27.09.2016
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Analyse zum 3:1-Sieg gegen Frankfurt: Ein Abend zum Feiern für den 1. FC Köln

Yannick Gerhardt (l.) bejubelt seinen Treffer mit Filip Mladenovic und Matthias Lehmann.

Yannick Gerhardt (l.) bejubelt seinen Treffer mit Filip Mladenovic und Matthias Lehmann.

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imago/mika

Der 1. FC Köln holt gegen Eintracht Frankfurt den ersten Sieg in der Rückrunde. Unsere Analyse.

Das Wichtigste zuerst:

Am Samstagabend ist dem 1. FC Köln der erste Pflichtspiel-Sieg des Jahres gelungen. Gleichzeitig bedeutet das 3:1 gegen Eintracht Frankfurt das Ende der unschönen Serie von zehn erfolglosen Partien unter Flutlicht nacheinander. Durch den Heimsieg hat die Mannschaft von Trainer Peter Stöger den neunten Tabellenplatz der Bundesliga vor dem wiederbelebten VfB Stuttgart verteidigt.

Die Aufstellungen:

Als würde Peter Stöger sich einen Spaß daraus machen, immer wieder aufs Neue mit seiner Aufstellung zu verblüffen: Der Österreicher entsandte jene Formation auf den Rasen, die sich beim 1:1 in Hamburg sehr ordentlich präsentiert hatte. Das bedeutet: Der unantastbare Matthias Lehmann ist jetzt nicht mehr unantastbar – der Kapitän musste nach abgesessener Gelbsperre zunächst einen Platz auf der Bank einnehmen.

Stöger zum Sieg gegen Eintracht Frankfurt
Köln,14.02.16: Der 1. FC Köln holt gegen Eintracht Frankfurt den ersten Sieg in der Rückrunde. Das sagt Peter Stöger zum 3:1-Erfolg...

In der Drei-Mann-Abwehr begannen erneut Mergim Mavraj, Dominic Maroh und Dominique Heintz und auf der linken Seite durfte wieder Winter-Zugang Filip Mladenovic starten. Jonas Hector lief abermals im zentralen Mittelfeld auf, diesmal wieder neben Yannick Gerhardt. Weil Yuya Osako kurzfristig wegen Magen-Darm-Beschwerden ausfiel, blieb ein Platz auf der Kölner Bank leer. Eine Randnotiz: Milos Jojic schaffte es nicht ins Aufgebot.

1. FC Köln: Horn – Risse, Maroh, Mavraj, Heintz, Mladenovic (77. Vogt) – Gerhardt, Hector – Bittencourt (83. Sörensen), Zoller (13. Lehmann) – Modeste

Frankfurt:  Hradecky – Regäsel, Russ, Abraham, Oczipka – Hasebe (60. Seferovic) – Aigner, Stendera, Fabian (73. Ben-Hatira), Huszti – Meier

Die Tore:

24. Minute – 1:0 für Frankfurt:Mavraj leistet sich einen üblen Fehlpass und ermöglicht der Eintracht eine Flanke, nach der vor dem Kölner Tor chaotische Zustände herrschen. Zunächst gelingt es der FC-Defensive in Gemeinschaftsarbeit aber doch, den Ball zu klären. Ein paar Meter vor dem Strafraum kommt allerdings Huszti an den Ball, flankt und findet – wen sonst? –  Alexander Meier, der den Ball per Direktabnahme ins Tor verlängert. Warum Meier nicht im Abseits stand? Mavraj hatte nicht aufgepasst und den Moment, in dem die Abseitsfalle greifen sollte, versäumt.

29. Minute – 1:1, der FC gleicht aus:Nach einer Flanke aus dem linken Halbfeld können zwei Frankfurter den Ball am eigenen Strafraum nicht kontrollieren. Von Fabian prallt die Kugel zu Anthony Modeste, der mit feinem Auge serviert für Yannick Gerhardt. Wenige Meter vor dem Eintracht-Tor wahrt der 21 Jahre junge Mittelfeldmann im Duell mit Frankfurts Keeper Hradecky die Coolness – der Ausgleich.

57. Minute – 2:1 für Köln:Ein Foul an Marcel Risse zieht auf der rechten Seite einen nicht unumstrittenen Freistoß nach sich. Mladenovic zirkelt den Ball mit viel Tempo in den Strafraum, Dominique Heintz kann ungestört springen und platziert den Ball unhaltbar im Tor.

73. Minute – 3:1 für Köln:Leonardo Bittencourt, Yannick Gerhardt und Anthony Modeste bescheren den Kölner Fans eines der schönsten FC-Tore dieser Saison: Bittencourt zieht aus dem rechten Halbfeld ins Zentrum und passt im richtigen Augenblick perfekt in den Lauf von Gerhardt, der den Ball im Strafraum kontrolliert, einen Meter vor Hradecky die Ruhe bewahrt und querlegt für Modeste. Der Franzose hat den Ball bloß noch im leeren Tor unterzubringen, schafft das und jubelt vor der Südkurve über seinen zehnten Saisontreffer.

Das war gut:

Wie die Kölner auf den zum Zeitpunkt der Entstehung verdienten Führungstreffer der Frankfurter reagierten: ruhig, diszipliniert, entschlossen. Der Sieg hätte ja durchaus höher ausfallen können. Die Formation mit der dynamischen Mittelfeld-Variante Hector/Gerhardt ermöglicht dem FC im Gegensatz zur Hinrunde mit Lehmann/Vogt im Zentrum neue Möglichkeiten der Gestaltung und rasantes Umschaltspiel. Ein wichtiger Faktor ist Filip Mladenovic, der den Umzug von Hector durch seinen guten Einstand in Köln überhaupt erst möglich macht und aktiv gegen die Meinung ankämpft, dass Winter-Zugänge nur selten zielführend sind.

