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Kölner Stadt-Anzeiger | Köln-Fans und Polizei: Schwere Vorwürfe von beiden Seiten
07. October 2013
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Köln-Fans und Polizei: Schwere Vorwürfe von beiden Seiten

Ordner, Polizisten und Kölner Fans vor dem Stadion in Karlsruhe

Ordner, Polizisten und Kölner Fans vor dem Stadion in Karlsruhe

Foto:

Annas

Köln -

Nach diversen Polizeieinsätzen rund um das Auswärtsspiel des 1. FC Köln beim Karlsruher SC am Samstag kritisieren FC-Fans die Einsatzkräfte heftig für angeblich überzogenes Vorgehen. Die Polizei dagegen betont weiterhin, gewaltbereite Kölner hätten die Einsätze ausgelöst. Nur durch massives Vorgehen hätte die Situation beruhigt werden können.

Der 1. FC Köln hat sich schon am Sonntag zu den Vorfällen rund um das Spiel geäußert. Man wolle die Vorwürfe der Polizei „sehr ernsthaft“ prüfen, erklärt der Klub in einer Stellungnahme auf seiner Webseite. Der Verein verwahre sich „gegen Kollektivhaftung sowohl des Clubs als auch von ganzen Fangruppen für die Taten von Einzelpersonen“. Natürlich begrüße der Verein die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Polizei in der letzten Zeit, die er nicht gefährden wolle. Aber: Der Klub verweist ausdrücklich darauf, dass zahlreiche Fan-Vertreter von überzogenen Maßnahmen der Einsatzkräfte gesprochen haben.

Im Statement heißt es weiter: „Personen, die im Umfeld von Spielen des 1. FC Köln Straftaten begehen, werden vom Club weder geschützt noch verteidigt. Zugleich sollte klar sein, dass die Regeln des Rechtsstaats auch für den Umgang mit Fangruppen der Auswärtsteams bei Fußballspielen gelten müssen und appellieren an die Polizei, von eskalierenden Einsatzkonzepten und willkürlichen Eingriffen gerade durch nicht-szenekundige Beamte abzusehen.“ Soweit die Sicht des Vereins.

„Pauschale Ingewahrsamnahme“

Begonnen hatten die Auseinandersetzungen schon weit vor der Partie. Nachdem es beim Umsteigen der Fans aus der Regionalbahn in die bereitgestellten Busse zu Tumulten kam, wurde der Bus direkt zur Polizeidienststelle gefahren. Fans beschweren sich in den sozialen Netzwerken darüber, dass der Bus nur einzeln und nach aufwendigen Kontrollen betreten werden durfte. Da von hinten aber hunderte Wartende schubsten und drängelten, kam es zu Tumulten - laut Fans auch zu Pfeffersprayeinsatz der Polizei und zu einem Sturm des Busses, bei dem „auch etwas zu Bruch gegangen sei“. Da sich nur Einzelne Reibereien mit der Polizei geliefert hätten, sprechen Fans von „Sippenhaft“ und „pauschaler Ingewahrsamnahme“. Da sich im Bus auch Fan-Utensilien, Plakate und Fahnen mehrerer Ultra-Gruppierungen befanden, entschlossen sich einige Fan-Gruppen dazu, nicht ins Stadion zu gehen.

Einige bereits im Kölner Block befindliche Zuschauer schlossen sich dem an und verließen das Stadion wieder, woraufhin der Fan-Block geschlossen wurde. Anschließend wurde auch einigen Unbeteiligten und zu spät erschienenen Fans der Eintritt verweigert. „Sie haben einfach die Tore zugemacht und keinen mehr reingelassen. Die Polizei hat eskalierend statt deeskalierend auf die Situation eingewirkt“, sagt Thomas Annas, der die Tumulte vor dem Stadion erlebte. „Ab der 40. Spielminute  flogen aus Wut dann Flaschen in den Umlauf des Kölner Blocks, daraufhin wurde der Block gestürmt und dann war es ruhig. Man hätte die Fans einfach früher in den Block  lassen müssen. Aber die Polizei hat Tränengas eingesetzt. Sie hat eine Mit-Schuld an der Situation und ist äußerst aggressiv aufgetreten“, sagt Annas.

