31.07.2016
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Bayer 04 Leverkusen: Beste Wünsche von Podolski

Beim Leistungstest: Arkadiusz Milik neben Sportchef Rudi Völler.

Beim Leistungstest: Arkadiusz Milik neben Sportchef Rudi Völler.

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Rainer Dahmen

Leverkusen -

Den ersten Tag in der schönen neuen Fußballwelt verbrachte Arkadiusz Milik ganz ohne Berührungsängste. „Hier ist alles ganz anders, als ich es kenne“, erklärte der Fußballer, der schon vier Länderspiele für Polen absolviert hat, obwohl er erst 18 Jahre alt ist. Eingeschüchtert von der hochmodernen Umgebung bei Bayer 04 Leverkusen wirkte er jedoch nicht. Vor dem Leistungstest, mit dem bei der Werkself das neue Jahr begann, sprach der Stürmer freimütig über seine Ziele, die er mit dem Standardsatz zusammenfasste: „So viele Spiele machen wie möglich.“

Das ist weniger bescheiden, als es sich anhört. Milik hat auf seiner Position zwar nur einen echten Konkurrenten, dafür aber den größten: Torjäger Stefan Kießling. Die Abhängigkeit, in die der beste Bundesliga-Schütze des Kalenderjahres 2012 seinen Verein gebracht hat, ist erstaunlich, aber auch sehr ungesund für den Verein.

Der Chilene Junior Fernandes, im Sommer für rund drei Millionen Euro gekommen, hat bisher noch keine Minute nachgewiesen, dass er ein Ersatz für den Unverzichtbaren sein kann. Deshalb haben die Leute von Bayer 04 das hochgelobte Talent von Gornik Zabrze schon im Winter geholt, Ablöse: etwa drei Millionen Euro. „Ein Aspekt war, dass er sich in den letzten Monaten noch einmal unglaublich entwickelt hat“, sagt Sportchef Rudi Völler, „Arkadi soll sich hier in der Rückrunde einleben und dann in der nächsten Saison richtig angreifen.“

Der Name Kießling ist Milik natürlich ein Begriff. Im letzten Heimspiel des Jahres, beim 3:0-Sieg über Hamburg, hat er ihn mit eigenen Augen gesehen. „Kießling ist ein hervorragender Spieler“, urteilt der 18-Jährige, „ich will viel von ihm lernen und dann als Spieler meinen Weg gehen.“

Die Bundesliga scheint ihm dazu bestens geeignet. Seit den Erfolgen des polnischen Trios Lewandowski-Blaszykowski-Piszczek bei Borussia Dortmund ist Deutschland neben England das gelobte Land für junge polnische Fußballer: „Wir haben eine sehr hohe Meinung von der Bundesliga. Hier spielen sehr viele gute Fußballer, ich bin sehr froh, dass ich hier gelandet bin.“

Trainingslager mit dem Nachwuchs

Die zweite Amtshandlung nach dem Leistungstest ist allerdings schon wieder ein Abflug. Am Donnerstag startet der Bayer-Tross von Düsseldorf aus in sein zehntägiges Trainingslager nach Lagos in Portugal. Inklusive der Nachwuchsspieler Kohr, Aydin, Lomb, Dürholtz und Meffert werden 28 Bayer-Spieler die Reise antreten. Auch Rekonvaleszenten wie Sidney Sam, Daniel Schwaab und Michal Kadlec, die nach ihren Verletzungen wieder an den Kader herangeführt werden. Zu Hause bleibt nur Karim Bellarabi, den eine hartnäckige Schambeinentzündung plagt.

Wie sich Leverkusen für einen 18-jährigen Polen im Alltag anfühlt, wird Arkadiusz Milik erst nach der Rückkehr aus Portugal wissen. Offenbar verfügt er schon über einen großen Drang zur Selbstständigkeit. „Meine Freundin Jessica wird kommen, dann werden wir gemeinsam eine Wohnung suchen, und ich werde Deutsch lernen. Meine Familie wird mich dann besuchen.“

In seinen eigenen Träumen sieht Arkadiusz Milik den neuen Verein als Beginn einer internationalen Karriere. Er hat kein Problem damit zuzugeben, dass sein Traumverein Manchester United ist („das war schon immer so“) und er schon mit Lukas Podolski telefoniert hat, der beim FC Arsenal spielt. „Er hat mir für die Bundesliga viel Glück gewünscht, also wünsche ich ihm auch viel Glück“, sagt Milik über den deutschen Nationalspieler, der wie er in Schlesien geboren wurde.

Bayer 04 muss das allerdings nicht beunruhigen, denn Milik hat einen Vertrag bis 2018 unterschrieben. Da bleibt noch viel Zeit für Träume.