26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Champions League: Balotelli - Genie und Wahnsinn
04. December 2012
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Champions League: Balotelli - Genie und Wahnsinn

Der größte Exzentriker des Weltfußballs: Mario Balotelli

Der größte Exzentriker des Weltfußballs: Mario Balotelli

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Getty Images

Köln -

Mario Balotelli raucht aus Überzeugung. Dass er dabei gelegentlich fotografiert wird und diese Aufnahmen nicht unbedingt förderlich für sein Image als Fußballprofi sind, stört den italienischen Nationalspieler eher geringfügig. Manchester Citys Trainer Roberto Mancini hingegen stimmt der Nikotinkonsum seines Stürmers erwartungsgemäß unglücklich. Deshalb wollte der 47-Jährige vor einiger Zeit ein Zeichen setzen - und verbannte seinen exzentrischen Schützling aus dem Kader, vor der Champions-League-Partie bei Real Madrid. Balotelli reagierte angeblich auf seine Art: Er soll weitergeraucht haben. Auf der Tribüne des Estadio Santiago Bernabéu.

Nach zuletzt ansteigender Formkurve ist jedoch gut möglich, dass er sich am Dienstag (20.45 Uhr) im Spiel bei Borussia Dortmund wieder auf dem Rasen austoben darf, wenn sein Team um die Teilnahme an der Europa League kämpft und auf den dritten Tabellenplatz hofft.

Mario Balotelli ist jung und hat das Geld, ebenso den Ruhm und grandiose sportliche Fähigkeiten - sein Umgang mit diesen luxuriösen Umständen ist jedoch fragwürdig. Dass er es offenbar darauf abgesehen hat, einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als der Fußballspieler mit den meisten Eskapaden zu erreichen, daran ist sogar der große José Mourinho verzweifelt. Der Portugiese hatte Balotelli bei Inter Mailand trainiert. "Über die Zeit mit Mario könnte ich ein Buch von 200 Seiten schreiben - kein Drama, eine Komödie", sagt Mourinho.

Balotelli wurde als Sohn ghanaischer Immigranten in Italien geboren und wuchs bei einer italienischen Familie auf. Im Dezember 2007 debütierte der 22-Jährige in der Serie A für Inter Mailand. 59 Ligaspiele, 20 Tore und diverse Skandale später wechselte er im Sommer 2010 für rund 28 Millionen Euro nach Manchester. Für den amtierenden Meister hat er in 59 Premier-League-Spielen ebenfalls 20-mal getroffen. Auch in England wird allerdings mehr über seine Eskapaden als über sportliche Höhepunkte berichtet.

Reich und noch nicht erwachsen

Einen solchen erlebte Balotelli am 28. Juni dieses Jahres. Im Halbfinale der Europameisterschaft erzielte er zwei Tore gegen Deutschland. Es war ein Spiel, indem er all seine Fähigkeiten zur Schau stellte - seine Schnelligkeit, seine exzellente Ballbehandlung, seine grandiose Schusstechnik. Balotelli könnte einer der besten Fußballer der Welt sein. Wenn da nicht die andere Seite des großen Jungen wäre, der einfach nicht erwachsen wird.

Als Polizisten nach einem Unfall 5000 Pfund in seinem Auto fanden, soll Balotelli das viele Geld ziemlich simpel erklärt haben: "Weil ich reich bin." Er hat angeblich Juniorenspieler seines Klubs mit Dartpfeilen abgeworfen, und er soll sein Badezimmer mit Feuerwerkskörpern angezündet haben. Im Sommer wurden Fotos von ihm veröffentlicht, die zeigen, wie er mit nacktem Oberkörper und einer Champagner-Flasche in der Hand an einer Wasserpfeife zieht.

Mario Balotelli scheint das Ausmaß dieser Ausrutscher als relativ gering einzuschätzen. Nach einem Tor im Derby gegen Manchester United präsentierte er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Why always me?" - warum immer ich? Die Berichterstattung über seine außerfußballerischen Aktivitäten empfand er wohl als unpassend. Er fühlte sich verletzt.

Das war nicht zum ersten Mal in seiner Karriere der Fall. Balotelli wurde oft Opfer von rassistischen Aktionen, während seiner Zeit in Mailand wurde er häufig von gegnerischen Fans beleidigt. Um ähnlichen Vorfällen während der Europameisterschaft vorzubeugen, hatte er angekündigt: "Wenn mich jemand auf der Straße mit einer Banane bewirft, werde ich ins Gefängnis gehen müssen, weil ich denjenigen umbringen werde."

Zu einer Haftstrafe ist es nicht gekommen. "Er muss kapieren, dass er hart arbeiten und sich voll auf seinen Job und nicht auf andere, unwichtige Dinge konzentrieren muss", sagt Mancini jedoch, "um so gut zu werden wie Ronaldo oder Messi". Letzte Woche gelang Balotelli gegen Wigan sein erster Saisontreffer. Er feierte auf seine Art, ließ sich ein neues Tattoo stechen und veröffentlichte, während der Tätowierer die Nadel ansetzte, ein Foto aus dem Studio im Internet. Immerhin: ohne Zigarette.


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