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1. FC Köln-Geschäftsführer Alexander Wehrle: „Wir werden in den nächsten Jahren mehr investieren“

Alexander Wehrle spricht im Interview über die Pläne des 1. FC Köln.

Alexander Wehrle spricht im Interview über die Pläne des 1. FC Köln.

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Rainer Dahmen

Herr Wehrle, am Samstag beginnt für den 1. FC Köln die Rückrunde mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Obwohl es bei Ihrem ehemaligen Verein finanziell nicht gut läuft, gab es in diesem Winter kein Gerücht über Ihre Rückkehr. Sind Sie gekränkt?

Ich habe meinen Vertrag beim FC im Sommer bis 2021 verlängert. Die Frage stellt sich also gar nicht – und das wird auch in den nächsten Jahren so sein.

Im vergangenen Winter haben sich die Stuttgarter um Ihre Rückkehr bemüht.

Aber ich habe damals eine bewusste Entscheidung für den FC, nicht gegen Stuttgart getroffen. Wir haben hier viele spannende Projekte und viel Potenzial. Meine Aufgabe hier ist noch lange nicht zu Ende und ich habe riesige Lust, hier weiterzumachen.

Wie erleben Sie Spiele gegen den VfB?

Ich freue mich, dass es wieder losgeht. Es ist für mich ein besonderes Spiel. Aber zwei Herzen in einer Brust? Völliger Blödsinn! Von der ersten bis zur letzten Minute wird mein Blick nur auf den Erfolg des FC gerichtet sind. Danach kann Stuttgart von mir aus alle 16 Spiele gewinnen.

„Kontinuität ist auf den Führungsebenen extrem wichtig“

Neben Ihnen haben Jörg Schmadtke und jetzt auch Trainer Peter Stöger einen langfristigen Vertrag unterschrieben. Bestärkt Sie das in Ihrer Entscheidung?

Peter Stöger passt zu dieser Stadt und diesem Verein. Das Trainerteam macht insgesamt einen überragenden Job, und funktionierende Konstellationen sollte man bewahren. Kontinuität ist auf den Führungsebenen extrem wichtig. Die Zusammenarbeit mit den Trainern, aber auch von Jörg Schmadtke und mir mit dem Vorstand ist von großem Vertrauen ineinander und in das Gesamtprojekt geprägt.

Wo sehen Sie die Gefahren für dieses Projekt?

Ich glaube, wir sind so geschlossen, dass wir mögliche Stürme überstehen werden. Aber der Fußball ist ein so wechselhaftes Geschäft. Es wäre töricht, davon auszugehen, dass wir in den nächsten Jahren so weiterwachsen, dass wir dann Vierter, Dritter und Zweiter werden. Wir planen für den besten, den wahrscheinlichen und den schlimmsten Fall. Jeder Fußballverein hat die Gefahr, dass Einnahmen wegbrechen, weil es sportlich nicht mehr läuft.

So wie in Stuttgart. Wie blicken Sie heute auf Ihren Ex-Klub?

Die letzten drei Jahre waren nicht einfach, der VfB hat jedes Jahr gegen den Abstieg gekämpft. Aber der Klub hat so viel Substanz und Wirtschaftskraft durch die ansässigen Unternehmen – ich mache mir keine allzu großen Sorgen. Der VfB kämpft mit einem nicht unüblichen Problem: Nach der sensationellen Meisterschaft sind in den Jahren danach die erhofften internationalen Einnahmen weggebrochen, aber zeitgleich hatte der Verein noch hohe Transferaufwände und Abschreibungen. Damit lässt sich der finanzielle Verlust simpel erklären.

„Wir werden mehr investieren“

Wie werden Sie sich dagegen absichern, falls Sie sich für das internationale Geschäft qualifizieren?

Solange Jörg Schmadtke und ich in der Geschäftsführung sind, werden wir immer so planen, dass die Einnahmen und die Ausgaben in einem gesunden Verhältnis stehen. Bisher ging es darum, sportlich erfolgreich zu sein, aber dabei vor allem die Konsolidierung voranzutreiben. Das wird sich in den nächsten Jahren verschieben und wir werden mehr investieren, weil wir wirtschaftlich ein stabileres Fundament haben. Wir würden eine einmalige Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb aber nicht überbewerten, sondern die Transferpolitik nur im Rahmen der neuen Einnahmen umsetzen.

Was sind Ihre Ziele für das Jahr 2016?

Zunächst geht es darum, möglichst früh den Klassenerhalt zu sichern. Danach kann man sich mit anderen Zielen beschäftigen. Darüber hinaus sind wir mitten in der Planung für die nächste Saison. Die Infrastruktur hier am Grüngürtel wird uns natürlich beschäftigen. Wichtige Punkte sind auch die Internationalisierung und unsere Online-Strategie.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie der FC seine Vermarktung international vorantreiben will.

Werde zwecks Erschließung des globalen Marktes im Sommer erste Schritte folgen – wird es eine PR-Reise geben?

