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Skum: Lyrischer Metal-Sturm in drei Sprachen

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Heavy-Metal mit beinharten Gitarren und sensiblen Texten liefern die Musik von Skum ab – das sind Nikola Grgic (sitzend) sowie Christoph Buchheim (v.l.), Roberto Parada und Christian Görke.  Foto: Martina Goyert
Skum – unter diesem Namen machen vier Musiker aus Siegburg und Köln seit 1999 Musik, und das mit dreisprachigen Texten. Mit beinharten Sounds zelebrieren Skum den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse, stets feiern sie den Sieg der Schönheit.  Von
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Wut muss nicht zwangsläufig zu Destruktion führen. Man kann sie auch für einen kreativen Prozess nutzen. Zumindest für den gebürtigen Kroaten Nikola Grgic (33), Sänger der 1999 gegründeten Death-Metal-Formation Skum (zu Deutsch: „Abschaum“), war die extreme Spielart des Metal damals „ein Weg, Wut sinnvoll zu kanalisieren“: „Als Jugendlicher war ich rund um die Uhr wütend, das habe ich vertont“, sagt der Frontmann. Die Musik habe ihm geholfen, klarzukommen, zu funktionieren, den Blick nach vorne zu richten.

Heute, 13 Jahre später, sind die brachialen Stücke von Skum nicht minder zornig, fungiert die Band mit Wurzeln in Siegburg und Köln für Grgic doch immer noch als „wichtiger, wenn auch nicht mehr einziger Ausgleich zur Mental-Hygiene“. Trotzdem habe sich der Sound im Vergleich zu den Anfangstagen verändert – er sei zwar noch härter, aber auch viel melodiöser. Grgic: „Er ist rockiger geworden.“ Bester Beleg dafür ist „Prašina“ (zu Deutsch: „Staub“), der bereits dritte Langspieler der Band. Zwölf komplex arrangierte Songs haben Grgic, Gitarrist Roberto Parada (34), Schlagzeuger Christoph Buchheim (33) und Bassist Christian Görke (31), Chef des Siegburger Plattenlabels „Bret Hard Records“, darauf verewigt.

Das musikalische Fundament bildet donnernder Death-Metal alter Schule, zudem haben feist groovender Hard-Rock, rotzig krachender Punk-Rock und sogar schwelgerischer Pop ihre Spuren im Klangbild hinterlassen. Das Titelstück etwa ist ein furios nach vorne preschender Rock’n’Roll Brocken, gewürzt mit Ohrwurm-verdächtigen Gitarrenlinien. „Where All Life Ends“ indes beginnt leicht vertrackt und extrem düster, dann bahnt sich eine traurige Basslinie ihren melodischen Weg durch das brutale Riffgewitter, den tonnenschwer inszenierten instrumentalen Untergang.

Gleich wundersamen Gewächsen wuchern die Stücke von Skum, treiben betörende Blüten, die im nächsten Augenblick bereits von einem orgiastischen Sturm zerfetzt werden. An Abwechslung mangelt es auf „Prašina“ nicht und auch Menschen, die allzu harten Klängen skeptisch gegenüber stehen, könnten an den dunklen Melodien gefallen finden.

Gegen die Dunkelheit

Dunkel sind auch die Bilder, die Grgic mit seinen lyrisch anspruchsvollen, mit seinen englischen, deutschen und kroatischen Texten entwirft. „Manche sind sozialkritisch, andere sind sehr persönliche Texte über mein seelisches Innenleben“, schildert der Sänger. „Es sind in Worte gefasste Momentaufnahmen von Emotionszuständen.“ In „Brandrodung“ singt Grgic mit rauer, gutturaler Stimme: „Wo sich Stille versteckt und alles stirbt, im Kleinen gebeugt, mit gekrümmtem Kreuz verkrampft, zittert und zuckt der Leib“. So schwarz der Frontmann auch zumeist malt, seine Lyrik ist nicht ohne Hoffnungsschimmer: „Zum Leben gehören schreckliche Sachen, die ganzen Dramen, die sich überall abspielen, aber es gibt trotzdem eine Menge toller Sachen zu entdecken“, glaubt Grgic. „Nur wenn wir versuchen Positives zu erschaffen, können wir der Dunkelheit entgegenwirken.“

Skum – beruflich aktiv vom Tontechniker bis zum Mediengestalter – bekämpfen Feuer mit Feuer: Für globale Missstände und individuellen Seelenschmerz findet der Vierer einen übersteigerten, zuweilen an die Schmerzgrenze gehenden Ausdruck. Doch am Ende thront die Melodie über der krachenden Attacke, siegt das Licht über die Dunkelheit, die Schönheit über die Brutalität. Nicht zuletzt das macht „Prašina“ zu einem geradezu kathartischen Hörerlebnis.

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