28.09.2016
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Emir Spahic bei Bayer 04: Weltenbummler bietet seine Hilfe an

Emir Spahic

Emir Spahic.

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ksta

Leverkusen -

Die meisten Menschen, die noch nie in Leverkusen waren, wissen wenig über Leverkusen. Bei Emir Spahic (32) ist das anders. Der Fußball-Profi sagt am Tag seiner Ankunft: „Ich weiß fast alles über Leverkusen.“ Er lacht dabei verschmitzt, damit die Botschaft besser verstanden wird. Emir Spahic hat eben ziemlich viele Informationen über seinen neuen Arbeitgeber und dessen jüngerer Geschichte im deutschen und europäischen Fußball. Und er hat sie aus erster Hand.

Vor sieben Jahren übernahm der Abwehrspieler das Kapitänsamt der bosnischen Nationalmannschaft von Sergej Barbarez. „Als er ging, war das ein trauriger Tag, Sergej ist wie mein Bruder“, erklärt er. Barbarez hat zwischen 2006 und 2008 beim Werksklub gespielt. Was er nicht mehr erzählen kann, wissen der ehemalige Box-Weltmeister Felix Sturm, der in Leverkusen aufwuchs, und Torjäger Edin Dzeko (früher Wolfsburg, jetzt Manchester City), beide gute Kumpels des Neuen. Außerdem gibt es Fernsehen. „In meiner Heimat ist deutscher Fußball schon sehr lange populär“, sagt Spahic, „ich habe mir immer alles angeschaut. Es ist klar, warum ich komme: Wegen Champions League und weil die Bundesliga eine der besten Ligen der Welt ist.“

Bayer 04 Leverkusen hat den für seine Kompromisslosigkeit bekannten Abwehrspieler bis 2015 verpflichtet, weil man mit zwei jungen Innenverteidigern allein nicht in die Saison gehen kann. Emir Spahic kennt natürlich auch die Kollegen Philipp Wollscheid und Ömer Toprak. „Es sind beides sehr gute, talentierte Spieler. Ich bin gekommen, um ihnen zu helfen, um der Mannschaft zu helfen“, sagt er und denkt dabei nicht an eine Beraterrolle von der Bank aus. „Nein, nein, ich will schon spielen. Das ist doch klar.“

Emir Spahic ist ein Fußball-Profi, der fast so viele Sprachen gesammelt hat wie Vereine. Er beherrscht fließend Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch und seine Heimatsprache. Bald wird Deutsch, dessen Grundlagen er in der Schule gelernt hat, dazukommen. Ein bisschen babylonisch ist das schon. „Es ist eine schöne Sache, wenn man im Ausland mit allen reden kann, aber manchmal bin ich so blockiert, dass ich ein einfaches Wort in meiner eigenen Sprache nicht mehr finde.“

Sechs Jahre lang hat Spahic in Russland gespielt (Jaroslavl/ Moskau) und zuletzt vier Monate beim geheimnisumwitterten Milliardärs-Klub Anschi Machatschkala, dessen Profis in Moskau leben und zu jedem Heimspiel eine vierstündige Flugreise in die vom Terror bedrohte Republik Dagestan absolvieren. „Das war schon ein wenig verrückt und auch anstrengend“, erklärt er, „aber ich habe viele Freunde da gefunden.“ Dazwischen hat Spahic vier Jahre in Frankreich (HC Montpellier) und Spanien (FC Sevilla) verbracht.

An den Qualitäten des Manndeckers, der Marko Marin 2010 in einem Länderspiel im Strafraum übel umgrätschte und dann ein wenig ohrfeigte, herrscht in der Scouting-Abteilung des Werksklubs kein Zweifel. Bayer-Teamchef Sami Hyypiä vertraut dem Urteil. „Ich habe ihn persönlich noch nicht spielen sehen, aber das ist kein Problem. Jetzt haben wir Konkurrenz in der Innenverteidigung, das ist eine Situation, die ich mag“, sagt der Finne und erklärt unverblümt: „Ich wünsche mir natürlich noch mehr neue Spieler“, in der Abwehr sind wir immer noch ein bisschen dünn. Und dann wäre Verstärkung im Mittelfeld gut, am besten ein Spieler, der mehrere Positionen besetzen kann.“

Emir Spahic hat seinem neuen Teamchef allerdings etwas voraus: Er hat ihn persönlich spielen sehen. „Der FC Liverpool war eine große Sache, und Sami Hyypiä war ein großer Spieler“, sagt der 32-Jährige, „dass ich jetzt unter ihm spielen darf, ist schon ein Traum, der wahr wird.“