29.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Krise bei Werder: Schaaf bietet seinen Rücktritt an
21. April 2013
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Krise bei Werder: Schaaf bietet seinen Rücktritt an

Thomas Schaaf macht in Bremen gerade eine schwere Zeit durch.

Thomas Schaaf macht in Bremen gerade eine schwere Zeit durch.

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Bongarts/Getty Images

Am Tag nach dem erneuten Debakel wollte Thomas Schaaf nichts mehr sagen. Nichts zum katastrophalen 0:3 (0:2) gegen den VfL Wolfsburg, nichts zu seinem Rücktrittsangebot vom Vorabend und schon garnichts zu seiner angeblich bevorstehenden Entlassung. Der Bremer Coach schwieg.

Stattdessen sprang Sportdirektor Thomas Eichin für ihn in die Bresche. Trennungsgerüchte wies er entschieden zurück. „Das ist völliger Schwachsinn“, sagte Eichin dem SID am Sonntag. Medien hatten zuvor berichtet, dass Eichin in einer Krisensitzung am Samstagabend nach dem neunten Spiel ohne Sieg hintereinander von der Vereinsspitze die Erlaubnis bekommen habe, Schaaf zu entlassen. „Natürlich gibt es einiges zu bereden. Wir analysieren die momentane sportliche Situation und hinterfragen uns kritisch. Mit der Vereinsspitze und mit dem Trainer“, sagte Eichin gereizt.

Schaaf selbst hatte am Abend zuvor für reichlich Gesprächsstoff gesorgt, als er noch im Kabinentrakt der Arena öffentlich seinen Rücktritt anbot. „Wenn ich das Problem sein sollte, dann trete ich gerne auf die Seite“, sagte Schaaf mit ernstem Blick und wiederholte damit jenen Satz aus einem Fernseh-Interview bei Sky, der zuvor für mächtig Wirbel gesorgt hatte.

Der 51-Jährige wirkte ratlos - und war tief enttäuscht. „So eine Leistung ist mir für mich unverständlich. Wir haben eine Art und Weise in den Zweikämpfen gehabt, wie man es schlechter nicht machen kann. So kann man kein Spiel gewinnen“, sagte Schaaf. Auch Eichin schoss sich nach der blamablen Vorstellung gegen die Wölfe auf die Spieler ein. „Thomas ist von der Mannschaft komplett im Stich gelassen worden“, sagte Eichin und kündigte Konsequenzen an: „Die Art der Trainingsführung und die Art generell wird sich diese Woche sicherlich ein bisschen ändern.“

Doch auch Schaaf wird sich - zumindest intern - einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Warum ließ er Abwehrchef Sokratis auf dem linken Flügel beginnen anstatt auf seiner angestammten Innenverteidiger-Position? Und warum ließ er Werders besten Stürmer Nils Petersen trotz dessen Genesung zunächst auf der Bank? Als Schaaf sein taktisches Experiment nach 33 Minuten beim Stand von 0:2 beendete, war die Partie praktisch schon entschieden.

Die leidensfähigen und normalerweise als sehr geduldig geltenden Bremer Fans quittierten die siebte Heim-Niederlage ihres Teams mit einem gellenden Pfeifkonzert und eindeutigen Sprechchören. „Wir haben die Schnauze voll“, sangen Teile der Anhänger bereits lange vor dem Abpfiff. „Das habe ich hier noch nie gehört. Man muss es aber auch verstehen. Wenn wir solchen Spiele abliefern, ist das normal“, sagte Werder-Kapitän Clemens Fritz und entschuldigte sich stellvertretend für seine Mannschaft. Harmlos, ideenlos, kopflos - Bremen agierte über fast die gesamten 90 Minuten erschreckend schwach. Trotz der Rückkehr einiger Leistungsträger fehlte dem Bremer Spiel eine klare Linie.

Wolfsburg ohne Mühe

Wolfsburg hatte keine Mühe, durch Treffer von Youngster Maximilian Arnold (13.), Ivica Olic (27.) und dem Ex-Bremer Diego per Foulelfmeter (66.) seinen siebten Auswärtssieg einzufahren. Dass der Abstand auf den Relegationsplatz vier Spieltage vor dem Saisonende weiterhin fünf Punkte beträgt, war einzig der schwächelnden Konkurrenz zu verdanken. „Dass die anderen nicht gepunktet haben, ist Glück für uns, aber darauf können wir uns in den kommenden Wochen nicht verlassen“, sagte Mittelfeldspieler Aaron Hunt, der wie seine Kollegen weit unter Form spielte.

Selbst beim Gegner sorgte man sich nach dem Spiel um die unmittelbare Zukunft der Hanseaten. „Werder muss jetzt aufpassen“, sagte Naldo, der vor der Partie nachträglich aus Bremen verabschiedet worden war, mit einem traurigen Gesichtsausdruck: „Aber ich bin mir sicher, dass Werder nicht in die 2. Liga geht.“ Diese Sicherheit hat in Bremen längst nicht mehr jeder. (sid)