Das war schlecht:

Schiedsrichter Felix Zwayer, der bei seinen Entscheidungen keine klare Linie fand und mehrfach daneben lag. Dass das Spiel trotzdem einen verdienten Sieger fand, wird den FC trösten – die abstiegsbedrohten Frankfurter eher nicht.

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Mann des Spiels, Das sagen die Trainer, Das sagen wir

Mann des Spiels:

Ein Tor und eine Vorlage, diese Bilanz würde ausreichen, um Yannick Gerhardt in dieser Rubrik auszuzeichnen. Aber nicht allein wegen seiner grandiosen Performance vor dem Frankfurter Tor war der U21-Nationalspieler der beste unter vielen guten Kölnern. Wieder bestätigte er den Eindruck,  dass er mit steigender Praxis jene Selbstsicherheit gewinnt, die er für seine Spielweise braucht. Beim dritten Startelf-Einsatz entzückte Gerhardt durch die ideal dosierte Mischung aus Leidenschaft, Ballgefühl und Dynamik. Ein großartiger Auftritt – nach dem auch Peter Stöger als Zeichen der Anerkennung buchstäblich den Hut respektive die Kappe zog.

Stöger zieht Kappe vor Gerhardt
Köln, 14.02.16: Nach dem Spiel beglückwünscht Stöger Yannick Gerhardt und zieht die Kappe vor ihm. Im Video erläutert Stöger, was diese Geste bedeutet hat.

Moment des Abends

Vor dem Anpfiff präsentiert die Südkurve eine ansehnliche Choreographie, mit der sie anlässlich des 68. Geburtstags des 1. FC Köln an große Momente der Vereinsgeschichte erinnert und Aufbruchsstimmung im Stadion heraufbeschwört. Schöne Minuten für alle, die es mit dem FC halten.

Moment des Spiels:

Das Führungstor durch Dominique Heintz in der 57. Minute. Nicht nur wegen der sportlichen Relevanz dieses Treffers, sondern auch wegen der Geschichte, die dahintersteckt: Vor dem Spiel verkündete der FC, dass Heintz einen neuen Vertrag bis zum Jahr 2021 (!) unterschrieben hat. Erst im Sommer wechselte der Innenverteidiger zum FC – jetzt hat er sich nach einer bislang sehr überzeugenden ersten Bundesliga-Saison lange an den Klub gebunden. Ein starkes Signal für den Klub, dass sich ein aufstrebendes deutsches Talent – freilich gegen eine Gehaltserhöhung  - mindestens auf dem Papier zu einer Zukunft in Köln bekennt.

Moment zum Vergessen:

In der 67. Minute lag Anthony Modeste am Boden, vorangegangen war eine Rudelbildung. Und nun? Sollte der 15 Zentimeter kleinere Marc Stendera das 1,86-Meter-Kraftpaket Anthony Modeste niedergestreckt haben? Die Fernsehbilder zeigten es: nein.

Im gepflegten Tête-à-Tête standen sich die Herren gegenüber, dann ging Modeste zu Boden. Hat der Franzose nicht nötig, so viel Theatralik. Gelb für beide war die angemessene Reaktion von Schiedsrichter Felix Zwayer. Fand auch Geschäftsführer Jörg Schmadtke, der nach dem Spiel sagte: „Ich mag das bei unseren Gegnern nicht, und bei unseren eigenen Spielern schon gar nicht.“

Das sagen die Trainer:

Peter Stöger (1. FC Köln): „Die Frankfurter haben es uns zu Beginn schwer gemacht, ins Spiel zu finden. In der zweiten Halbzeit war ich richtig zufrieden mit dem, was wir läuferisch und spielerisch geboten haben. Für uns war das ein ganz wichtiger Sieg. Ich bin sehr stolz, dass die Spieler das so verinnerlicht haben, verschiedene Spielideen umzusetzen. Jede Idee ist immer nur so gut wie die Umsetzung der Spieler.“

Armin Veh (Eintracht Frankfurt): „In der ersten Halbzeit waren wir gut im Spiel, haben viel Aufwand betrieben. Das 1:1 ist zu leicht gefallen. Wir bekommen zu leichte Gegentore. Die zweite Halbzeit war ausgeglichen bis zum 2:1 – danach haben wir einfach nicht mehr Fußball gespielt. Wir haben mit Leidenschaft gespielt, wollten schnell den Ausgleich erzielen – aber haben den Spielfluss verloren.“

Das sagen wir

Der erste Sieg des Jahres – und das am Geburtstag. Rückstand gedreht, verdient gewonnen. Ein Tor des von den Fans noch etwas mehr als alle anderen Spieler umjubelten Yannick Gerhardt. Der neue Vertrag von Dominique Heintz, der diese Mitteilung mit seinem zweiten Saisontor garnierte. Die Erkenntnis, dass das dynamische Mittelfeld-Modell immer besser funktioniert. Ja, es war ein Tag zum Feiern für den 1. FC Köln, der – das muss ja mal gesagt werden – den Abstand auf die Europa-League-Plätze am 21.Spieltag von sechs auf vier Punkte verkürzt hat. Chapeau.

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