27.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Kommentar zum umstrittenen Elfmeter: Lionel Messi und Luis Suarez zwischen Demut und Demütigung

Lionel Messi, Luis Suarez

Freuten sich diebisch über ihren Elfmetertrick: Lionel Messi und Torschütze Luis Suarez (l.).

Foto:

Getty Images

Köln -

Es gab diese Szene im Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft im September 2006 gegen San Marino. Es stand 12:0 für das DFB-Team, als Schiedsrichter Selçuk Dereli auf Strafstoß Deutschland entschied. Im Überschwang der Gefühle sprintete Torhüter Jens Lehmann nach vorn, um den Elfmeter auszuführen. Er entschied sich schließlich doch dagegen – der Fairplay-Gedanke hielt ihn davon ab, und das zu Recht. Ein Treffer des Keepers wäre eine Demütigung für die Gastgeber gewesen.

Aber die Finte von Barcelona? Lionel Messi hat den Ball in Richtung Tor gespielt, er war als Schütze klar erkennbar, einem Mitspieler den Ball auf diese Weise vorzulegen ist nicht verboten. Gemäß der Regeln also: Alles in Ordnung.

Und moralisch? War die Variante des indirekten Elfmeters eine Demütigung für Celta Vigo? Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Frage der Versuch, sich in Vigo-Torhüter Sergio Alvarez hineinzufühlen. Variante eins: „Lionel Messi läuft an, hämmert den Ball an mir vorbei ins Tor und freut sich.“ Variante zwei: „Lionel Messi läuft an, lupft den Ball elegant in die Mitte und lässt mich, in der linken Ecke am Boden liegend, aussehen wie einen Depp.“ Variante drei: „Lionel Messi läuft an, spielt den Ball zur Seite, und bevor ich überhaupt weiß, was hier gerade passiert, ist der Ball drin.“ Ist das fair? Naja, es ist zumindest erlaubt. Beraubt das den Keeper seiner Chance, ein Tor zu verhindern? Naja, kann ja auch schief gehen (vgl. Pires/Henry, 2005).

Nun sind Messi und Suárez aber zwei der besten Fußballer der Welt, Scheitern ist nahezu ausgeschlossen. Wenn die Variante die Chance auf einen Treffer erhöht, dann hat das mit Demütigung nichts tun, sondern ist das Ziel des Spiels. Und wenn sich Alvarez resigniert fragt: „Tja, was soll ich denn da machen?“, dann lautet die Antwort: Nicht traurig sein. Staunen.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?