27.09.2016
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FC-Blog: Toller Endspurt des 1. FC Köln

Fliegen dem Aufstieg entgegen: der 1. FC Köln.

Fliegen dem Aufstieg entgegen: der 1. FC Köln.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Jetzt kann ich ja zugeben, dass mir zeitweise ein wenig schwindelig geworden ist an diesem 30. Spieltag der letzten Zweitligasaison des großen 1. FC Köln. Denn selbstverständlich hatte ich vor meiner Abreise in die USA einmal oberflächlich durchgerechnet, ob der FC in meiner Abwesenheit würde aufsteigen können. Und war zu dem Schluss gekommen, dass das eher nicht möglich war, auch angesichts der Rückrundenleistungen insgesamt.

Soviel dazu. Tatsächlich hätte es dann doch schon an diesem Wochenende passieren können. Gefallen hätte mir das nicht, denn wenn man sich Dinge antut wie Heimniederlagen gegen Ingolstadt oder Paderborn, ist es nur recht und billig, auch beim traditionellen Platzsturm zum Aufstieg dabeisein zu wollen. Wobei ja erst der dritte Aufstiegs-Platzsturm eine Kölsche Tradition wäre. Und irgendwie kann ich mich gerade nicht erinnern, ob es beim 2:1-Sieg über St. Pauli am übrigens 30. Spieltag der Saison 2002/2003 einen Platzsturm gab. Gegen Mainz gab es sehr, sehr sicher einen. Die Aufstiegs-Entscheidungen 2000 (Hannover!) und 2005 (Aue!) fanden ja auswärts statt. In Hannover war ich, was gut war, denn seit diesem Tag bin ich mir sicher, dass das Leben einen Sinn hat (nach dem 1998er-Abstieg hatte ich zeitweise daran gezweifelt, allerdings war ich da noch sehr jung). Den Aue-Aufstieg habe ich dagegen verpasst, weil ich auf einer Wandertour durch die Dascht-e Kawir weilte, das ist eine Salzwüste im iranischen Hochland. Ich lag damals nach einem langen und sehr staubigen Tag in meinem Zelt, an Telefon-Empfang war nicht zu denken, als der FC in Aue aufstieg, ohne dass ich etwas davon bemerkte. Seitdem weiß ich, dass es gut ohne mich geht. Das hat mich auch in den vergangenen Wochen beruhigt, als ich in Florida weilte. Der Endspurt des FC in dieser Saison ist jedenfalls einer Spitzenmannschaft würdig. Und auch am Freitag bleibt trotz des zwischenzeitlichen Rückstands die Erkenntnis, dass wir auch in Berlin klar besser waren. Daran kann ein einzelner wirklich bemerkenswert schöner Angriff der Berliner nichts ändern.

Dennoch hatte ich mir schon beim Schwarzer-Rauch-Abstiegsmistspiel gegen den FC Bayern vor einer gefühlten Ewigkeit versprochen, zum Wiederaufstieg im Stadion zu sein. Und das werde ich ja jetzt auch. Denn meine Zeit in Florida ist vorüber. Doch obwohl mich der Aufstieg erwartet und meine schöne Heimatstadt und der Frühling und der WM-Sommer und der Pimkie und unser ganzes schönes Leben daheim, tut dieser Abschied doch sehr, sehr weh.

Apropos Abschied (endlich mal wieder eine Apropos-Überleitung!): Zurück zum Aufstieg. Als Kölner sollte man in den vergangenen 15 Jahren und spätestens seit Christoph Daum mit seinem Mittelstürmerkonzept namens McKenna gelernt haben, dass es nicht darum geht, wie man aufsteigt. Sondern darum, dass man überhaupt aufsteigt. Über Stilfragen können wir uns gern in einer fernen Zukunft Gedanken machen, in der wir dann regelmäßig über Pflichtsiege unserer B-Elf in der Champions-League-Gruppenphase diskutieren.

