24.05.2016
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Duell mit Italien: Mehr als ein Testspiel für die Nationalelf

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Will eine Diskussion vor der EM vermeiden: Bundestrainer Joachim Löw.

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dpa

Er wollte Erkenntnisse, doch nun braucht Joachim Löw dringend auch ein Ergebnis. Die Hoffnung auf einen weiteren Testlauf mit möglichst wenig Druck hat sich für den Bundestrainer nach der „Lehrstunde“ beim 2:3 gegen England am Samstag erledigt. Gegen Italien am Dienstag in München (20.45/ARD) braucht das DFB-Team ein Erfolgserlebnis, will es hektische Diskussionen bis zur EM verhindern - und Löw ein Déjà-vu ersparen.

2006 erlebte er als Assistent von Jürgen Klinsmann nach einem 1:4 in Italien im März die nackte Panik vor der Heim-WM, die seinen Chef - und damit wohl auch ihn selbst - beinahe den Job gekostet hätte.

Müller gesteht Einstellungsproblem

Thomas Müller war damals zwar noch B-Jugendlicher, doch auch ihm ist bewusst, welche Untergangsstimmung im Weltmeister-Land im Falle einer weiteren Niederlage droht. „Wir müssen aus dem Testmodus herauskommen und wieder gierig sein“, forderte der Weltmeister und gestand ein Einstellungsproblem: „Im Testspiel geht man nicht über Grenzen. Sollte nicht passieren, aber wir sind auch nur Menschen.“

Müller ergänzte zwar beschwichtigend, „dass wir ein paar Prozent mobilisieren können, wenn es um die Wurscht geht“.

Duell mit Italien ist mehr als ein Test

Doch auch, wenn es nach der ersten Niederlage nach 2:0-Führung in einem Heimspiel am Dienstag nicht um Punkte oder um ein Weiterkommen geht: Das Spiel gegen die Squadra Azzurra, gegen die das DFB-Team seit fast 21 Jahren ohne Sieg ist, ist mehr als ein Test.

Auch wenn Löw mit dem Bonus des Weltmeister-Machers selbst bei der vierten Niederlage im fünften Spiel persönlich nicht annähernd so in die Bredouille geraten würde wie einst Klinsmann. Die Spieler beteuern, dass sie die Lage verinnerlicht haben. „Uns wurden die Augen geöffnet“, beteuerte Sami Khedira, gegen die Briten Kapitän: „Jeder Einzelne muss sich darauf besinnen, hart zu arbeiten.“

Mario Gomez - mit einem Tor, einem weiteren fälschlicherweise aberkannten und großem Einsatz der einzige Gewinner gegen England - erklärte: „Bei einem Turnier würde ein solches Spiel die Heimreise bedeuten. Das muss uns klar sein.“ Gomez ergänzte zwar, „dass uns das bei einem Turnier nicht passiert wäre“.

Schneider: „Gegen Italien müssen wir liefern“

Am Dienstag kann der Weltmeister aber zumindest den Ernstfall proben. „Wir haben uns ein Stück weit unter Druck gesetzt. Gegen Italien müssen wir liefern“, betonte Löws Assistent Thomas Schneider mit Blick auf die Stimmung: „Klar ist das Ergebnis wichtig für uns. Wir wollen mit einem guten Ergebnis in die Pause gehen.“

Das nächste Länderspiel steigt erst am 29. Mai während des EM-Trainingslagers - einen Tag vor der Kadernominierung für die EURO. Dennoch will man laut Khedira nicht das Risiko eingehen, das Ergebnis komplett über die Erkenntnisse zu stellen. „Für die Öffentlichkeit und die Fans mag das Ergebnis wichtiger sein. Aber wir werden nicht irgendwelche Dinge ändern, um zu gewinnen“, versicherte er: „Wir versuchen jedes Spiel zu gewinnen, auch wenn es in letzter Zeit des Öfteren anders ausging.“

Startelf-Garantie für Mario Götze

Es gebe eben „alle zwei Jahre immer die gleiche Diskussion“ und das sei den Spielern „auch nicht alles egal“. Man müsse dennoch am Dienstag manchen Kollegen eine Pause und anderen eine Bewährungschance geben. Löw steht hier vor einem schwierigen Spagat. Gomez wird auf die Bank müssen, damit WM-Held Mario Götze die Spielpraxis bekommt, die ihm bei den Bayern verwehrt bleibt.

Müller wird wohl eine Pause bekommen, auch die zuletzt stark belasteten Toni Kroos, Mesut Özil, Marco Reus, Mats Hummels und Khedira sollen zumindest nicht 90 Minuten spielen. Andere müssen ein Ausrufezeichen setzen, um ihr WM-Ticket nicht zu gefährden. „Es gibt Spieler, die sich zeigen wollen“, betonte Khedira und forderte: „Ich hoffe, dass wir das auf dem Platz sehen.“ Es wäre nicht nur für sie persönlich wichtig, sondern für das gesamte Stimmungsbild im Weltmeister-Land. (sid)