„Wilde Horde“ will sich äußern

So hätten durch Tränengas verletzte Kölner Fans nicht in einen anderen Block gehen dürfen, um sich behandeln zu lassen. „Ein Kölner Fan musste sich im Umlauf des Gästeblocks warten, um sich die Augen auswaschen zu dürfen, weil der Rettungswagen vor einem anderen Block stand“, sagt Annas, der die Polizei aber auch lobt: „Vor dem Spiel wollten die Karlsruher Fans einen Kölner Fan-Bus stürmen. Das wurde von den Beamten verhindert und der Bus gut abgeschirmt. Aber im Stadion war das Verhalten ziemlich krass. Das war eine traurige Situation“

Auch auf der Facebook-Seite des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist eine Diskussion entbrannt – User Christopher Kohl etwa schreibt: „Diejenigen, die nicht zwischen „Extremisten“ und friedlichen Fans unterscheiden können, sind nicht Fans, sondern bei der Polizei. Die Geschehnisse in Karlsruhe gehen einzig und allein auf (wiederholte) Provokationen der Polizei zurück. Die Polizei handelte hier unverhältnismäßig, nicht die Fans.“

Die „Wilde Horde“ hat bereits eine umfangreiche Stellungnahme angekündigt, um die Dinge aus ihrer Sicht zu schildern. Auf der Internetpräsenz der Kölner Gruppierung heißt es: „Da sich die Karlsruher Polizei dazu genötigt fühlte, die Insassen eines Busses in Gewahrsam zu nehmen, war es für uns nicht möglich, dem Spiel beizuwohnen. Ausführlicher Bericht folgt. Danke an alle FC-Fans für die Solidarität und der Mannschaft für die drei Punkte.“ Soweit – Stand jetzt – die Sicht der Kölner Anhänger.

Polizei betont Angriffe der FC-Fans

Die Polizei wiederum betonte auch am Montag erneut, dass ihre Einsatzkräfte vor, während und nach dem Spiel von gewaltbereiten FC-Anhängern angegriffen worden seien. Am Stadion in Karlsruhe soll ein Kölner Zivilbeamter von einer geworfenen Flasche am Kopf getroffen worden sein. „Die Ordner und Einsatzkräfte der Polizei wurden immer wieder massiv attackiert“, sagte ein Sprecher der Polizei Karlsruhe. Auf der Rückreise von etwa 500 FC-Fans in einem Regionalzug in Bingen eskalierte die Situation.

So soll es Angriffe auf Bereitschaftspolizisten gegeben haben, die die Kölner im Zug begleiteten. Angeblich sollen ein oder mehrere Fans sogar versucht haben, Beamte im dichten Gedränge zu entwaffnen. Ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz sagte: „Die komplette Bahn ist videoüberwacht. Wir werden die Bänder jetzt in Ruhe auswerten.“ Als Polizisten zwei Tatverdächtige identifiziert hatten und die Männer aus dem Zug führten, um ihre Personalien festzustellen, geriet die Situation offenbar außer Kontrolle.

Wie ein Beamter dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, sollen FC-Fans Polizisten, die die Eingangstüren des Zugs sicherten, rücklings auf den Bahnsteig gestoßen haben. Daraufhin betraten etwa 30 speziell geschulte Beamte der so genannten „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit“ (BFE) der Bundespolizei den Zug – eine Einheit, die nicht gerade für zimperliches Vorgehen bekannt ist. Ihr Auftrag lautet, Straftäter konsequent festzunehmen.

Ein Beamter schildert, etwa hundert der 500 Kölner Zugreisenden hätten mehrere Angriffswellen gestartet, die BFE-Beamten wiederum setzten Schlagstöcke ein. Wer in diesem Tumult welche Rolle spielte und ob womöglich auch Polizisten über die Stränge schlugen, sollen nun die Videoaufnahmen klären.