24.07.2016
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DFB-Länderspiel: Löws zweiter Anzug passt

Nach langer Zeit wieder erfolgreich und dann gleich mit einem Doppelpack: Lukas Podolski winkt den Fans.

Nach langer Zeit wieder erfolgreich und dann gleich mit einem Doppelpack: Lukas Podolski winkt den Fans.

Foto:

REUTERS

Boca Raton -

„Das Wichtigste zuerst“

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit dem 4:2 (4:1) über Ecuador durch Tore von Lukas Podolski und Lars Bender (je 2) gezeigt, dass sie unter widrigen Bedingungen funktionieren kann: Mit einer Besetzung, die noch nie zusammengespielt hatte, bei – trotz des Ausbleibens extremer Hitze-  immer noch schwierigen Wetterverhältnissen gegen einen Gegner, der an so etwas besser gewöhnt ist und in der Weltrangliste immerhin klar vor großen Namen wie Brasilien oder Frankreich steht. Der so genannte „zweite Anzug“ (vielleicht war es sogar der dritte?) passt. Um im Bild zu bleiben: Er sitzt zwar nicht wie angegossen. Aber man kann sich darin auf die Straße wagen, ohne sich lächerlich zu machen. Zur WM muss sollte man aber den Sonntagsanzug mitnehmen.

Das war gut:

Joachim Löws Mannschaft spielte, solange sie kräftemäßig dazu in der Lage war, denselben offensiven, flotten Kombinations-Fußball, den sie auch mit Özil, Reus, Götze, Müller und Klose spielt. Ecuador mag mit schweren Abwehrfehler mitgeholfen haben, aber vier Tore in den ersten 30 Minuten sind auf internationalem Niveau eine Ansage. Und vier Tore aus nur acht Torschüssen ein Beleg für Effektivität. Debütant Max Kruse begann im Angriff  stark und deutete an, dass er vielleicht der zweite „falsche Neuner“ im WM-Kader nach Mario Götze sein könnte. Löw mag diese Variante ja. Und wenn man nur Götze hat und nach vorn stellt, hat man ihn ja nicht mehr dahinter.

Das war schlecht:

Nach einer halben Stunden begann Ecuador, die Schwächen der DFB-Elf aufzudecken: In der Defensive ging es erst ein bisschen und später immer mehr drunter und drüber. Aus der Viererkette Höwedes – Mertesacker -  Westermann – Jansen konnte keiner wirklich überzeugen. Das Problem des zweiten Klasse-Außenverteidigers neben Philipp Lahm schleppt  Löw nun schon jahrelang herum. Ein Jammer, dass David Alaba vom FC Bayern Österreicher ist.

Mann des Spiels:

Der Unbekannte, der nach dem Spiel auf den Platz kam und Lukas Podolski einen  FC-Schal in die Hand drückte. Er hatte sich den richtigen Mann des Spiels ausgesucht:  Podolski übertrumpfte mit seinem 109. Länderspiel Jürgen Klinsmann, mit seinem 46. Länderspieltor zum 3:0 Karlheinz-Rummenigge und mit dem Treffer zu 1:0 nach neun Sekunden sich selbst: Es war das schnellste Tor, dass er je erzielt hat. Und das schnellste der 105-jährigen deutschen Länderspielgeschichte auch. Die aggressive  Attacke auf Ecuadors überraschten Verteidiger Achilier vom Anstoß weg  zeigte, dass sich Podolski etwas Besonderes vorgenommen hatte. Von einer Reaktion auf die Bierhoff-Kritik wollte er hinterher aber nicht sprechen. Er sei ja offen für Kritik, sagte er, „aber vor allem von Personen, die täglich mit mir arbeiteten, also die Trainer. Das ist das Wichtigste“.  Mit schönen Grüßen an den Funktionär.

Moment des Spiels:

Erstens: Der heftige Regenguss um 22:26 Uhr MESZ.  Da hatte Schiedsrichter Ricardo Salazar auch die Nase voll, pfiff ab und erlöste die Deutschen, die stehend k.o. waren, von der ecuadorianischen Dauer-Offensive. Zweitens: Die ecuadorianische Spielvorbereitung in der Kabine. Merke: Wer sich auf diese Art konzentriert, kriegt von Podolskis nach neun Sekunden einen eingeschenkt.

Das sagen die Trainer:

Joachim Löw (Deutschland): „Solche Spiele sind super gut  für die jungen Spieler, um Erfahrungen zu sammeln. Das ist das, was bei mir hängenbleibt. Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir kompakt sind. Das hat die Mannschaft gut umgesetzt. In der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen die Ruhe verloren."

Reinaldo Rueda (Ecuador): „Deutschland hat uns heute in der ersten Halbzeit eine Lektion erteilt. Ich hoffe, dass wir sie bis zu den nächsten Spielen gelernt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir angefangen, Fußball zu spielen, aber wir sind an einem sehr starken Torhüter  gescheitert.“

Das sagen wir:

Diese DFB-Elf hat in der ersten Halbzeit mehr gezeigt, als man ihr zugetraut hätte. Für den Einbruch danach gibt es nachvollziehbare, handfeste Gründe. Das ist der Unterschied zum 4:4 von Berlin im Punkspiel um die WM-Qualifikation gegen Schweden, als eine namentlich viel prominenter besetzte  deutsche Elf plötzlich mental zusammenbrach. Die einzigen Parallelen sind: Löws Team führte jeweils  4:0 und der Gegner trug gelb.