24.08.2016
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Fifa-Kongress: Ein Tag zum Staunen und Zweifeln

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Gianni Infantino übernimmt den Chefposten beim Fußball-Weltverband.

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dpa

Die Fifa hat sich am Freitag das größte Reformpaket ihrer Geschichte gegeben, und wäre die Fifa nicht die Fifa, man könnte glatt staunen: Amtszeitbeschränkung für Funktionäre, die Offenlegung ihrer Vergütung, Transparenz, Demokratie.

Das klingt, als wären die Herren, die sich all die Jahre im Fußball bewegten wie in einem Selbstbedienungsladen, an dessen Ausgang keine Kasse steht, zur Vernunft gekommen.

Als hätten sie eingesehen, dass das Unrecht ein Ende haben muss. Oder wenigstens, dass man nicht unantastbar ist, sondern damit rechnen muss, dass die Polizei morgens um sechs die Tür zur Luxussuite eintritt, wenn man so weitermacht.

Die Reformen als Ergebnis eines Prozesses zu interpretieren, der auch nur entfernt mit Einsicht zu tun hat, wäre jedoch falsch.

Abstimmungsergebnis nur scheinbar deutlich

Zu erwarten ist das: Die Funktionäre, die das bisherige System gestützt haben, die ja letztlich selbst das System sind, sie haben kein Interesse daran, etwas zu ändern. Das schöne Geld, die Privilegien – dass sie darauf verzichten, ist ausgeschlossen.
Über den Reformwillen gibt das nur scheinbar deutliche Abstimmungsergebnis Auskunft: Elf Prozent Nein-Stimmen – das mag sich nach wenig anhören.

Aber bei einer derartigen Grundsatzentscheidung hätte sich die Fifa um Einstimmigkeit bemühen müssen. Dass manche Delegierte nicht einmal bereit waren, ihren Reformwillen mit einem Kreuzchen auf extrem geduldigem Fifa-Papier zu machen, lässt tief blicken.

Infantinos Versprechen erinnern an Sepp Blatter

Zwischen dem Beschließen von Reformen und deren Umsetzung liegen regelmäßig Welten, nicht nur bei der Fifa. In sofern läge es nun am neuen Präsidenten, sich als Hüter des Reformpakets zu profilieren. Doch der Neue heißt Gianni Infantino, war Michel Platinis rechte Hand und Teil des Systems Blatter.

In seinem Wahlkampf hat er sich vor allem dadurch profiliert, kleinen Verbänden Geld zu versprechen und lukrative WM-Startplätze in Aussicht zu stellen – zuletzt am Freitag unter tosendem Applaus der Delegierten.

Damit steht Infantino in der Tradition seines Landsmannes Joseph S. Blatter. Und der stand für vieles. Nur für Reformwillen und Transparenz, dafür stand er nicht.