27.07.2016
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Derby gegen Mönchengladbach: 1. FC Köln steht vor einem besonderen Auswärtsspiel

SuedkurveDemo

Aufruf der Kölner Südkurve  zur Demonstration in  Mönchengladbach beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Foto:

Rainer Dahmen

Köln -

Für Peter Hagen (Name geändert) ist die Sache klar: „Wir werden mit Sicherheit nicht öffnen.“ Das Risiko will der Geschäftsmann nicht eingehen. Sein Laden liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof in Mönchengladbach-Rheydt.

Genau dort starten Fans des 1. FC Köln am Samstag vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach zu einem Protestzug durch die Innenstadt. Nach dem Platzsturm von FC-Anhängern im vergangenen Jahr wurden statt der üblichen 5400 diesmal nur 2700 – personalisierte – Tickets für den Gästeblock im Borussia-Park angeboten. Diese Auflagen wollen nicht alle FC-Anhänger hinnehmen.

1000 Kölner in Rheydt erwartet

Die Mönchengladbacher Polizei rechnet mit bis zu 1000 Kölner Fans in Rheydt. Die Demonstration sei ordnungsgemäß angemeldet worden, sagte Sprecher Willy Theveßen, daher habe man die Versammlung ermöglichen müssen. „Das Recht zu demonstrieren ist ein Grundrecht.“ Hinweise, die ein Verbot rechtfertigen könnten, liegen Theveßen zufolge nicht vor.

Warum in Rheydt? Diese Frage stellten sich nicht nur besorgte Anwohner, sondern auch die Einzelhändler vor Ort. Laut Polizei steht es den Anmeldern einer Versammlung „weitestgehend frei, den Weg und den Ort für ihre Veranstaltung selbst zu bestimmen“.

„Es herrscht große Angst“

Die Demonstration soll unter Auflagen um 11 Uhr am Hauptbahnhof starten und über eine Strecke von 750 Metern führen. Für die Sicherheit sei zu jeder Zeit gesorgt, betont Theveßen: „Wir sind so aufgestellt, dass wir Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten jeder Art von wem auch immer unterbinden und im Keim ersticken können.“ Um nicht überrascht zu werden, habe die Polizei auch die sozialen Netzwerke im Blick: „Wir werten Aufrufe jeder Art aus.“

Vor allem bei den Geschäftsleuten sorgt die Demonstration dennoch für Bedenken. „Es herrscht große Angst“, sagte Christoph Hartleb, Vorsitzender des Rheydter City-Managements, auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das Gewaltpotenzial ist hoch.“

„Für Einzelhändler eine Katastrophe“

Peter Hagen ist längst nicht der einzige, der seinen Laden am Samstag gar nicht erst aufmacht. „Da werden sicher einige Geschäfte geschlossen bleiben. Für die Einzelhändler ist das eine Katastrophe. Der Samstag ist üblicherweise der umsatzstärkste Tag“, so Hartleb. Eine Online-Petition von Rheydter Bürgern, die sich in ihrer Sicherheit bedroht fühlen und sich für eine Verlegung der Protestaktion einsetzten, blieb erfolglos.

„Wir hätten es besser gefunden, wenn die Kölner Fans in Köln demonstriert hätten“, sagte auch Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers. Von der Absicht der aktiven Kölner Fanszene, in Mönchengladbach zu demonstrieren, „sind wir überrascht worden“.

Nun finde die Aktion aber statt, „deshalb rufen wir unsere Fans dazu auf, ruhig und gelassen damit umzugehen. Wir wollen die Fankultur erhalten. Aber die Bilder von vor zwölf Monaten wollen wir nicht wieder sehen. Die gehören nicht zum Fußball.“

Gladbach-Fans kündigen Stimmungsboykott an

Die Demonstration ist nicht die einzige Aktion, mit der die Kölner Fans gegen die Umsetzung der DFB-Auflagen protestieren. Ein Großteil der aktiven Fanszene will dem Stadion fernbleiben. Nur rund 1200 Gäste-Tickets wurden bisher verkauft, der FC wird vor einer recht leeren Kurve spielen. „Wir hätten natürlich gern unsere Fans im Stadion gehabt.

Aber eine Demonstration ist ihr gutes Recht. Wir gehen davon aus, dass alles anständig und friedlich ablaufen wird“, sagt der FC-Fanbeauftragte Rainer Mendel. Gladbachs Fans wiederum haben einen Stimmungsboykott angekündigt – „ein Derby ohne Gegenüber ist für uns kein richtiges Derby“, teilt die Ultragruppe Sottocultura mit.

Die sportliche Abteilung beim FC nimmt es gelassen: „Es ist so zur Kenntnis zu nehmen und das machen wir. Stimmung oder nicht, schlechtes Wetter oder nicht – Aufgabe eines Profis ist es, sich auf verschiedene Situationen einzustellen. Man sollte trotzdem eine gute Leistung abliefern können“, sagt FC-Trainer Peter Stöger.


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