25.07.2016
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Nach Anruf bei Domian: 1. FC Köln löst Fanclub auf

Kevin Pezzoni

Kevin Pezzoni

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Rainer Dahmen

Köln -

Mit der Gründung der Facebook-Seite "Kevin Pezzoni & Co aufmischen" hat der Mann, der sich Benny nennt, bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine intensiv geführte Debatte über den Umgang mit gewaltbereiten Fans entfacht. Donnerstagnacht wurde es dem Initiator wohl zu viel. Er offenbarte sich dem WDR-Talker Jürgen Domian. Der 1. FC Köln bestätigte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", dass es sich bei dem Mann um den Gründer der Seite handelt. Freitagvormittag schickte der Verein einen Brief ab, in dem er dem 21-Jährigen wegen vereinsschädigenden Verhaltens die Mitgliedschaft entzieht. Außerdem bekommt er die Höchststrafe von drei Jahren Stadionverbot. Der Vereinigung "Kölsche Elite 07" wird zudem der Status als Fanclub entzogen.

Nach dem enttäuschenden Saisonstart der Kölner in der Zweiten Fußball-Bundesliga war Pezzoni ins Zentrum der Kritik geraten. Am 31. August hatten der 23-jährige Defensivspieler und der 1. FC Köln in Folge des öffentlichen Drucks den Vertrag gelöst. "Ich habe die Seite nach dem Spiel gegen Aue gemacht", bekannte der 21-Jährige, der sich am Telefon Benny nannte. Dabei hätten Alkohol, aber auch die Enttäuschung über die sportlichen Leistungen des Verteidigers eine Rolle gespielt. Der Zweitligist hatte beim 0:2 im Erzgebirge eine weitere Niederlage hinnehmen müssen. "Ich war ein bisschen frustriert. Da kam mir die Idee, ein paar Anreize zu setzen, um die Spieler darauf hinzuweisen, dass das in dieser Form nicht geht, dass man nicht kämpft und den letzten Willen nicht zeigt", erzählte er. Die Spieler müssten verstehen: "Ich spiele für meinen Verein, den geliebten 1. FC Köln."

Auf der Facebook-Seite hatten Besucher offen zur Gewalt gegen Pezzoni aufgerufen. Einer forderte dazu auf, dem Spieler die Beine zu brechen. Als die Seite schließlich abgeschaltet wurde, hatte sie 445 Fans, von denen, wie der Anrufer sagte, "aber nur vier zu Aktionen bereit waren". Er habe nicht gewollt, dass es so weit kommt, beteuerte der 21-Jährige. Er habe versucht, zur Mäßigung aufzurufen, letztlich aber die Kontrolle verloren. "Es ist eskaliert, das war nicht meine Absicht." Dennoch gesteht er, dass die Vertragsauflösung, zu der sich der verängstigte Pezzoni genötigt sah, nicht unerfreulich sei. "Das Resultat ist nicht verkehrt, aber wie es zustande gekommen ist, hätte man natürlich anders lösen können."

Im Gespräch mit Domian lieferte der Mann einen Einblick in die Kölner Hooliganszene. Zwar sei er nur verantwortlich für die Facebook-Seite. Aber er kenne die Personen, die Pezzoni vor seinem Haus aufgelauert und bedroht hatten. Von ihnen wisse er auch von einem Drohbrief, den diese dem Spieler hinter den Scheibenwischer geklemmt hatten.

Ein Blick auf die Vita zeigt, mit wem es der 1. FC Köln zu tun hatte. "Bist du vorbestraft?", fragte Domian. "Ja, ja, auf jeden Fall. Ich war da bei ein paar Aktionen dabei", antwortete er. Dann folgten ein paar Stationen seiner Schlägerkarriere. "Die Levs haben wir ein bisschen weggewichst, auch die Gladdis (Anhänger von Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach. Anmerkung d. Red.). Wenn man unter sich bleibt, ist das legitim." Er brüstete sich, schon mehrfach Stadionverbote gehabt zu haben. Das wiederum konnte der Verein nicht bestätigen.

Wirkliche Einsicht oder gar Reue blieb der Anrufer allerdings schuldig. Dass Kevin Pezzoni nun auch gegen ihn Anzeige erstattete, verstehe er nicht. Jürgen Domian wurde es schließlich zu bunt. Er warf ihn aus der Leitung.


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