27.09.2016
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Syndesmose-Verletzung: WM-Einsatz von Reus undenkbar

Marco Reus liegt im Testspiel gegen Armenien verletzt am Boden.

Marco Reus liegt im Testspiel gegen Armenien verletzt am Boden.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Köln -

Der Kölner Orthopäde Dr. Emanuel Merkle schreibt für ksta.de vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien eine Medizin-Kolumne und widmet sich darin aktuellen Verletzungen. Heute widmet er sich Marco Reus, der während des Testspiels der deutschen Elf gegen Armenien am Freitag (6:1) den Rasen verletzt verlassen musste.

Welche Verletzung hat der Spieler?

Nach frühesten Angaben handelt es sich bei Marco Reus um einen Syndesmoseriss am Sprunggelenk. Das ist die Verletzung einer der wichtigsten Bandstrukturen zwischen Wadenbein und Schienbein. Sie tritt häufig beim Umknicken mit einer Stauchung am Sprunggelenk auf, besonders  im Zweikampf bei Fußballern. In der jüngeren Vergangenheit hatten etwa auch Bayern Münchens Thiago, Hannovers Didier Ya Konan und der Neu-Berliner Änis Ben-Hatira damit zu kämpfen. Michael Ballack musste hat übrigens genau wegen dieser Verletzung die WM 2010 in Südafrika verpasst, nachdem der heutige Schalker Kevin-Prince Boateng den damaligen Kapitän der DFB-Elf in einem Premier-League-Spiel gefoult hatte.

Wie ist die übliche Behandlung?

Die Behandlung ist nicht immer eindeutig, weil es schwer zu unterscheiden ist zwischen einem Teilanriss und einem kompletten Riss der sogenannten vorderen Syndesmose, auch nicht mit den Aufnahmen einer notwendigen Magnetresonanztomographie (MRT). Derartige Verletzungen benötigen hohe klinische Erfahrung. Bei Leistungssportlern ist es besser, sie frühzeitig operativ zu behandeln. In dem Fall gibt es, sofern es die Verletzung zu lässt, minimal invasive Verfahren mit modernen Dauerimplantaten (Tight ropes), bei denen keine späteren Metallentfernungen mehr erforderlich sind. Alternativ gibt es die bewährte und ebenso erfolgsversprechende offene Bandrekonstruktion mit einer Stellschraube. Dann allerdings ist deren Entfernung nach sechs Wochen notwendig, es gibt eine längere Entlastungphase mit resultierendem Muskelschwund.

Welche Komplikationen kann es geben?

Komplikationen kann es durch andere Begleitschäden am Gelenk geben, und dann, wenn der  komplette Riss zunächst verkannt wurde. Dies kann zu Stabilitätsverlust und Arthroseneigung führen.

Wie lange dauert es bei optimalem Heilungsverlauf bis zur Genesung?

Ohne Operation dauert dauert die Pause bei einem bei Teilanriss zwischen vier und sechs Wochen, inklusive Ruhigstellung. Nach einer Operation ist man frühestens nach zwölf Wochen wieder sportfähig.

Macht es Sinn, den Spieler bei der WM aufzustellen?

Die Syndesmose-Verletzung darf auf keinen Fall bagatellisiert werden. Sollte die erste Diagnose stimmen, ist der WM-Einsatz für Reus undenkbar.