30.07.2016
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Nationalmannschaft: Duo reist ab - Löw nominiert Bender

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Bongarts/Getty Images

Astana/Kasachstan -

Julian Draxler lag mit einem Brummschädel benommen in der Kabine und reiste am Samstagnachmittag nach Hause, Bastian Schweinsteiger lief wegen seiner Gelbsperre sichtlich missmutig durch die Katakomben der Astana Arena und Benedikt Höwedes humpelte etwas traurig in den Bus: Die Ausfall-Liste bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist nach dem 3:0 (2:0)-Erfolg in Kasachstan noch länger geworden.

Vor dem zweiten Duell mit den Kasachen am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Nürnberg reagierte Bundestrainer Joachim Löw auf die Personalnot und nominierte den Dortmunder Sven Bender nach, der zunächst wegen einer Grippe abgesagt hatte. Zudem steht Marco Reus nach abgesessener Gelbsperre wieder zur Verfügung. Offen ist dagegen noch, ob Mario Gomez rechtzeitig fit wird. Der Angreifer von Bayern München hatte sich im Abschlusstraining eine leichte Zerrung im Oberschenkel zugezogen. Gomez hatte in Kasachstan dennoch auf dem Spielberichtsbogen gestanden.

Dort wäre nämlich nach je drei Absagen vor und nach Löws Nominierung sonst ein Platz unbesetzt geblieben. Und so durfte der Bayern-Stürmer das Spiel von der Bank aus verfolgen statt auf die Tribüne zu müssen. Vor dem Fernseher wird am Dienstag Schweinsteiger sitzen. Beim Stande von 2:0 holte er sich eine unnötige Gelbe Karte im Mittelfeld ab, die ihn zum Zuschauen zwingt - und ihn mächtig ärgerte. „Das war mein einziges Foul im gesamten Spiel“, sagte er frustriert: „Ich war jetzt lange nicht mehr dabei und hätte sehr gerne im Rückspiel gespielt.“ Da der Vize-Kapitän für die letzten beiden Testspiele (wie für die sieben davor auch) verletzungsbedingt abgesagt hatte und bei der US-Reise im Sommer nicht dabei sein wird, war das Länderspiel am Freitag für ihn wohl das einzige innerhalb von zehn Monaten.

Bis mindestens zum Länderspiel gegen Paraguay im August wird der 27-Jährige nun bei 98 Einsätzen verharren, jener ominösen Zahl, die Ex-Kapitän Michael Ballack nie überschritt. Weit von solchen Zahlen entfernt ist noch Draxler. Doch mit starken Leistungen in der Bundesliga hatte der 19 Jahre alte Schalker gezeigt, dass ihm die Zukunft gehören kann. Löw belohnte ihn beim vierten Einsatz mit dem Startelf-Debüt, doch das war nach 19 Minuten aufgrund einer Gehirnerschütterung schon wieder beendet. „Der Doktor wird Euch alles erzählen“, meinte Draxler, als er sichtlich mitgenommen das Stadion verließ.

Ungewohnter Kunstrasen

Am Samstag wurde die erste Diagnose bestätigt, Draxler reiste ab und steht im zweiten Duell gegen Kasachstan am Dienstag nicht zur Verfügung. Ihm hatte selbst das Aufstehen Mühe bereitet. „Es sieht nicht ganz so gut aus, er liegt in der Kabine und hat sehr starke Kopfschmerzen“, hatte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff bereits unmittelbar nach dem Spiel berichtet. „Er hat nicht richtig gesehen“, ergänzte Löw. Wann Höwedes (Oberschenkelverhärtung) und Gomez wieder ins Training einsteigen können, ist derweil offen.

Bleibt zudem abzuwarten, wie die übrigen Spieler die ungewohnte Belastung auf dem Kunstrasen bis Dienstag überstehen. „Man hat in der Kabine gemerkt, dass einige nicht gewohnt waren, auf Kunstrasen zu spielen und nach 90 Minuten Probleme hatten“, erklärte Bierhoff. „Man spürt die Füße, das Abbremsen geht ganz schön auf die Gelenke“, befand Kapitän Philipp Lahm. Sollte es bis Dienstag keine weiteren Komplikationen geben, dürfte Reus für Draxler ins linke offensive Mittelfeld rücken. Für Höwedes stünde Jerome Boateng parat, den der Schalker am Freitag etwas überraschend ausgestochen hatte. Und für Schweinsteiger wird mit ziemlicher Sicherheit der Dortmunder Ilkay Gündogan beginnen. „Ehrlich gesagt rechne ich nicht zu 100 Prozent damit, dass ich spielen werde“, sagte dieser jedoch: „Ich weiß nicht, was im Kopf des Bundestrainers vorgeht.“ Aufs Personal bezogen waren es am Wochenende vor allem Sorgen. (sid)