29.07.2016
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Letzte Kolumne: Matthias Scherz wechselt die Seiten

KStA-Kolumnist Matthias Scherz

KStA-Kolumnist Matthias Scherz

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Rainer Dahmen

Lieber Herbert Neumann,

es hat mir riesig Spaß gemacht, im wöchentlichen Briefwechsel die Kolumne Seitenwechsel 2.0 zu schreiben. Ich war sehr dankbar, dass du dazu gekommen bist. Denn so stand ich nicht mehr jede Woche unter der Anspannung eine Kolumne zu schreiben. Ich gebe zu: Diesen wöchentlichen Druck hatte ich unterschätzt.

Anfangs war ich immer richtig erleichtert, wenn ich den Text an die Redaktion abgeschickt hatte. Doch schnell verstand ich, es ist wie früher: Nach der Kolumne war vor der Kolumne. Das Wochenende kam und ich hatte keinen Trainer, der mir ein Konzept vorgab…

Persönlich wollte ich meine Geschichten gestalten, doch hatte ich zu dem Thema, das mir vorschwebte, überhaupt eine persönliche Geschichte? Und wenn ja, interessiert die überhaupt jemand? Geholfen haben mir Schreibamateur die Gespräche und die Ehrlichkeit meiner neuen Kollegen, den Schreibprofis, die zugaben, diesen Druck zu kennen.

Gerade in der Rückserie 2011/2012 gingen die Sonntagabende immer fürs Schreiben drauf. Kein „Tatort“, kein Sonntagabend auf dem Sofa, stattdessen Recherche, Internet, Telefonate und die bohrende Frage: Wie bekomme ich 2200 Zeichen zusammen? Oft hatte ich das Gefühl, jeder Buchstabe ist ein Boxhieb und ich gehe schon beim ersten K.o.

Was mich motiviert hat? Ich wollte einen Einblick aus Sicht eines Fußballprofis geben und eine neue Herausforderung annehmen, denn Schreiben ist mir nie leicht gefallen. Und wenn einem etwas nicht leichtfällt, dauert es, bis ein Ergebnis dasteht. Aber ich habe es immer als lohnend empfunden. Beim Bäcker, beim Metzger oder im Supermarkt wurde ich auf meine Kolumne angesprochen.

Es gab viel positive Rückmeldung und natürlich auch negative. Am Anfang fiel es mir schwer, damit umzugehen. Nicht mit konstruktiver Kritik – die ist wichtig für uns alle. Damit habe ich mich gerne auseinandergesetzt. Menschen jedoch, die mich jede Woche unter Pseudonym aufs Übelste beleidigen, haben mich arg befremdet.

Die Kolumne hat mir riesig Spaß gemacht und ich werde es vermissen, aber schreiben UND spielen funktioniert nicht. Jetzt heißt es für mich wieder: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Matthias Scherz hat im wöchentlichen Wechsel mit Herbert Neumann die Kolumne "Seitenwechsel 2.0" geschrieben. Scherz steigt nun aus, weil er wieder aktiv Fußball spielt - beim Regionalligisten Fortuna Köln.