24.07.2016
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Nachruf: Trauer um FC-Legende Hannes Löhr

Hannes Löhr

Köln -

Am Sonntagnachmittag hat sich Hannes Löhr noch in der Lanxess-Arena das Spiel der Kölner Haie angesehen. Am Tag danach machte die traurige Nachricht die Runde: Der ehemalige Torjäger, Trainer und Sportdirektor des 1. FC Köln, vor allem aber ein FC-Mensch durch und durch, ist am Montag im Alter von 73 Jahren gestorben. „Hannes Löhr war eine Legende und die Integrationsfigur des Kölner Fußballs. Bei den Fans wird er unvergesslich bleiben. Wir verneigen uns vor einem großen Sportler und liebenswerten Menschen“, sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

„Hannes Löhr war über seine Zeit als Spieler, Trainer und Funktionär hinaus dem FC immer eng verbunden, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen. Wir werden Hannes Löhr unendlich vermissen und ihn nie vergessen“, sagte FC-Präsident Werner Spinner.

Löhr, eines von fünf Kindern einer Gastwirtsfamilie aus Eitorf, wurde 1962 bei einem Spiel der Mittelrheinauswahl von den Sportfreunden Saarbrücken entdeckt und begann seine Laufbahn in der Oberliga Südwest. 1964 kam der Linksfuß nach intensivem Bemühen von FC-Trainer Gegorg Knöpfle und Präsident Franz Kremer zum damaligen Meister. Er blieb für 14 Jahre und 505 Pflichtspiele. Mit dem FC wurde er Meister 1978 und dreimal Pokalsieger, er war der erste Bundesliga-Torschützenkönig des Klubs (1968/27 Tore).

Schlitzohrig, bodenständig, Publikumsliebling

Löhr ist bis heute Rekordtorschütze des Klubs und natürlich Teil manchen FC-Dramas wie dem „Münzwurf“-Spiel in Rotterdam 1965 gegen Liverpool. Für die Nationalelf lief er 20 Mal auf, darunter im legendären WM-Halbfinale 1970 gegen Italien (3:4 n.V.). Auf dem Platz war „de Nas“ ein schlitzohriger Stürmertyp, abseits bodenständig freundlich, zugewandt, ein Publikumsliebling. 235 Pflichtspiel-Tore, davon 166 in der Bundesliga, waren es für den FC, als er 1978 als Double-Sieger seine Spielerlaufbahn beendete.

Hannes Löhr 2

Durfte mit dem 1. FC Köln große Erfolge feiern: Hannes Löhr (r.) zusammen mit Heinz Flohe.

Es folgte ein fließender Übergang in die Verantwortungsebene beim Klub: Co-Trainer bei Hennes Weisweiler, Manager (1980-1983) und von 1983 bis Februar 1986 FC-Chefcoach. Danach wechselte Löhr zum DFB und betreute die Olympiaauswahl, mit der er 1988 in Seoul Bronze holte. 1990 übernahm er die U-21 des DFB und führte sie zwölf Jahre lang.

Schon als Spieler hatte Löhr schwere gesundheitliche Probleme: Lebererkrankung, Blutvergiftung, Lungenentzündung. Später wurde er wegen Herzproblemen behandelt. 2015 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich gerade erholt zu haben schien.
Köln und seinem FC ist Löhr stets verbunden geblieben. Er war regelmäßiger Besucher der Heimspiele und lebte nach dem aktiven Fußball einen klassischen Unruhestand: Er führte gemeinsam mit seiner 2010 verstorbenen Ehefrau Annemarie in Frechen eine Tennis-Halle, engagierte sich in der St. Pankratius-Gemeinde und war als leidenschaftlicher Golfer Präsident des Klubs „Gut Heckenhof.“

Am Montag nun hat ein Freund Hannes Löhr in seinem Junkers-dorfer Haus tot aufgefunden. Löhr hinterlässt eine Tochter, Katrin. Das FC-Team wird beim Spiel am Dienstag in Ingolstadt mit Trauerflor auflaufen. (co)

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