25.07.2016
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Krawalle in Leverkusen: Holzhäuser droht mit Konsequenzen

Frankfurter Krawallmacher in Leverkusen.

Frankfurter Krawallmacher in Leverkusen.

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REUTERS

Leverkusen -

Wolfgang Holzhäuser legte Heribert Bruchhagen freundschaftlich den Arm auf die Schulter, als die Klubchefs nach dem Spiel nacheinander ihre Stellungnahmen abgaben. Jeder sollte sehen: Hier stehen sportliche Gegner, vereint in Ratlosigkeit, Zorn und Enttäuschung über das Feuerwerk, das einige Fans von Eintracht Frankfurt in der BayArena veranstaltet hatten. Nach 16 Minuten waren wie auf Kommando Silvesterrakete, Böller und Bengalos gezündet worden. Einiges flog bis auf das Spielfeld, die Arena füllte sich mit Rauch. Schiedsrichter Wolfgang Stark, der seine Erfahrung mit solchen Vorfällen 2012 beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC vertiefen musste, unterbrach für sieben Minuten. Bis auf einen Böller nach dem 3:0 für Bayer 04 war dann Ruhe. „Es ist extrem deprimierend“, sagte Frankfurts Klubchef Bruchhagen, „gerade war Ruhe eingekehrt, und jetzt wird diese Diskussion, durch diese Gruppe, die nichts mit dem Fußball zu tun haben will, wieder belebt“. Bayer-Geschäftsführer Holzhäuser sagte: „Mit den Leuten, die sowas machen, gibt es keinen Dialog.“

Über die Videoanlage wurden nach Holzhäusers Angaben zunächst vier Verdächtige festgestellt. Die Bilder wurden an die Frankfurter Polizei und die Eintracht weiter gereicht. Ob die Zündler identifiziert und damit zur Verantwortung gezogen werden können, ist unklar. Auch der DFB-Kontrollausschuss ermittelt bereits. Beide Klubs erwarten Geldstrafen, Holzhäuser rechnet mit einer fünfstelligen Summe.

„Wichtig ist, das wir die Verursacher erwischen“, sagte Holzhäuser. Falls dies nicht gelingt, erwägt der Klub, das Geld bei den Frankfurter Fans wieder einzutreiben, in dem die Strafe auf die Eintrittspreise beim nächsten Spiel umgelegt wird. Dies wären zwischen drei und fünf Euro pro Ticket. Ob die DFL das gutheißt, steht noch nicht fest. „Ich kann doch nicht immer nur zusehen“, sagt Holzhäuser. Er plant, zukünftig das Mitbringen großer Fahnen zu verbieten, da sie von den Störern als Sichtschutz missbraucht würden.

Im September 2010 hatte Bayer 04 vor der Partie gegen Frankfurt erstmals Ganzkörperkontrollen bei Gäste-Fans durchgeführt. Damals hätten Hinweise vorgelegen, dass, so Holzhäuser, „Frauen und Kinder“ zum Einschmuggeln von verbotenem Material eingesetzt würden. Die Empörung über das Vorgehen schlug damals hohe Wellen. War es eine Racheaktion? „Ich kann nicht in die Köpfe der Leute schauen, die so etwas machen“, sagte Bruchhagen.

Verzicht auf Vollkontrollen

Leverkusen hatte diesmal auf die umstrittenen Vollkontrollen verzichtet und die Fans nur abgetastet. Im Vorfeld hatte der Klub den Gäste-Fans relativ großzügig Fan-Utensilien genehmigt, unter anderem zehn große Schwenkfahnen und bis zu 40 Doppelhalter. Es hatte nach Klubangaben keine Verdachtsmomente gegeben. „Die Uhren standen auf Null. Wir hatten uns auf ein ganz normales Spiel vorbereitet“, sagte Bayer-04-Kommunikationschef Meinolf Sprink. „Du kannst es nicht verhindern. Der Sicherheitsdienst hat gut gearbeitet.

Wenn die zu fest die Hand an den Körper legen, sprechen die Leute gleich von irgendwelchen Grundgesetzbestimmungen“. sagte Holzhäuser. Das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“, das am 12. Dezember von der DFL verabschiedet wurde und ab der nächsten Saison greift, würde die Reduzierung des Kartenkontingents für Gästefans bis hin zum kompletten Ausschluss zulassen. So weit will Holzhäuser nicht gehen: „Wenn man die Zuschauer aussperrt, wird man das Ziel nicht erreichen.“

Bruchhagen denkt ähnlich: „Wir müssen die Jungs isolieren und diese Probleme aus den Stadien entfernen“. Dies sei durch Kollektiv-Strafen nicht zu erreichen. DFL-Chef Andreas Rettig sagte: „Vereine und Verbände sind sich einig darüber, dass die täterorientierte Bestrafung im Vordergrund stehen muss.“