27.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Spielanalyse: Bayer siegt verdient, aber zu deutlich

Leverkusens Gonzalo Castro (v.l.), Torschütze Stefan Kießling und Andre Schürrle jubeln nach dem Treffer zum 1:0.

Leverkusens Gonzalo Castro (v.l.), Torschütze Stefan Kießling und Andre Schürrle jubeln nach dem Treffer zum 1:0.

Foto:

dpa

Leverkusen -

Das Wichtigste zuerst: Bayer 04 hat mit dem 4:1 (1:1)-Erfolg bei Fortuna Düsseldorf nach zwei schmerzhaften Niederlagen seine Mini-Ergebnis-Krise beendet und auf diese Weise auch dem ganzen Gerede der vergangenen Wochen über die Haltbarkeit des Wer-weiß-wie-lange-noch-Trainer/Teamchef-Gespanns aus Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä einstweilen etwas die Brisanz genommen.

Es war dies der vierte Rückrundensieg der Werkself, die mit dem dreifachen Punktgewinn bei einem Aufsteiger ein Resultat ablieferte, das man von einem Anwärter auf ein Champions-League-Dasein auch erwarten darf. Die Leverkusener wahrten damit ihren Sechs-Punkte-Vorsprung auf den ebenfalls am Samstag siegreichen Verfolger Schalke.

Die Tore:

0:1 (22. Minute): Stefan Kießling verwandelt eiskalt und humorlos einen Foulelfmeter, den Balogun mit einer Attacke auf den davon stürmenden Sidney Sam verursacht hat.

1:1 (41.): Daniel Carvajal vertändelt auf der rechten  Abwehrseite leichtfertig den Ball, dessen sich Robbie Kruse bemächtigt; der Düsseldorfer Angreifer passt scharf nach innen, wo Bayers Innenverteidiger Daniel Schwaab die Kugel unglücklich ins eigene Tor bugsiert.

1:2 (62.): Sebsatian Boenisch flankt von links in den Strafraum, Stefan Kießling legt per Kopf auf den Kollegen Sam ab; dessen Schuss wird zunächst abgeblockt, ehe André Schürrle den Ball entschlossen in den rechten oberen Winkel des Fortuna-Tores drischt.

1:3 (84.): Der eingewechselte Hegeler schickt Kießling steil, der präzise nach innen passt und den mitgelaufenen Schürrle bedient, der eigentlich nur noch einzuschieben braucht.  

1:4 (88.): Kießling schließt eine hübsch anzusehende Kombination mit einem Schuss in den Winkel ab.

Mann des Spiels:

Ganz ohne Zweifel und wieder einmal Stefan Kießling. Der Bayer-Publikumsliebling steht nunmehr mit 18 Saisontreffern zu Buche; er  verwandelte den Elfmeter sicher,  erzielte das  ansehnliche 4:1, glänzte als Vorbereiter des 2:1 und des 3:1, bestach als unermüdlich rackernder Balleroberer, und, und, und…

Moment des Spiels:

André Schürrles Treffer zum Leverkusener 2:1, der einer bis dahin ausgeglichenen Partie eine Vorentscheidung verlieh. Bis dahin war Schürrle kaum positiv in Erscheinung getreten, im Gegenteil, er nervte eine Stunde lang sogar den Bayer-Anhang mit  sinnlosen Aktionen. Wie Schürrle selbst zeigte danach die ganze Leverkusener Mannschaft ein anderes Gesicht, wirkte auf eigentümliche Weise befreit und erlangte endlich jene Souveränität, die man von einem Tabellendritten bei einem 15. auch erwartet.

Moment zum Vergessen:

Die dämliche Hallo-da-sind-wir-Aktion einiger (weniger) Gäste-„Fans“, die zwei Minuten nach Spielbeginn Bengalos zündeten; dabei hätte es diesmal eigentlich gar keiner wie immer gearteten Unternehmung bedurft, um auf die Anwesenheit von Bayer-Sympathisanten aufmerksam zu machen. Immerhin waren mehr als 5.000 Anhänger aus Leverkusen an die einstige Kurzzeit-Heimspielstätte (in der Rückrunde der Saison 2008/2009 bestritt die Werkself ihre Heimspiele wegen des damaligen Ausbaus der BayArena in der Düsseldorfer Esprit-Arena) mitgereist; etwa 600 von ihnen taten das übrigens per Schiff.

Das war gut:

Die Effektivität, mit der Bayer seine leichte Überlegenheit in einen am Ende deutlichen Erfolg ummünzte.

Das war schlecht:

Der Leichtsinn, die Sorglosigkeit und  die zeitweilige taktische Disziplinlosigkeit, mit der Bayer einen im Grunde limitierten und überforderten Gegner phasenweise wieder ins Spiel kommen ließ.

Das sagen die Trainer:

Sascha Lewandowski (Bayer): „Anfangs der zweiten Halbzeit stand das Spiel auf der Kippe, aber nach dem 2:1 ist uns einiges von der Seele gefallen; davor sind wir zeitweilig nicht energisch und kompakt genug aufgetreten. Wir müssen das Positive aus diesem Spiel mitnehmen und unseren Weg in den letzten sieben Spielen konsequent weitergehen.“

Norbert Meier (Düsseldorf):  „Wir fühlen uns etwas unter Wert geschlagen, weil wir über weite Strecken gut Paroli geboten haben. In den entscheidenden Momenten zeigte sich dann aber die Qualität von Bayer Leverkusen oder eines deutschen Nationalspielers wie André Schürrle, der bis dahin gar nicht so auffällig war. Wir haben uns selbst mit unseren eigenen und leichten Fehlern bestraft. Aber diese Niederlage wirft uns nicht um.“

Das sagen wir:

Ein zweifellos verdienter Leverkusener Sieg, der aber – da hat Norbert Meier sicher recht – am Ende  zu deutlich ausgefallen ist.