28.07.2016
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Verletzung des Stürmers: Für Podolski wird es sehr schwierig

Lukas Podolski ist verletzt.

Lukas Podolski ist verletzt.

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dpa

Köln -

Der Kölner Orthopäde Dr. Emanuel Merkle schreibt für ksta.de vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien eine Medizin-Kolumne und widmet sich darin aktuellen Verletzungen. Heute geht es um Lukas Podolski. Der ehemalige FC-Star und jetzige Stürmer des FC Arsenal wird das Achtelfinal-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Algerien am Montag (22 Uhr) verpassen.

Welche Verletzung hat Lukas Podolski?

Die Diagnose lautet: Muskelzerrung. Dabei handelt es sich um eine muskuläre Überbelastung, wie etwa eine starke Überdehnung, aber ohne wesentliche Einblutung. Bei Profifußballspielern kann man natürlich davon ausgehen, dass sofort die richtigen Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören Eiskompressen, Druckverbände, eventuell kurzzeitig verwendete Schienenverbände und gegebenenfalls eben auch eine Spielpause von einigen Tagen.

Nach einer Kernspinuntersuchung lautet die offizielle Diagnose offenbar „leichte Muskelzerrung im Oberschenkel“. Sind damit alle Zweifel beseitigt?

Keineswegs. Die Kernspinuntersuchung liefert nicht immer eine sichere Bilddiagnose bei einer Muskelverletzung. Das sieht übrigens auch DFB-Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt so. Beim DFB-Kongress 2010 sagte er: „Die Kernspinnuntersuchung wird mehr und mehr zu Hilfe genommen. Sie ist meines Erachtens bei kleineren Verletzungen, wie einem Muskelfaserriss, nicht geeignet, ein genaues Bild abzugeben. Allzu oft überzeichnet sie die Verletzung.“ Das heißt also, dass man sich nicht unbedingt auf die jetzt gestellte Diagnose verlassen kann.

Das heißt, es könnte auch eine schwerere Verletzung sein?

Das ist nicht auszuschließen. Podolski hatte schon 2008 Probleme mit der Bandscheibe und den nächsten Bandscheibenvorfall bereits 2010. Er hat also seit vielen Jahren zum Teil schwere Rückenprobleme, und das kann sich auch immer wieder auf Muskelbereiche in den Beinen auswirken. Schon im Herbst vergangenen Jahres ist Podolski wegen eines Muskelbündelrisses im linken Oberschenkel für drei Monate ausgefallen, er hat dem FC Arsenal ebenso gefehlt wie der Nationalmannschaft während ihrer letzten Qualifikationsspiele für die WM. Bei Spielertypen wie ihm – mit seiner Explosivität und Dynamik – ist ein nicht homogener Bewegungsapparat, wie hier durch Bandscheibenprobleme, ein enormes Risiko. Es ist ohnehin schon bemerkenswert, wie sich Podolski trotz der Beschwerden immer wieder herankämpfen konnte.

Offiziell heißt es, dass Podolski zwei bis drei Tage pausieren muss, um wieder fit zu sein – und vielleicht im möglichen Viertelfinale dann auch wieder einsatzbereit. Ist das nachvollziehbar?

Podolski bleibt für Bundestrainer Joachim Löw ein unkalkulierbares Risiko, was die Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund gesundheitlicher Beschwerden angeht. Aus meiner Sicht ist kaum damit zu rechnen, dass er in den wichtigen Spielen der K.o.-Runde noch einmal von Anfang an gebracht wird.

Was bedeuten die jüngsten Verletzungen von Podolski für seine weitere Karriere?

Podolski ist jetzt 29 Jahre alt und es ist schon sein sechstes großes Turnier. Bei der nächsten Weltmeisterschaft in Russland 2018 wäre er 33, damit ohnehin schon im höheren Fußballeralter. Es ist eher damit zu rechnen, dass er in Brasilien seine letzte WM spielt.