Beifall und Lob sind die ersten Reaktionen auf den Siegerentwurf für den KSI-Anbau an der Siegburger Abtei. Wie berichtet, soll das Katholisch-Soziale Institut (KSI) aus Bad Honnef seinen bisherigen Standort 2016 verlassen und in das Haus am Michaelsberg einziehen. „Die Immobilie in Bad Honnef werden wir dann veräußern“, erklärt Generalvikar Stefan Heße.
Foto: Repro/ Ingrid Bäumer
Am zurückhaltendsten mit Lob ist noch der Juryvorsitzende Kaspar Kraemer: „Ich bin mit dem Ergebnis äußerst zufrieden“, bekundet er. Die größte architektonische Herausforderung sei hier, den Neubau an das denkmalgeschützte Gebäude der Abtei anzuschließen. Das Kölner Büro Meyer Schmitz-Morkramer habe nicht nur diese, sondern alle Vorgaben erfüllt. Kraemer: „Der Neubau lehnt sich an die Füße des Michaelsberges an.“
„Ich war froh, als ich von dem Jury-Votum erfuhr“, sagt Frater Linus. Der Benediktiner, der als letzter Bewohner der Abtei die Auflösung seiner Ordensgemeinschaft abwickeln musste, hatte auch die anderen Wettbewerbsbeiträge gesehen. „Der Siegerentwurf war auch mein Favorit.“
Der Siegerentwurf für die Umgestaltung der Abtei auf dem Michaelsberg wurde am Dienstagabend vorgestellt.
Foto: Ingrid BäumerAuch die Anwohner sparen nicht mit Beifall, berichtet Hans-Peter Hausmann, der an der Bergstraße wohnt und sich mit einigen Nachbarn ein Bild vom Siegermodell gemacht hat. „Der Entwurf ist geschmacksvoll, passt gut da oben hin – ganz anders als die Bunker-Ausführungen.“ Damit meint Hausmann einige der sieben Konkurrenz-Entwürfe, die im Rathaus auf Fotos gezeigt werden. Sie sind noch bis 31. Januar vor dem Ratssaal zu sehen.
Begeistert ist Hausmann von der Aussichtsplattform auf dem Dach des Anbaus: „Obwohl man von dort aus bis zum Westerwald und nach Bonn schauen kann, soll das Gebäude selbst von der Autobahn aus oder bei einem Spaziergang durch die Sieg-Auen kaum sichtbar sein.“ Auch der Blick vom Marktplatz aus gebe nicht viel vom Gebäude preis.
Dass die Abtei auf dem Michaelsberg in kirchlichem Sinne weitergenutzt wird, hat viele, vor allem katholische Siegburger, aufatmen lassen. Denn in der Geschichte gab es auch weltliche Episoden.
In der Nutzung durch die Benediktiner klafft eine Lücke von 1803 bis 1914, in der das Kloster als Kaserne, später als Irrenanstalt und sogar als Zuchthaus genutzt wurde. Danach wurde es wieder, von einer Episode im Zweiten Weltkrieg abgesehen, von den Benediktinern bewohnt. Diese mussten die Abtei 2011 wegen wirtschaftlicher Probleme aufgeben. (ah)
Er hoffe nur, dass auch diejenigen Besucher auf die Plattform dürfen, die nicht Gäste des KSI, des Exerzitienhauses oder der Karmeliten in der Abtei sind. Schließlich sei das geschichtsträchtige Gebäude touristisch wertvoll. Diese Sorge können Stadt und Generalvikariat entkräften: Der Weg zur Aussichtsplattform solle öffentlich zugänglich sein. Das werde schon dadurch gewährleistet, dass der neue Eingang nicht direkt zur KSI-Rezeption führt, sondern zu einem geräumigen Aufzug.
Der Lift befördert den Besucher nach ganz oben; dort kann er wählen, ob er über die 3,75 Meter breite, gläserne Brücke den Abtei-Westflügel betritt, wo sich die Rezeption befindet. Oder ob er draußen auf der Plattform bleibt. Eine weitere, kleinere Brücke soll im hinteren Bereich des KSI entstehen dem Transport von Stühlen in die Tagungsräume dienen.
Auch die Abtei wird im Rahmen des 40-Millionen-Projekts saniert – inklusive Neuaufteilung der Räume.
„Die Mönche haben sehr einfach gelebt“, erläutert der Generalvikar. „Der Standard für die 120 neuen Hotelzimmer soll aber heutigen Anforderungen entsprechen.“