Rechnung mit Bochum offen

Seit uns der VfL Bochum in der Hinserie die schöne Ungeschlagen-Serie zerstört hat, haben wir mit denen sowieso eine kleine Rechnung offen. Die wäre mit einem Sieg dann fein beglichen. Aufstieg zu Ostern – stimmiger geht es eigentlich nicht.

Meine Eltern sind mittlerweile zurück in Deutschland. Am Freitag hatte ich noch die Gelegenheit, mit meinem Vater zusammen zur Mittagszeit unseren Sieg in Berlin sehen zu können. Ich will mich jetzt ungern selbst zitieren, aber selbstverständlich habe ich an dieser Stelle dem Unglaublichen Helmes stets im Rahmen meiner Möglichkeiten die Treue gehalten. Wenn er am Montag noch das entscheidende Tor gegen Bochum macht, ist mein Trikot-Flock für die neue Saison beschlossene Sache.

Nach dem Spiel am Freitag fuhren wir rasch an den Strand. Eigentlich wollte ich nur kurz ein bisschen was für den Grill angeln. Umso größer meine Überraschung, als ich einen Hammerhai am Haken hatte. Glücklicherweise saß der Haken nicht allzu kompliziert, sodass ich den wunderlichen Fisch schwimmen lassen konnte, ohne dass sich einer der Beteiligten nennenswert verletzt hätte. Wir haben den Grill dann kalt gelassen und sind ins Restaurant gefahren.

Der FC gewinnt morgens oder mittags, anschließend gehe ich angeln – es ist schön, auch im Urlaub Routinen zu entwickeln. Allerdings unterschied sich dieser FC-Spieltag noch einmal von meinen bisherigen in der Fremde. Denn bislang war ich wenigstens über meine Whatsapp-Gruppe „Fußball und Weltpolitik“ mit meinen Freunden daheim verbunden. Das ist seit vergangenem Donnerstag leider nicht mehr möglich. Denn mein Telefon ist auf dem Boden unserer Garage zerschellt. Beziehungsweise ist das Glas auf der Touchscreen-Seite zersprungen. Sehr ärgerlich, denn das Gerät ist recht neu. Außerdem hätte es ja auch einfach auf der anderen Seite landen können, dann wäre wohl nichts passiert. Jedenfalls musste ich an diesen Vorfall denken, als ich am Samstag ein Interview von Peter Stöger in einer österreichischen Zeitung las, in dem er sagte, er sei im Leben „oft auf die Butterseite gefallen“. Offenbar eine Metapher dafür, dass er insgesamt eher Glück habe als Pech. Wenn ich mir jetzt aber vorstelle, mir fiele mein Butterbrot auf die Butterseite, dann wäre ja einerseits der Boden eingesaut und andererseits das Butterbrot ziemlich hinüber. Das wäre also in etwa so, als fiele einem das Telefon auf die Displayseite. Und so etwas würde ich nach meiner jüngsten Erfahrung mit fallenden Telefonen eher als Pech empfinden (meine Butterbrote sind zuletzt trotz des immer wilder am Frühstückstisch herumfuchtelnden Nachwuchses nicht der Schwerkraft überantwortet worden, daher fehlt mir in dieser Hinsicht die Expertise). Wobei die Aussage „Ich bin oft auf die Butterseite gefallen“ ohnehin zu denken gibt: Empfindet sich Peter Stöger als Butterbrot? Offenbar ein Kommunikationsfehler zwischen Reporter und Trainer. Letztlich entscheidet aber ja auch die Botschaft: Peter Stöger empfindet sich als Glückspilz und fühlt sich wohl in Köln. Mehr brauchen wir einstweilen nicht. Beziehungsweise doch: Noch einen schönen Sieg über den VfL Bochum am Montagabend. Dann hätten wir das auch. Und wer jetzt darauf wartet: Auf den Schlussgag mit „Butter“ und „vom Brot nehmen lassen“ möchte ich an dieser Stelle verzichten.

Alle Beiträge gibt es auf www.loeer.de

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