30.07.2016
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Leverkusen: So geht Bayer 04 mit dem peinlichen Pokal-Aus gegen Bremen um

Ein nachdenklicher Stefan Kießling

Ein nachdenklicher Stefan Kießling

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Getty Images

Leverkusen -

Stefan Kießling hat schon viele schmerzhafte, ärgerliche, peinliche Niederlagen erlitten mit Bayer 04 Leverkusen. Aber diese eine, die zum Ausscheiden aus dem DFB-Pokal im Viertelfinale gegen Werder Bremen führte, die konnte er nicht verstehen. „Wir haben gespielt, als hätten wir 50-Kilo-Rucksäcke auf dem Rücken“, sagte der Stürmer, „das kann doch nicht sein in so einem Spiel.“

Vieles hat nicht sein können an diesem schaurigen Regenabend in der BayArena. Dass große Teile des Anhangs gar nicht erschienen, zum Beispiel. Mehr als 6000 Plätze blieben unbesetzt in diesem Spiel, das der vorletzte Schritt zum Finale in Berlin hätte sein sollen. Der Gegner war durch das 1:5 in Mönchengladbach schwer angeschlagen gewesen, personell geschwächt und vom Abstiegskampf in der Liga gezeichnet. Er hatte dem Favoriten einen Elfmeter und damit ein Tor geschenkt. Bayer 04 führte durch die Vollstreckung durch Chicharito 1:0. Eine halbe Stunde war gespielt.

Und dann passierte wieder etwas, das nicht sein konnte. „Wir haben die Gefahr nicht erkannt“, sagte Trainer Roger Schmidt, der den Spielverlauf hinterher allen Ernstes als Szenario interpretierte, das nur dazu diente, sein Team in einer falschen Sicherheit zu wiegen. „Auch das 1:0 hat uns nicht so geholfen, in das Spiel reinzufinden“, erklärte der sportlich Verantwortliche. “Und patsch, patsch war das Spiel verloren. Ein Stelllungsfehler bei der Freistoßabwehr vor dem Tor durch Garcia. Ein Ballverlust und eine falsche Entscheidung vor Wendells Foul an Bartels, das einen Elfmeter, eine Rote Karte und das 1:2 zur Folge hatte. Danach geriet der Bremer Sieg nicht mehr in Gefahr.

Rekord-Bereitschaft zur Selbstkritik

Die Bereitschaft zur Selbstkritik erreichte unter den Leverkusener Spielern Rekordwerte. Alle waren bereit, einzugestehen, dass sie großen Mist gebaut hatten. „In der ersten Halbzeit haben wir es vergeigt“, sagte Torhüter Bernd Leno. „Das darf uns nicht passieren“, erklärte Kevin Kampl. Und das waren noch die beiden Spieler, deren Leistung mit dem Ausscheiden am Allerwenigsten zu tun hatte. „Die Mannschaft ist fahrlässig mit diesem Spiel umgegangen“, befand Roger Schmidt, der in der zweiten Halbzeit neue Wege im Bestreben betrat, ein Spiel zu drehen. Er wechselte einfach immer mehr Innenverteidiger ein. Der Gedanke, Andre Ramalho für den Außenverteidiger Robert Hilbert aufs Feld zu schicken, um aus der Vierer- eine Dreierkette zu machen, damit im Mittelfeld keine Unterzahl entsteht, war noch nachvollziehbar.

Ihm dann aber nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Chicharito – Muskelfaserris im Gesäß, fällt mindestens für das Spiel in Darmstadt aus – Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos hinterher zu schicken, hat alle erstaunt. Wäre es alleine darum gegangen, die Kopfballstärke des Griechen ins Spiel zu bringen, hätte das bereits in der 46. Minute geschehen können. Anstelle der Einwechslung des Kollegen Ramalho.

Dennoch fand Schmidt, sein taktischer Plan habe funktioniert. Man muss dem aber entgegenhalten, dass im Kampf um Alles oder Nichts – ein 1:10 wäre auch nicht schlimmer gewesen als das 1:3 – die Stürmer Mehmedi (nicht eingewechselt) und Brandt (14 Minuten vor Schluss eingewechselt) eine geringe bis gar keine Rolle spielten. Und ein Schuss von Kampl (80. Minute) war die einzige herausgespielte Leverkusener Chance der zweiten Halbzeit.

Der Terminplan gibt Roger Schmidt die Chance, nach vorn zu blicken: Auf die Spiele bei Darmstadt (Samstag) und Sporting Lissabon (Europa League, kommender Mittwoch). „Wir können noch Großes gewinnen in dieser Saison“, glaubt Schmidt. Was er meinte, blieb offen. Den DFB-Pokal kann er nicht gemeint haben.