31.07.2016
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Krawalle im Fanblock: Banner sorgt für Eskalation auf Schalke

Beim Playoff-Spiel gegen Saloniki hat die Polizei den Block der Schalker gestürmt.

Beim Playoff-Spiel gegen Saloniki hat die Polizei den Block der Schalker gestürmt.

Foto:

Bongarts/Getty Images,

Gelsenkirchen -

Als Schalke 04 auf dem Rasen um die Champions-League-Millionen kämpfte, gingen hinter dem Tor Polizisten und Fans aufeinander los. Schalke-Ultras in der Nordkurve hatten beim 1:1 im Playoff-Hinspiel gegen PAOK Saloniki eine mazedonische Flagge gezeigt und damit die griechischen Anhänger provoziert. Die Polizei griff wegen „volksverhetzender Tatbestände“ mit einer Hundertschaft ein - mit Schlagstöcken und Pfefferspray. „Dieser Einsatz war völlig unverhältnismäßig“, kritisierte Schalke-Vorstandsmitglied Peter Peters die Aktion in der zweiten Halbzeit und sah die Gästefans als Schuldige: „Drohung und Gewalt gingen eindeutig von PAOK aus.“

Die umstrittene Fahne, erklärten die Ultras am Donnerstag, hänge „schon seit Jahren öfters in unserer Arena“. Sie sind mit Anhängern des mazedonischen Erstligisten Vardar Skopje befreundet. Die Polizei wollte nach eigenen Angaben Schlimmeres verhindern. „Die griechischen Fans fühlten sich so beleidigt, dass sie bereit waren, mit allen 2500 Mann in den Schalker Block zu gelangen“, sagte Direktionsleiter Klaus Noske: „Wir mussten jederzeit damit rechnen, dass sie den Platz stürmen. Nach Einschätzung des Polizeiführers hätte es dabei zu schweren und auch tödlichen Verletzungen kommen können.“

Schalke sei über den Einsatz informiert gewesen, erklärte Sprecherin Stefanie Dahremöller auf SID-Anfrage: „Der Sicherheitsbeauftrage wusste definitiv Bescheid. Er wurde aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um das Banner entfernen zu lassen.“ Da er keinen Erfolg hatte, griffen die Beamten ein. Harsche Kritik übte auch Sportvorstand Horst Heldt. „Es wundert mich, dass die Polizei in der Nordkurve war. Ich habe eher auf der anderen Seite Bengalos gesehen und Böller gehört, aber dort war niemand“, sagte Heldt und fragte mit Blick auf das Auswärtsspiel am Samstag: „Wenn unsere Fans eine Fahne von Eintracht Braunschweig nach Hannover mitbringen, stehen dann auch 200 Polizisten in der Kurve?“

Schalke befürchtet keine Strafe

Strafen von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) befürchtet Schalke nicht. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir mit Sanktionen rechnen müssen“, sagte Peters. Die Aggression sei von den Gästefans ausgegangen. Saloniki muss nach Ausschreitungen seines Anhangs ohnehin das Rückspiel am kommenden Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten. Die Gelsenkirchener Polizei berief sich auf Aussagen griechischer Beamte im Stadion, dass „es sich bei dem Inhalt des Banners um volksverhetzende Tatbestände“ handelte. Die Gäste seien „als Volksgruppe erheblich beleidigt und verunglimpft“ worden.

Bei den 15-minütigen massiven Auseinandersetzungen in der Nordkurve direkt hinter dem Tor von Timo Hildebrand kam es nach Polizeiangaben „zu Angriffen in Form von Schlägen, Tritten, Stichen mit Fahnenstangen, Becherwürfen etc.“ Die Fahne wurde nicht sichergestellt, etwa 30 Personen mussten durch den Sanitätsdienst mit Augenspülungen versorgt werden. Zwischen Griechenland und dem seit 1991 unabhängigen Mazedonien gibt es besonders wegen des Namens „Mazedonien“ Spannungen. Athen sieht darin mögliche Gebietsansprüche auf den zu Griechenland gehörenden Teil der Region Makedonien. (sid)