29.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Bayer 04 vs. BVB: Roger Schmidt sorgt für nächsten Skandal des deutschen Fußballs

210216 Roger Schmidt Lev BVB Skandal

Roger Schmidt hat Gesprächsbedarf, der vierte Offizielle nicht.

Foto:

AP

Es sollte das Top-Spiel des 22. Spieltages der Fußball-Bundesliga werden. Bayer 04 Leverkusen gegen Borussia Dortmund. Dritter gegen Zweiter, Aufeinandertreffen unterschiedlicher Fußball-Systeme. Ein Fest für den Liebhaber taktischer Spielereien. Und dann wurde daraus die nächste Skandalgeschichte des deutschen Fußballs. Das Ergebnis vermittelt den Eindruck eines 1:0-Sieges des BVB beim Werksklub. Torschütze war Pierre-Emerich Aubameyang in der 64. Minute. Aber das Ergebnis sagte nichts aus über den Tumult, der entstanden war, nachdem der Leverkusener Trainer Roger Schmidt sich geweigert hatte, auf Anweisung des Schiedsrichters Felix Zwayer den Innenraum zu verlassen, weil er nach dem umstrittenen Tor zu heftig protestiert hatte.

210216 Zwayer Leverkusen Dortmund Spielunterbrechung

Mitte der zweiten Halbzeit hat Schiedsrichter Zwayer das Spiel für einige Minuten unterbrochen.

Foto:

AP

Es sagt auch nichts darüber, dass der Unparteiische beide Mannschaften in die Kabine schickte, weil sowohl die Bayer-Spieler Stefan Kießling und Christoph Kramer es nicht geschafft hatten, Schmidt zum Gang auf die Tribüne zu bewegen. Bayer-Sportchef Rudi Völler spuckte danach im Interview mit Sky-Moderator Sebastian Hellmann Gift und Galle: „Warum hat es der Schiedsrichter dem Trainer nicht einfach gesagt? Warum nicht?“ Auf den Einwand, dass die Regeln diese Form der Nachrichtenübermittlung eindeutig nicht vorsehen, wurde er noch wütender: „Warum müssen Sie die Geschichte so aufpumpen? Was wollen Sie von Roger Schmidt?“ Viel schlimmer sei gewesen, dass seine Mannschaft einen Elfmeter nach einem klaren Handspiel von Sokratis in der 70. Minute nicht bekommen habe. Völler: „Den hat er uns deshalb nicht gegeben.“

Kießling und Hummels im Gespräch mit Felix Zwayer

Felix Zwayer selbst hatte für alles eine Erklärung: „Ich wollte nicht noch mehr Emotionen ins Spiel bringen und habe deshalb bewusst nicht das Gespräch mit dem Trainer gesucht. Und es liegt in meinem Ermessen, von welcher Stelle aus der Freistoß erfolgt.“ Zum Fehler, den Elfmeter nicht zu geben, stand er: „Ich habe im Fernsehen gesehen, dass das falsch war.“ Aber eben eine Tatsachenentscheidung.

Bayer-Idol Stefan Kießling, der als Nachrichtenmann gescheitert war, erklärte: „Das war eine Scheiß-Situation für mich. Ich war ja zweimal beim Trainer.“ Im Innenraum waren er und der BVB-Kapitän Mats Hummels von Felix Zwayer zum Meeting gebeten worden. „Das war ein ruhiges Gespräch, er hat uns die Situation erklärt. Danach sind wir raus und haben weitergespielt.“ Hummels verstand die Uneinsichtigkeit des Trainers Schmidt nicht: „Wir alle wissen doch, dass der Schiedsrichter seine Entscheidung niemals zurücknehmen wird, auch nicht nach zwei Minuten.“

210216 Rudi Völler Leverkuesn Zwayser Skandal

Rudi Völler hat nach dem Spiel wütend auf die Schiedsrichter eingeredet.

Foto:

dpa

Roger Schmidt war für den Rest des Spiels in der Kabine geblieben, danach aber zur Pressekonferenz erschienen. Er versuchte eine Entschuldigung: „Ich war zu stur und habe überreagiert. Ich fordere immer Gerechtigkeit für meine Mannschaft und wollte eine Erklärung. Ich habe meiner Mannschaft geschadet. Es war ein Fehler, aber es war eine emotionale Situation.“ Einen Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und dem nicht gegebenen Elfmeter sprach er nicht so klar aus wie Rudi Völler: „Ich hoffe, dass es nicht so war.“ Immerhin blieb kein Zweifel daran, dass Felix Zwayer in der Causa Schmidt regelkonform gehandelt hatte. Herbert Fandel, Schiedsrichter-Chef des DFB, erklärte: „Felix Zwayer hat alles richtig gemacht.“ Seine Ansprechpartner seien allein die Spielführer. Der DFB wird gegen Roger Schmidt ermitteln. Dem Trainer des Werksklubs droht eine Sperre.

Von den Bayer-Chancen spricht kaum jemand mehr

Vom Spiel sprach kaum einer mehr. Davon, dass BVB-Trainer Thomas Tuchel sein Team gegenüber der Europa-League-Begegnung gegen Porto auf fünf Positionen verändert aufs Feld geschickt hatte. Davon, dass beide Teams in der ersten Halbzeit mit ihrem wütenden Zweikampfspiel allen Fußball aus diesem Match gepresst hatten, bis es leer war wie eine Zitrone am Arbeitsplatz eines Bar-Mixers. Als Bayer 04 nach einer Stunde jedoch Toprak (verletzt), Kampl und Jedvaj (beide nach Verletzungen erschöpft) verloren hatte und für Dortmund Marco Reus ins Spiel kam, wurde klar, dass ein Problem entstehen könnte. Das geschah dann in der 64. Minute, als Kießling den Dortmunder Bender foulte, Zwayer auf Freistoß entschied, Ginter denselben 5,8 Meter entfernt vom Tatort ausführte, Durm den Bewachern enteilte und auf den freien Aubameyang passte, der zum 1:0 einschob.

Daraus erwuchs der Skandal. Aber Bayer 04 hatte noch eine große Chance, die Niederlage aus eigener Kraft zu verhindern. Chicharito vergab sie in der Nachspielzeit aus zehn Metern. Aber auch darüber sprach hinterher kaum jemand mehr.

  1. Roger Schmidt sorgt für nächsten Skandal des deutschen Fußballs
  2. Kießling und Hummels im Gespräch mit Felix Zwayer
nächste Seite Seite 1 von 2