27.09.2016
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Formel 1: Vettel gewinnt am Nürburgring

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Getty Images

Nürburg -

Das Lächeln durfte man durchaus verschwörerisch nennen. Kimi Räikkönen hat zwar gerade den Sieg im Großen Preis von Deutschland um eine Sekunde verpasst, sich aber offenbar auf diesen Moment gefreut. Der Finne, der sonst mit einem Gesichtsausdruck, Froststufe fünf, durch ein ganzes Formel-1-Wochenende kommt, grinst breit, als Sebastian Vettel den Vorraum des Siegerpodiums auf dem Nürburg betritt und ihm in die Arme fällt wie ein alter Kumpel. Dass die beiden sich mögen, ist allgemein bekannt, aber in diesem seltenen Voyeur-Augenblick ist der gegenseitige Respekt schier greifbar. Die beiden wissen, dass ihnen an diesem Sonntag bei Kaiserwetter in der Eifel ein denkwürdiger WM-Lauf gelungen ist: Spannend bis zur letzten Kurve, erst da konnte Vettel sich wirklich sicher sein, den auf frischeren Reifen heranstürmenden Lotus-Piloten bezwungen zu haben.

Für die Statistik bedeutete Vettels vierter Saisonsieg mehr als nur die Verbesserung seiner WM-Titelchancen, die eine Woche nach seinem Ausfall in Silverstone wieder wie gemalt wirken: Vettel 157 Punkte, Fernando Alonso (nach Rang vier) 123, Räikkönen 116. Obendrein ist der Heppenheimer zwei weiße Flecken in seinen Palmares los. Bis zu diesem 7. Juli 2013 hatte er in seiner Formel-1-Karriere weder einen Heimat-Grand-Prix noch einen WM-Lauf in diesem Sommermonat gewonnen – weshalb ihm flugs ein unheimlicher Fluch angedichtet worden ist. Und tatsächlich wäre der dreifache Champion ja um ein Haar wieder ohne eigenes Zutun ein Opfer unwägbarer Umstände geworden.

Kaum zu glauben, aber wahr: ein rückwärts auf die Piste rollender Marussia-Cosworth hatte in der 23. Runde eine Safetycar-Phase ausgelöst, und Schnellstarter Vettel war seinen knappen Vorsprung auf Räikkönens Teamkollegen Romain Grosjean, aber vor allem auf Räikkönen und Alonso los. Offensichtlich hatte Jules Bianchi es unterlassen, an seinem wegen eines Motorschadens geparkten Dienstwagen die Handbremse zu bedienen. Nicht nur zum Entsetzen des jungen Franzosen setzte sich das Auto auf dem abschüssigen Streckenabschnitt wie ein ferngelenkter Rasenmäher in Bewegung und walzte auf der grünen Wiese eine Reklamewand um, ehe Streckenposten eingreifen konnten. Lustig sah das aus, ganz im Gegensatz zu dem Unfall in der achten Runde, als nach einem verunglückten Reifenwechsel das lose rechte Hinterrad von Mark Webbers Red Bull einen britischen Kameramann verletzt hatte.

Abgesehen von dem schlampig ausgeführten, mit 30000 Euro Strafe belegten Radwechsel blieb die Formel 1 eine Woche nach dem britischen Desaster von weiterem Reifenmalheur verschont. Dennoch spielten die Pirelli-Gummis eine vorentscheidende Rolle. Bei Asphalttemperaturen von bis zu 44 Grad brillierten Lotus und Red-Bull, schwächelten aber Ferrari und Mercedes. Lewis Hamilton fiel von Startplatz eins nach wenigen hundert Metern auf Platz drei hinter Vettel und Webber zurück und wurde Fünfter. Teamkollege Nico Rosberg, der wegen eines Strategiefehlers das Top-Ten-Qualifying verpasst hatte, rettete als Neunter noch zwei WM-Punkte.

Für die Show sorgten derweil Vettel und das Lotus-Duo, das dem Titelverteidiger nach dem Restart des Rennens von Runde 30 an nahezu ständig im Nacken saß. Zwischenzeitlich, nach Vettels drittem Boxenstopp, hatte Räikkönen zwar die Führung übernommen, und zumindest die Vettel-Fans durften sich die bange Frage stellen, ob der Finne ohne weiteren Service ins Ziel rauschen könnte, als Sieger. Elf Runden vor Schluss wechselte Räikkönen auf die weicheren Reifen, machte seinen Rückstand aber schnell wett. Sein vor ihm auf Rang zwei fahrender Teamkollege Grosjean wurde von der Box aufgefordert, „Kimi nicht aufzuhalten“. Der Franzose funkte zurück, der Empfang sei „gerade ganz schlecht“, hatte dann aber verstanden. Meter um Meter rückte Räikkönen näher, durfte sogar den Heckflügel öffnen, doch das Jubelgeschrei am Ende war eine Mischung aus Deutsch und Englisch – made by Vettel. Den Rennverlauf können Sie hier im ksta.de-Liveticker nachlesen


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