28.09.2016
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Gegen Kasachstan: Deutscher Sieg mit Schönheitsfehler

Die DFB-Kicker feiern einen 4:1-Erfolg gegen Kasachstan

Die DFB-Kicker feiern einen 4:1-Erfolg gegen Kasachstan

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dpa

Nürnberg -

Asako Nakato war eigens mit ihrer besten Freundin aus Japan angereist, um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstagabend in Nürnberg gegen Kasachstan siegen zu sehen. Die 38-Jährige wurde beim 4:1 (3:0) im leise rieselnden Schnee nicht enttäuscht und kann schon mal das Ticket für den Flug nach Brasilien im Sommer 2014 reservieren.

Bundestrainer Joachim Löw hatte für den vorzeitig abgereisten Schalker Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung auf Jerome Boateng gesetzt, für den gelbgesperrten Bastian Schweinsteiger erledigte Ilkay Gündogan Aufräumarbeiten im Mittelfeld, und ins offensive Mittelfeld kehrte Marco Reus zurück und drängte Lukas Podolski auf seinen mittlerweile zum Stammplatz gewordenen Platz: die Bank.

35 Minuten waren gespielt, als eine überschaubare Gruppe der Gäste-Anhänger auf der Haupttribüne sich ein Herz fasste. Zaghafte Kasachstan-Sprechchöre waren für einige Sekunden unüberhörbar, verstummten aber alsbald. Das lag zu diesem Zeitpunkt auch daran, dass die deutsche Mannschaft binnen acht Minuten drei Tore erzielt und die zuvor mehr als 20 Minuten lang zwar steten, aber nutzlosen Offensivbemühungen in ein vertretbares Maß an Aufwand und Ertrag gestellt hatte.

Es war, mit der Ausnahme der ersten Ecke für die allseits überforderten Hintereuropäer und Vorderasiaten in der siebten Minute, ein Fußballspiel, das sich zu neun Zehnteln in der Gäste-Hälfte abspielte. Das konnte niemanden ernsthaft verwundern, dazu sind die individuellen technischen, athletischen und läuferischen Möglichkeiten eines jeden deutschen Spielers denen ihrer Gegenspieler viel zu weit überlegen. Aber es führte natürlich auch dazu, dass sich angesichts der zunächst erfolglosen Mühen eine Atmosphäre ausbreitete, die dem ausverkauften Haus phonetisch nicht gerecht wurde.

Aber dann schnappte sich Marco Reus den Ball, drehte von links dynamisch am Strafraum entlang ein und zog durch die Beine des Fürthers Heinrich Schmidtgal präzise ab. Dem 1:0 nach 22 Minuten ließ Mario Götze kaum mehr als 60 Sekunden später das 2:0 folgen. Zuvor hatte sich der agile Philipp Lahm sich wie ein Messer in die butterweiche kasachische Abwehr geschnitten und präzise aufgelegt. Ein Doppelschlag – genau wie im Hinspiel am Freitag, dem diesmal allerdings das 3:0 schneller folgte: auf Vorarbeit von Mesut Özil durch Ilkay Gündogan nach kaum mehr als einer Stunde.

Zuvor hatten es die Gastgeber sowohl mit flinken Kombinationen als auch mit der ein oder anderen hohen Flanke versucht. Aber da fehlte in der sehr variabel agierenden Offensive mit Götze, Özil, Reus und Thomas Müller ein Abnehmer von Gardemaß in der Angriffsmitte. Das war vorher nicht unbekannt gewesen und führte dazu, dass Schmelzer und Müller das Flanken dann doch lieber wieder sein ließen. Eine gute Idee!

Während den Zuschauern in der Pause die Temperatur von Fußzehen und Fingern in die Nähe des Gefrierpunktes gerieten, die Kälte sich auch unter Daunenjacken und durch lange Unterhosen drängte, erlitt auch Manuel Neuer im deutschen Tor trotz eines sicherlich angenehm heiß aufgekochten Halbzeittee unmittelbar nach Wiederanpfiff eine Art kleiner Kälteschock. Offenbar hatten 15 Minuten nicht gereicht, den deutschen Torwart in seinen kurzen Hosen ausreichend aufzuwärmen.

Patzer von Neuer

Neuers unfreiwillige Vorarbeit nutzte Schmidtgal zum 1:3 in der 46. Minute. Dass einige Zuschauer bei Neuers nächster Ballberührung bald darauf mit Pfiffen reagierten und einer sogar „Neuer raus“ schrie, kann getrost unter der Rubrik Einzelmeinungen abgelegt werden. Größer war die Schnittmenge spöttisch jubelnder Deutscher, nachdem der arme Pannen-Manu etwas später einen einfachen Ball abfing. So einfühlsam kann er halt sein, der gemeine Fußballfan.

Das deutsche Spiel erfuhr, wie schon im Hinspiel vor vier Tagen, einen Bruch. Der Psychologie der in Überheblichkeit mündenden Überlegenheit hatte Joachim Löw in der Kabine offenbar verbal nicht genug entgegenzusetzen gehabt. So wurde es noch ruhiger, und noch kälter sowieso, ehe die Deutschen ihre Aluminiumtrefferzahl noch auf insgesamt sechs erhöhten und die Fans etwas in Wallung brachten. Das nächste Pflichtspiel in der WM-Qualifikation am 6. September wird unzweifelhaft eine stimmungsvollere Angelegenheit werden: Es geht in München gegen Österreich.