrage dieser Zeitung mit. Es gelte derzeit die Unschuldsvermutung. Auch der Hegering hat bisher auf eine Disziplinarmaßnahme verzichtet.

 

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