30.07.2016
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Bayern München: Heynckes steht im Mittelpunkt

FCB-Coach Jupp Heynckes (l.) tauscht sich mit den Spielern aus.

FCB-Coach Jupp Heynckes (l.) tauscht sich mit den Spielern aus.

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REUTERS

Doha -

Natürlich hat auch Jupp Heynckes höflich posiert. Hier ein Bild und dort ein Autogramm, so geht das beim FC Bayern noch ein bisschen mehr als anderswo, auch in der Früh um acht im Terminal 2 des Münchner Flughafens. Der Trainer hat den morgendlichen Trubel gestern beim Start ins einwöchige Trainingslager in Katars Hauptstadt Doha geduldig über sich ergehen lassen. Nur sagen wollte der 67-Jährige nichts. Grundsatzreden, das hat das Sommercamp am Gardasee gelehrt, hält er lieber gut vorbereitet - und wenn ihm der Zeitpunkt günstig erscheint.

Man darf gespannt sein, was Heynckes diesmal zu sagen hat am Persischen Golf und wie er mit der Debatte umgeht, die sich um ihn dreht, die bisher aber noch einigermaßen im Zaum gehalten werden konnte. Um seine Person geht es ja im Besonderen, abseits der bemerkenswert souveränen Hinrunde und der angestrebten Titel in Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal. Die Fragen nach der Zukunft des Trainers und nach seiner möglichen Nachfolge werden den FC Bayern nun stets und verstärkt begleiten, voraussichtlich bis in den März hinein und vielleicht darüber hinaus. Dann erst will der Fußballlehrer erklären, ob er auch im nächsten Spieljahr, mit 68 Jahren, die Zweckgemeinschaft hochbezahlter Kicker moderieren oder seine Aufgaben einem anderen Trainer übertragen wird.

Trainingsgelände ähnelt Disneyland

Sportvorstand Matthias Sammer hat in diesem Zusammenhang von "vielschichtigen Überlegungen" ge- und eine "Toplösung" versprochen. Was es dabei bedeutet, dass Josep Guardiola, der frühere Coach des FC Barcelona, angeblich zu einem Engagement in England tendiert? Sicher ist jedenfalls, dass die Münchner ihn für eine Toplösung halten - und dass Heynckes froh sein dürfte, wenn er sich dem Meistertitel im März tatsächlich bereits so weit genähert hat, wie es von Bundestrainer Joachim Löw bis zur Konkurrenz alle in der Branche erwarten.

Die Basis dafür soll in der "Aspire Academy for Sports Excellence" gelegt werden, die ungefähr so pompös ausgestattet ist wie das angrenzende Mannschaftshotel "Grand Heritage". In der Luxusanlage, die ein wenig an Disneyland erinnert, wurden für die Profis 35 Quadratmeter große Zimmer zur Verfügung gestellt. Auf den Sportanlagen darf es auch schon mal Vogelgezwitscher vom Tonband sein. Am Mittwochnachmittag war bei frühlingshaften 22 Grad bereits das erste Training angesetzt.

Durchaus vergnügt wirkten die meisten Spieler in der Münchner Delegation deshalb oder trotzdem, als sie die Sondermaschine LH 2570 bestiegen, wenngleich Toni Kroos die sechs Stunden Flug als "ein bisschen unangenehm" einstufte. Dennoch, die Bedingungen rechtfertigen den Aufwand, finden die Bayern. Und die gute Laune ist vor allem darauf zurückzuführen, dass nicht nur Thomas Müller der Meinung ist, die Mannschaft mache einen "stabileren Eindruck" als in der Vorsaison, als man sich mit drei Punkten Vorsprung und im Gefühl einer optimalen Vorbereitung aus Doha verabschiedete, danach aber alle Titelchancen verspielte und dabei zweimal Borussia Dortmund den Vortritt lassen musste. Bastian Schweinsteiger befand: "Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, dürften wir am Ende einen Titel gewinnen."

Sammer warnt seine Angestellten

Nur Sammer sieht keinen Grund zur Vorfreude. "2. Januar - arbeiten", befahl er knapp und im gewohnten Tonfall des Mahners und erweckte auch sonst nicht den Eindruck, einigermaßen weihnachtlich entspannt ins Trainingslager zu reisen: "Bedingungen holen keine Titel, das ist ganz einfach. Ich lese immer: In die Sonne und prima und toll - wir gehen dahin, um knallhart zu arbeiten, um anzugreifen in der Rückrunde." Man darf gespannt sein, wie sich Heynckes in deren Verlauf äußern wird, nach seinem vielleicht letzten Trainingslager, für das die beiden Tests gegen Katars Meister Lekhwiya Sports Club mit Trainer Eric Gerets am 5. Januar sowie gegen den FC Schalke 04 drei Tage später geplant sind. Danach dürfte Heynckes zumindest auf eine Schwärmerei verzichten, die er im Vorjahr anstimmte. Er sprach damals vom besten Trainingslager seiner Karriere. Für dieses Mal hat er angekündigt, "keinen Millimeter" von seiner Marschroute abzuweichen. Das klang sehr entschlossen und danach, unbedingt einen Titel gewinnen zu wollen. Vor dem möglichen Abschied.