26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Argerich und Pletnev: Gipfeltreffen mit Schumann
21. October 2014
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Argerich und Pletnev: Gipfeltreffen mit Schumann

Martha Argerich: „Ich liebe Schumann, aber ich kann gar nicht erklären, wo diese Liebe herkommt.“

Martha Argerich: „Ich liebe Schumann, aber ich kann gar nicht erklären, wo diese Liebe herkommt.“

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Aline Paley

Es war vor zwölf Jahren, als sie ihre noch ganz junge musikalische Freundschaft gleich mehrmals besiegelten. Zunächst stand Dirigent Mikhail Pletnev am Dirigentenpult und feuerte von dort aus Martha Argerich bei Tschaikowskys 1. Klavierkonzert an. Im schweizerischen Lugano, beim „Progetto Argerich“-Festival gaben die Argentinierin und der Russe dann als Klavierduo einen denkwürdigen Abend, der zum Glück im Aufnahmestudio wiederholt wurde.

Und nur wenig später bildeten die beiden in Verbier mit Evgeny Kissin und James Levine für Bachs Konzert für vier Klaviere ein Allstar-Quartett. Martha Argerich und Mikhail Pletnev auf einem Konzertpodium – als 2002 diese Ankündigung erstmals die Runde mach machte, wollte man zuerst den Augen nicht trauen. Denn eigentlich sind die zwei faszinierenden Charakterköpfe wie Feuer und Wasser.

Zwei sehr unterschiedliche Charaktere

Hier das kein virtuoses Risiko scheuende Energiebündel Argerich. Ihr gegenüber: der bewundernswert doppelbegabte, stets so introvertiert wirkende Musik-Denker Pletnev, bei dem es am Pult oder Klavier stets zu eher kontrollierten, hintergründigen Ausbrüchen kommt. Doch schon damals bestätigte sich bei diesen Ausnahmemusikern die alte Weisheit, dass sich Gegensätze durchaus gewaltig anziehen können. Immerhin befinden sich Argerich und Pletnev nicht nur musikalisch auf einer Wellenlänge.

Auch persönlich gibt es so manche Gemeinsamkeit. Was etwa den eher distanzierten Umgang mit der neugierigen Öffentlichkeit und den Medien angeht, können sie sich auch da die Hände reichen. Seit dem ersten Kennenlernen ist es zwischen Argerich und Pletnev leider nur zu handverlesenen Konzerten und damit musikalischen Sternstunden gekommen. Schließlich gönnt sich Argerich immer wieder längere Pausen vom Konzertieren. Und Pletnev hat sich in den letzten Jahren gar völlig vom Klavier zurückgezogen und sich ausschließlich auf das Dirigieren konzentriert.

Bevor er im Dezember aber in der Kölner Philharmonie sein Comeback als Pianist feiern wird, steht mit ihm zuvor ein unerwartetes Gipfeltreffen ins Haus. Immerhin werden Pletnev und sein 1990 gegründetes Russian National Orchestra in der Kölner Philharmonie nicht nur ihren Ruf als überragende Tschaikowsky-Interpreten mit dessen 4. Symphonie bestätigen. Nach vier Jahren wird man überhaupt erstmals wieder mit Martha Argerich ein Konzert geben.

Seelenverwandtschaft zu Schumann

2010 hatte sie das Orchester zum 20. Geburtstag mit einer kleinen gemeinsamen Tournee beschenkt und dabei das Klavierkonzert von Robert Schumann im Gepäck. Und genau dieses romantische Meisterwerk, das „La Martha“ schon im Alter von elf Jahren gespielt hat und das seitdem zu ihren absoluten Herzenskonzerten zählt, steht nun im Mittelpunkt des überfälligen Wiedersehens mit Mikhail Pletnev und seinen Musikern. „Ich liebe Schumann, aber ich kann gar nicht erklären, wo diese Liebe herkommt“, so Argerich in einem ihrer raren Interviews.

„Oft habe ich das Gefühl, meine Liebe zu ihm ist so groß, dass sie nicht nur die Musik, sondern auch die Person Schumanns umfasst. Es ist eine tiefe Beziehung der besonderen Art. Seine Musik berührt mich so stark und direkt. Es ist schwierig für mich, das in Worte zu fassen, ich kann das nur in Tönen sagen.“ Tatsächlich sagt bei ihr jeder einzelne Ton, jedes Pianissimo, jede Geste mehr über ihre geradezu seelenverwandtschaftliche Beziehung und Nähe zu Schumann aus als tausend Worte.

Und wenn man sich dann noch vergegenwärtig, dass Argerich wirklich das letzte Mal 2006 in der Kölner Philharmonie aufgetreten ist, potenziert sich der Ereignisfaktor dieses Konzerts gleich um ein Vielfaches.