27.07.2016
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Interview mit Bayer-04-Sportchef Völler: „Ziel bleibt die Champions League“

Bayer-04-Sportdirektor Rudi Völler.

Bayer-04-Sportdirektor Rudi Völler.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Leverkusen -

Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht Sportdirektor Rudi Völler über die Situation bei Bayer 04 Leverkusen.

Herr Völler, nach dem 1:1 gegen Braunschweig herrscht Krisenstimmung in Leverkusen. Platz vier als letzte Möglichkeit, die Champions League zu erreichen, ist akut bedroht. Es wird über Teamchef Sami Hyypiä diskutiert. Wie bewerten Sie die Lage?

Rudi Völler: Wir sind von dem Auftritt gegen Braunschweig alle sehr enttäuscht. Man braucht sich ja nur die Tabelle anzuschauen. Das ist sehr bedenklich. Wir zehren immer noch von der Substanz der Vorrunde. Wir haben ja gewusst, dass es nicht immer so weitergehen kann und mit Rückschlägen gerechnet. Aber dass die Rückschläge so extrem werden, damit haben wir nicht gerechnet. Aber Fakt ist, dass wir noch Vierter sind und alles selbst in der Hand haben. Unser Ziel bleibt die Champions League. Die wollen wir mit aller Macht erreichen.

Wer ist Schuld am sportlichen Einbruch? Die Mannschaft? Das Trainerteam? Die Zusammenarbeit von beiden? Was ergeben Ihre Analysen?

Völler: Das sind Dinge, die intern besprochen werden. Das tun wir auch extrem direkt in allen Bereichen. Aber konkret werde ich hier keine Schuldigen benennen. Sie können jedoch davon ausgehen, dass ich die Dinge immer kritisch hinterfrage, nicht nur im Fall des Misserfolges. Dafür bin ich ja da. Das habe ich auch schon in der Vorrunde getan, als wir über Gebühr Spiele gewonnen haben, und da war auch nicht alles gut.

Der Verein vermittelt den Eindruck, dass er um Sami Hyypiä als international anerkannte Figur kämpft, die er nicht verlieren will.

Völler: Das haben Geschäftsführer Michael Schade und ich beide auch ganz klar zum Ausdruck gebracht. Und da lassen wir uns auch nicht auseinander dividieren. Wir wollen versuchen, mit Sami Hyypiä aus der Krise zu kommen.

Manchmal entstand das Gefühl, dass Sami Hyypiä nicht hart genug zur Mannschaft war, weil er eine professionelle Berufsauffassung, wie er sie einst selbst als Profi hatte, in jedem Spieler vermutet.

Völler: Sami Hyypiä macht da gerade einen Lernprozess durch. Aber man darf sich in ihm nicht täuschen. Er ist nicht so ruhig, wie er nach außen rüberkommt. Er weiß schon, wie er vor der Mannschaft aufzutreten hat. Aber es ist doch klar, dass er als Trainer zuvor nur die Sonnenseite des Jobs kennengelernt hat. Er musste nie mit einer Krise umgehen. Da fehlen ihm in der jetzigen Situation natürlich ein paar Erfahrungswerte. Aber Sami ist ein harter Arbeiter, so wie er es auch als Spieler war. Deshalb halten wir zu ihm.

Ist das ein Bekenntnis, das jetzt immer wiederholt werden muss?

Völler: Das sind doch die Mechanismen, wenn der Erfolg ausbleibt, dass permanent nach dem Trainer gefragt wird. Aber Sie können sicher sein: Wenn wir das Gefühl hätten, dass es nicht mehr geht, würden wir handeln. Aber das Gefühl haben wir nicht, denn Sami ist ein Kämpfer.

Welche Rolle spielt in der internen Kritik eigentlich die Mannschaft, die auch im Spiel gegen Braunschweig das zentrale Ärgernis war?

Völler: Sie steht in der Kritik. Immerhin habe ich öffentlich Gonzalo Castro kritisiert, den ich als Spieler eigentlich sehr mag. Ich hätte aber auch jeden anderen kritisieren können. Gerade, weil wir zuvor in Augsburg gewonnen hatten, hat das Spiel sehr weh getan.

Das Gespräch führte Frank Nägele