27.09.2016
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Bundesliga-Report: DFL präsentiert gute Zahlen und viel Potenzial

„Die Bundesliga muss weiter stark wachsen“ – DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

„Die Bundesliga muss weiter stark wachsen“ – DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

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Zu Beginn gibt es ein paar warme Worte für das liebste Kind des deutschen Fußballs, wie es die strategische Finesse eben verlangt. Verglichen mit der Konkurrenz aus England, Spanien und Italien würden in der Bundesliga seit 25 Jahren die meisten Tore pro Spiel fallen, berichtet Christian Seifert, Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL), die am Montag in Köln zur Präsentation der Zahlen für die Saison 2014/15 geladen hat. Nirgends sonst, sagt Seifert, gebe es darüber hinaus höhere Zuschauerzahlen im Fußball.

„Die Bundesliga ist eine der interessantesten und sportlich attraktivsten Ligen der Welt“, erklärt Seifert, ehe er ansehnliche Ergebnisse präsentiert, die diese These stützen (siehe „Die wichtigsten Zahlen“). So weit, so erwartungsgemäß.

Ein Geheimnis ist es allerdings nicht, dass die Bundesliga vor entscheidenden Jahren steht. Es gilt, den Anschluss zu halten auf jenem globalen Wachstumsmarkt, als der sich der Fußball erwiesen hat. Ein Blick auf ökonomisch und sportlich wichtige Aspekte der Zukunft.

Die Umsatzperspektive

Die Sorge um die internationale Konkurrenzfähigkeit treibt vor allem, aber nicht nur die Spitzenvereine um. Seifert rechnet vor: Wenn die Bundesliga in den Jahren 2025 bis 2030 noch zu den drei europäischen Spitzenligen zählen möchte, muss sich der Umsatz mindestens verdoppeln und dann bei etwa 5,5 bis sechs Milliarden Euro liegen. Diese Kalkulation basiert auf Schätzungen der internationalen Entwicklungen. „Die Bundesliga muss weiter stark wachsen“, sagt Seifert, betont aber auch: „Entweder man diskutiert Möglichkeiten und Perspektive – oder das Ziel.“

Diesen Punkt hebt er mehrfach heraus: Es liegt in der Hand der Vereine, zu entscheiden, ob sie sich die Bundesliga perspektivisch in der kontinentalen Beletage wünschen. „Das erreicht man nicht allein dadurch, die nationalen Medienanbieter alle vier Jahre zu neuen Höchstpreisen zu treiben“, sagt Seifert. „Andere Einnahmen müssen diskutiert werden.“

Wie bestehende Geldquellen effizienter genutzt oder neue erschlossen werden können, möchte er nicht präzisieren. In absehbarer Zeit will die DFL darüber mit den Vereinen beraten. Ein Thema wird mit Sicherheit die Erschließung des globalen Marktes sein, Stichwort: Internationalisierung. In dieser Hinsicht hinken die deutschen Vereine, die sich – vom FC Bayern München und dem BVB einmal abgesehen – bislang vor allem auf imagewirksame Reisen in Zielmärkte beschränken, hinterher. Seifert sieht in diesem Bereich „erhebliches Umsatzpotenzial“.

Die TV-Einnahmen

Noch vor Beginn der EM im Juni soll das Vergabeverfahren der Medienrechte von der Saison 2017/18 an abgeschlossen sein – trotz möglicher Anpassungen, die wegen der Forderung des Kartellamts nach einer „No Single Buyer Rule“ notwendig sein könnten. Ein Unternehmen dürfte demnach nicht alle Pakete kaufen – es wäre ein Schritt gegen die Monopolstellung des Pay-TV-Senders Sky und die komfortable, aber international längst unübliche Situation der deutschen Zuschauer, wie Seifert erklärt. „Wenn man nach Konkurrenz schreit, kann das dazu führen, dass man künftig mit einem Abo nicht mehr alle Spiele sieht.“ Man befinde sich in Gesprächen. Details wollte Seifert nicht nennen.

Der DFL-Chef erhofft sich einen signifikanten Anstieg der Einnahmen auf 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro jährlich. Konform mit den Wünschen einiger Klubchefs stellt Seifert eine Reform des Verteilerschlüssels der Einnahmen zur Debatte, nach der künftig nicht mehr nur das sportliche Abschneiden, sondern auch Faktoren wie Tradition eine Rolle spielen könnten.

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Die Schiedsrichter, die Furcht vor England und die wichtigsten Zahlen

Die Schiedsrichter

Das Schiedsrichter-Ressort ist beim Deutschen Fußball-Bund angesiedelt. Seifert will an den Strukturen trotz zunehmender Kritik an den Referees nichts ändern. Er findet allerdings klare Worte: „Wir investieren so viel Geld wie noch nie, die infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen sind so gut wie nie – aber die Leistungen sind nicht so gut wie nie“, sagt Seifert. „Wir müssen uns Gedanken über Trainingsmethoden und didaktische Konzepte machen.“ Es reiche nicht, einfach nur ein paar Videos vorzuführen.

Die Furcht vor England

Die Klubs in der Premier League nehmen ab der nächsten Saison TV-Gelder in Höhe von jährlich 2,3 Milliarden Euro ein. „Der Vertrag ist gut für die Premier League, aber nicht für den Fußball in Europa“, sagt Seifert. „Der Hang zu irrationalem Handeln wird zunehmen.“ Die hohen Summen verändern die Voraussetzungen des Wettbewerbs, sportlich wie beim Anwerben neuer Spieler. Ein Problem, eine Lösung: Wollen die deutschen Klubs international konkurrieren, dann müssen sie langfristig in ähnliche Sphären vordringen. Durch höhere TV-Einnahmen – oder eben durch andere Möglichkeiten, den Umsatz zu steigern.

Die wichtigsten Zahlen

Die deutschen Fußball-Erstligisten haben in der Saison 2014/15 einen Umsatz von 2,62 Milliarden Euro erzielt. Im Gegensatz zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von sieben Prozent (oder: 176 Millionen Euro) – dieser Wert bedeutet den elften Umsatzrekord der Bundesliga in Folge.

Der höchste Anteil des Gesamtertrags stammt aus der medialen Verwertung (731,1 Millionen/27,88 Prozent am Gesamtertrag). Es folgen die Einnahmen aus der Werbung (672,7 Millionen/25,65 Prozent) und die Einnahmen aus dem Spielbetrieb (520,6 Millionen/19,85 Prozent).

Nach Abzug der Steuern und Abgaben konnten 27 der 36 Profiklubs einen wirtschaftlichen Gewinn verzeichnen. Der Nettogewinn der Bundesligisten lag insgesamt bei 51 Millionen Euro.

Die 2. Bundesliga setzte erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro um – genau: 504,6 Millionen.

50237 Menschen waren in direkter Anstellung oder durch Beauftragung der 36 Profivereine und deren Tochterunternehmen beschäftigt. Diese Zahl ist auch für den Fiskus relevant – die Steuern und Abgaben lagen insgesamt bei 980 Millionen Euro.

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