Wir gehen davon aus, dass wir nach Abschluss der Saison eine Freundschaftsspiel-Reise in einen der Zielmärkte unternehmen werden. Wir müssen globaler denken. Um Sponsoren zu finden und eine Monetarisierung auslösen zu können, die im Online-Bereich schon möglich ist, muss man einfach auch präsent sein. Wir haben schon Anfang 2015 im Trainingslager in Florida gesehen, dass es auch auf dem US-Markt Potenzial gibt. Das war eine gute Erfahrung, um ein Gefühl für solche Reisen zu bekommen.

Der Zielmarkt des 1. FC Köln ist aber noch nicht definiert?

Unter Umständen ergreifen wir unterschiedliche Maßnahmen für verschiedene Zielmärkte. Solange man keine Dependance an einem Ort eröffnet, kann man eine duale Strategie fahren. Die Internationalisierung ist langfristig angelegt. Und wir sind auch nicht so blauäugig, dass wir damit rechnen, dadurch kurzfristig Millionenbeträge erwirtschaften zu können. Dafür braucht man einen langen Atem.

Infrastruktur am Geißbockheim hat Priorität

Es klingt, als stehe die Infrastruktur weiter oben auf der Agenda.

Die Maßnahmen am Grüngürtel sind für uns existenziell, während die Internationalisierung ein Baustein einer mittelfristig angelegten strategischen Ausrichtung ist. Das, was wir am Geißbockheim vorhaben, muss dagegen zeitnah umgesetzt werden. Deshalb sind wir froh, dass wir die Gespräche mit der Verwaltung so abschließen konnten, dass im Stadtentwicklungsausschuss mit einer breiten Mehrheit der Aufstellungsbeschluss erwirkt wurde. Im Februar oder März wird es eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben.

Beunruhigt es Sie, dass sich eine Bürgerinitiative formiert, die sich gegen die Erweiterungspläne stellen will?

Nein. Mehr Transparenz, als wir an den Tag gelegt haben, kann es nicht geben. Wir sind frühzeitig an die Öffentlichkeit gegangen. Es gab genug Möglichkeiten, mit uns zu kommunizieren. Mich wundert es, dass es eine solche Initiative erst nach dem Aufstellungsbeschluss gibt, zumal es ja in der Resolution der Initiative überhaupt keinen Lösungsvorschlag gibt, sondern nur die Forderung, der FC solle einfach irgendwo anders hingehen. Wir sind zuversichtlich, dass das Verfahren positiv läuft und füruns ist es selbstverständlich, dass wir in diesem sensiblen Gebiet alle Vorgaben berücksichtigen. Ich wüsste nicht, was gegen unser Vorhaben sprechen soll. Wenn alles gut läuft, werden die Arbeiten im Sommer 2017 beginnen.

Gespräche über Ausbau des Stadions stehen an

Können Sie sich der Unterstützung der Stadt und der Politik sicher sein, weil es um den 1. FC Köln geht?

Die Gründerväter des Vereins haben diesen Standort ja gemeinsam mit den politischen Akteuren ausgesucht. Es ist unsere Heimat, und wir wollen unsere Heimat nicht verlassen. Deshalb versuchen wir, an diesem Standort das Bestmögliche für den Verein zu entwickeln.

Ein anderes Thema ist ein Kauf des Stadions. Die neue Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat während des Wahlkampfes gesagt, dass eine Übertragung der Arena an den FC denkbar sei.

Eine Stadionerweiterung könnte ein sehr interessantes Projekt sein – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die müssen wir in Gesprächen mit den Verantwortlichen erörtern. Da geht es um Besitzverhältnisse, Kosten, Infrastruktur. Niemand weiß heute, ob das Projekt realisierbar ist. Aber es wäre töricht, sich nicht damit zu beschäftigen. 2016 wird es dazu Gespräche geben.

Wie wichtig wäre der Ausbau für die sportliche Perspektive?

Es ist nicht die einzige Möglichkeit, den Umsatz zu steigern. Wenn wir uns sportlich weiter stabilisieren, dann werden wir einen Sprung bei den TV-Einnahmen machen. Das internationale Geschäft könnte irgendwann auch weitere Einnahmen generieren, außerdem Transfers und die Internationalisierung. Aber wir könnten das Stadion sicher bei sieben, acht Heimspielen mit 75.000 Zuschauern füllen. Und es wäre nachhaltiger und stabiler, mit einem größeren Stadion-Volumen planen zu können – das würde auch bei Transfers ganz andere Möglichkeiten bieten. Deshalb werden wir das Stadionthema schon priorisieren.

Alles in allem klingt das nach vielen Visionen. Wundern Sie sich manchmal selbst, wie fahrlässig Ihre Vorgänger mit dem Potenzial des Vereins in dieser Stadt umgegangen sind?

Natürlich stellt man sich Fragen. Aber ich kann dazu nichts sagen, weil ich nicht dabei war und ich die Basis der Entscheidungen nicht kenne. Wir haben eine saubere Struktur. Am 17. Januar 2013, meinem ersten Arbeitstag beim 1. FC Köln, habe ich gesagt, dass ich nicht nach hinten schaue, sondern nur nach vorn. Daran habe ich mich gehalten – und das wird sich auch nicht mehr ändern.

Das Gespräch führten Philip Sagioglou und Christian Oeynhausen

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