27.07.2016
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Portrait: Guardiola und die Messi-Idee

Immer auf der Suche nach Verbesseungen: Pep Guardiola.

Immer auf der Suche nach Verbesseungen: Pep Guardiola.

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Getty Images

Josep Guardiola (41) aus Sampedor bei Barcelona in Spaniens Nordosten ist einer dieser poetischen Menschen, die Worte in Gedichte verwandeln können. Die Zufriedenheit zum Beispiel – ein großer Feind: „Man muss vorsichtig mit der Zufriedenheit sein.“ Denn trotz allen Fortschritts, trotz aller Eleganz, trotz des schönen, schnörkellosen Erfolgsfußballs, den der katalanische Trainer Guardiola den FC Barcelona spielen ließ, wusste er nach vielen Stunden akribischer Arbeit und enormer Detailanalyse: „Es gibt immer Raum für Verbesserungen.“ Auch für Barca, die fußballerische Offenbarung.

Von 2008 bis 2012 war Guardiola für den Großklub verantwortlich, in dieser Zeit gewann er sechs internationale und acht nationale Titel, darunter die Champions League (2009 und 2011) und dreimal die spanische Meisterschaft (2009, 2010, 2011) – drei Triumphe also gegen Real Madrid, den großen nationalen Rivalen. Doch dann hatte Guradiola, Spitznamen Pep, genug, er wirkte müde und blass, er brauchte eine Auszeit – und nahm sie sich. Er ließ seinen Vertrag auslaufen und gönnte sich ein Jahr auf einem anderen Kontinent, in New York. Gerade durch seine Abwesenheit wurde Guardiola noch begehrter: Italien, England, Spanien – er konnte aus einer Liste von Angeboten wählen und entschied sich jetzt für den FC Bayern.

Nach der Kündigung von Frank Rijkaard im Mai 2008 setzte Klub-Präsident Joan Laporta auf Guradiola – und machte alles richtig. Der Neue hatte zwar nur ein Jahr die zweite Mannschaft des Klubs trainiert, aber er kannte ihr Herz. Mit 13 Jahren bezog Guardiola ein Zimmer in der Klubakademie „La Masia“, ein Treffpunkt für Hochbegabte, die es immer wieder in den Kreis der ersten Elf schaffen. 1992 gewann Guardiola den Europapokal der Landesmeister, angeleitet von Johan Cruyff, ein Trainer, von dem er sich viel abschaute. Erst 2001, mit 30 Jahren und nach 379 Spielen, verließ Guardiola seinen Klub und wechselte nach Italien. Dort schlitterte er 2001 bei Brescia Calcio in einen Dopingskandal: Guardiola wurde zweimal positiv auf Nandrolon getestet und anschließend vier Monate gesperrt. Der Gerichtshof des italienischen Fußballverbandes erklärte ihn schließlich nach einem Einspruch für unschuldig.

In Guradiolas katalanischer Traumelf spielten Lionel Messi, Andres Iniesta und Xavi so gut wie nie zuvor, und es war Guardiola, der auf den Kniff kam, Messi mehr und mehr ins Sturmzentrum zu stellen, weg vom rechten Außenflügel. Das machte die unberechenbare Spieleinheit Barca noch unheimlicher und erfolgreicher. Messi erzielte 2012 insgesamt 91 Pflichtspieltreffer – Weltrekord. Aber in der zweiten Hälfte war Guardiola ja schon nicht mehr da. Sein Nachfolger hatte aber seine Messi-Idee übernommen. Klare Sache.