Frankfurt - Vorne auf der Bühne verkündet Kai Rapp viele Städtenamen, Höhen von Bergen und eine Neuigkeit, das Mannschaftszeitfahren. Der Direktor der Deutschland-Tour erzählt vom Startort Saarbrücken, wo das Radrennen am 10. August beginnen soll, von schweren Passagen in den Tiroler Alpen, vom Einzelzeitfahren in Fürth und der letzten Etappe, die am 18. August in Hannover enden wird; er spricht über eine insgesamt 1318 Kilometer lange Strecke, die sich auf neun Etappen verteilt. Das alles präsentiert Rapp souverän. Doch dann kippt die Veranstaltung. Weil Rapp den Faden verliert.
Es ist ja auch kein guter Stil, wenn eine so lukrative und durchaus sehr erfolgreiche Veranstaltung wie die Deutschland-Tour zum Thema Doping plötzlich eine eher ignorante Einstellung hat. Nachdem der Funktionär es noch Ende November im „Kölner Stadt-Anzeiger“ als seine Aufgabe erklärt hatte, alle mutmaßlich in den spanischen Doping-Skandal um Eufemiano Fuentes verwickelten Fahrer, wie etwa den Italiener Ivan Basso, vom Start der Deutschland-Tour auszuschließen, klang das gestern enttäuschend anders. Nämlich wie eine Kehrtwende. Rapp sagte: „Basso vom Start abzuhalten, wäre eine Verbandsaufgabe. Uns ist wichtig, dass er, wenn er irgendwann mal am Start stehen würde, nicht gedopt wäre.“ Außerdem müsse man aufpassen, dass man „keine Hexenjagd“ veranstalte. Insgesamt gilt: „Kein Veranstalter der Welt hat das Recht und die Pflicht, den Fuentes-Skandal für sich aufzuarbeiten.“
Ende November hat sich Rapp offenbar noch auf Druck der übertragenden TV-Anstalt ARD geäußert, die mit Ausstieg für den Fall drohte, dass potenzielle Fuentes-Kunden am Start stehen würden. Das Thema Einstellung der Berichterstattung ist inzwischen allerdings vom Tisch, die ARD überträgt alle Etappen live - und sie wird in den Vertrag mit der Deutschland-Tour auch noch einen Passus bezüglich des Umgangs mit Doping einarbeiten. Damit will sich die Sendeanstalt offenbar die Möglichkeit erhalten, kurzfristig doch noch aus den Übertragungen aussteigen zu können. Ärger droht auch von anderer Seite. Christian Frommert, der Leiter der Abteilung Sportkommunikation des Deutschland-Tour-Hauptsponsors T-Mobile, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Sollte es wirklich so sein, dass Fahrer an der Deutschland-Tour teilnehmen, die auf der Fuentes-Liste stehen, werden wir reagieren.“
Wie eine solche Reaktion aussehen könnte, „werden wir intern besprechen. Aber sie würde deutlich ausfallen“, sagte Frommert. Ein denkbares Handlungsmuster, das Frommert nicht bestätigen wollte, wäre neben einem Rundfahrt-Boykott des T-Mobile Teams ein Ausstieg des Konzerns als einer der vier Hauptgeldgeber der Rundfahrt. Die Folge davon wäre: Das Rennen müsste dann wohl ausfallen.



