24.08.2016
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Son-Transfer: Südkoreanisches Paket für Bayer

Südkoreanischer Nationalspieler: Heung-Min Son.

Südkoreanischer Nationalspieler: Heung-Min Son.

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dpa

Leverkusen -

Manchmal ist es schlau, einfach nichts zu sagen und die anderen machen zu lassen, so wie es Bayer 04 Leverkusen am Montag getan hat. Und Oliver Kreuzer sagte einem TV-Sender an seinem ersten offiziellen Tag als Sportdirektor des Hamburger SV: "Wir denken, dass der Transfer in den nächsten Tagen zustande kommt. Ich gehe davon aus, dass es für Heung-Min Son nach Leverkusen geht." Dabei handelt es sich um die Wahrheit. Bayer 04 wird den Südkoreaner verpflichten.

Der Vollzug gilt als Formalie. Man will da jetzt keinen Fehler mehr machen, denn der Transfer ist eine große Sache für den Werksklub, der zuletzt eher dadurch aufgefallen war, dass er gute Spieler verloren hat. Über die Eckdaten des Wechsels wurde schon in den Tagen zuvor spekuliert. Son (20), dessen Vertrag in Hamburg 2014 ausgelaufen wäre, soll zehn Millionen Euro Ablöse kosten, einen Vierjahresvertrag erhalten und rund drei Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Finanziert wird der teuerste Einkauf in der Geschichte von Bayer 04 durch den teuersten Verkauf. Denn jetzt darf André Schürrle für mehr als 20 Millionen Euro zum FC Chelsea wechseln.

Dass Meldungen des englischen Boulevardmagazins "Sun" am Dienstag davon kündeten, Chelsea-Trainer Mourinho habe das Interesse am seit einem Jahr umworbenen Deutschen verloren, schreckte in Leverkusen niemand. Man besitzt aus allererster Hand andere Informationen. Immerhin hat Rudi Völler letzte Woche am Rande des Ballack-Abschiedsspiels persönlich mit Mourinho gesprochen.

Son als Projekt nach Deutschland

Die Geschichte von Heung-Min Son ist ein geglückter Fall von gelungener deutsch-asiatischer Fußball-Integration. Der junge Stürmer kam 2008 im Alter von 16 Jahren im Rahmen eines Projekts zwischen dem südkoreanischen Verband und dem HSV nach Hamburg, ohne ein Wort Deutsch sprechen, lesen oder schreiben zu können. Er war Teil eines Trios. Die anderen beiden hießen Kim Min Hyeok und Kim Jong Pil und sind vergessen. Sie wurden nach ein paar Monaten von den Trainern des HSV für zu schlecht befunden und nach Hause geschickt.

Dasselbe Urteil traf auch Son, der sich einfach weigerte, zu gehen. Wahrscheinlich war es jedoch mehr sein Vater Woong Jun Song, der sich weigerte. Der ehemalige Profi und Nationalspieler Südkoreas ist Begleiter, Beschützer und Bezugsperson des jungen Stürmers, der vergangene Saison zwölf Tore für den HSV in der Bundesliga erzielte. Die mittlerweile perfekte Schusstechnik mit beiden Füßen hat er dem Filius in Sonderschichten vor und nach dem offiziellen Training selbst beigebracht.

Als Son mit 18 seinen ersten richtigen Vertrag beim HSV unterschrieb, kaufte er sich ein Luxusauto, das daraufhin selbstverständlich der Vater fuhr, während der Sohn mit einem Kleinwagen vorliebnahm. Sons älterer Bruder Hyeung-yun Son (24) macht die südkoreanische Kleinfamilie an der Elbe perfekt, auch wenn sein Balltalent nur für den Fünftligisten Halstenbeck-Rellingen reicht.

Beachtung in Südkorea

Bei Bayer 04 Leverkusen wird man sich also auf mehrere Sons einstellen müssen. Allerdings bescheren die Neuen dem Klub und dem hinter ihm stehenden Werk massive Beachtung in Südkorea, wo jedes Spiel des mittlerweile fließend Deutsch sprechenden Jung-Stars im HSV-Trikot live übertragen wurde. Außerdem hat Son dafür gesorgt, dass zwei Sponsoren aus seiner Heimat (Kumho-Reifen, Hanwha-Solar) dem HSV als Werbepartner 1,5 Millionen Euro im Jahr an Zusatzeinnahmen bescherten.

Ihre Verträge laufen aus, und man kann sich vorstellen, wo sie kommende Saison sichtbar sein wollen. Dass Bayer 04 jetzt das ganze südkoreanische Paket aus Stürmerklasse, PR-Wirkung und womöglich Sponsoreninteresse bekommt, ist ein ziemlicher Erfolg, denn prominente Mitbieter wollten es auch haben: Tottenham Hotspur, der FC Liverpool und vor allem Borussia Dortmund.

Am Dienstag hat Heung-Min Son einen weiteren vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Beim 1:0-Sieg über Usbekistan, der Südkorea der WM-Qualifikation für 2014 ganz nah gebracht hat, spielte er 90 Minuten lang durch.