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Biathlon: Michael Greis hört auf

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Michael Greis beendet seine Karriere. Foto: dpa
Der dreimalige Biathlon-Olympiasieger Michael Greis hat am Mittwoch seine Sportkarriere beendet. „Ich habe eine gewisse Leere gespürt. Dann war es die logische Konsequenz“, sagte der 36-Jährige aus dem Allgäu.
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Nesselwang

In der rechten Hand hält Michael Greis eine Goldmedaille, dazu reckt er drei ausgestreckte Finger der linken Hand in die Kamera und strahlt übers ganze Gesicht. Noch immer ist das Foto vom größten Tag seiner Karriere ganz oben auf der Homepage des Nesselwangers zu sehen. Mit seinen drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin schrieb der Biathlet Geschichte und krönte sich zu Deutschlands erfolgreichstem männlichen Athleten bei Winter-Olympia. Drei Triumphe bei ein- und denselben Winterspielen hatte zuvor noch kein Landsmann geschafft.

Doch die Erinnerungen verblassen immer mehr. Der Körper spielte zuletzt nicht mehr mit, Greis musste seine Karriere früher als geplant beenden. „Ich kann es kaum glauben. Das ist der schönste Tag meines sportlichen Lebens. Eigentlich unfassbar, aber ich weiß schon, was ich hier geleistet habe. Ich bin in der Realität angekommen“, hatte Greis in Turin nach seinem Sieg im Massenstart gesagt. Der damals 29-Jährige hatte zuvor bereits über 20 km und mit der DSV-Staffel gewonnen. Sein goldenes Jahr 2006, in dem er unter anderen Deutschlands Sportler des Jahres wurde, blieb bis heute unerreicht.

Zwar holte sich der Sportsoldat im Jahr darauf zum einzigen Mal die große Kugel für den Gewinn des Gesamtweltcups und zusätzlich den WM-Titel im Massenstart, doch anschließend blieben die ganz großen Erfolge aus. „Ich habe noch Potenzial und werde es nochmal angehen“, hatte Greis noch im März dieses Jahres nach dem Weltcup-Finale in Russland gesagt: „Diese Saison war sehr hart. Ich habe zwischenzeitlich ans Anhören gedacht. Aber die WM war sehr gut, mit einem Treffer mehr hätte ich auch Weltmeister werden können.“ Nach einer völlig verkorksten Saison mit Verletzungen und Krankheiten war der 36-Jährige im März bei den Weltmeisterschaften in Ruhpolding überraschend stark auf die Biathlon-Bühne zurückgekehrt und hatte bis zum letzten Schießen alle Chancen auf Gold im Einzel über 20 km gehabt. Mit der Staffel gab es zudem Bronze.

Dieser unerwartete Erfolg trieb ihn an, gab ihm Kraft, im Sommer noch einmal neu anzugreifen. Doch der Plan ging nicht auf, der Rücktritt wurde zur Realität. „Der Michi war schon immer ein Sportler durch und durch“, erzählte Mutter Annemarie damals nach den goldenen Tagen von Turin. Er habe erst Fußball gespielt, dann war er Leichtathlet und dann Alpiner. Als Elfjähriger wechselte der kleine Michi zum Langlauf. „Und dann hat er sich beim Biathlon festgebissen“, erzählte Vater Josef: „Das Durchsetzungsvermögen hat er von der Mutter geerbt. Unser Michi.“ Und durchsetzen musste sich Greis immer. Einst, als er in einer Kiesgrube in Nesselwang unter „grässlichen Bedingungen“, wie es DSV-Chef Alfons Hörmann schildert, seine Biathlon-Fähigkeiten schulte. Und vor allem später, als er an der Klasse der deutschen Elite-Skijäger schier verzweifelte und 1996 überlegte, Biathlon aufzugeben. Die Qualifikation für das zweitklassige Europacup-Team war kaum zu schaffen, die Förderstelle bei der Bundeswehr in größter Gefahr.

Aber Greis biss sich fest. Und letztlich eben auch durch. „Bei mir ging es nie steil nach oben. Immer nur bescheiden, aber stetig. Einen kleinen Schritt nach dem anderen“, hat Greis einmal gesagt. Erst 2000 konnte er sich in die Weltcup-Mannschaft kämpfen. Da war er schon 24 und ein krasser Außenseiter. Aber bis zur WM 2004 hatte er es in die deutsche Gold-Staffel geschafft. 2005 gelang in San Sicario der erste Weltcupsieg. Und im Jahr darauf schrieb er dann endlich seine goldene Geschichte. (sid)

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